19.06.2023 09:38

Kreispokal - Finale


Jetzt mit Video: WTW macht zweiten Saison-Titel perfekt!

Ostkreisler lassen im Pokalfinale einige Möglichkeiten ungenutzt / Heintz: „Die Jungs werden sich heute ordentlich den Helm lackieren“
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WTW Wallensen Kreispokalsieger 2023
Der WTW Wallensen ist Kreispokalsieger 2023!

WTW Wallensen – SV Lachem 2:0 (1:0).

„Campeones, Campeones, olé, olé, olé“ schallte es um kurz nach 19 Uhr lautstark quer über die Bezirkssportlage in Emmerthal. Der Grund für die lauten Jubelrufe des WTW Wallensen? Nicht etwa der Gewinn der Kreisliga-Meisterschaft, diese Trophäe durften die Männer von der Thüster Platte bereits vor einer Woche voller Ekstase in die Höhe stemmen. An diesem Samstagnachmittag gesellte sich nun der zweite Silberpokal zur diesjährigen Sammlung der Elf von Trainer Mario Surmann. Mit 2:0 setzten sich die gewohnt in Rot und Weiß aufspielenden Ostkreisler im Kreispokal-Finale gegen den SV Lachem durch, der nominell in der zweiten Kreisklasse auf Torejagd geht. „Wir haben Meisterschaft und Pokal geholt, das schaffen sicherlich auch nicht viele Mannschaften. Deshalb ein dickes Sonderlob an das Team aber auch an das Team hinter dem Team, also Trainer Mario Surmann, Betreuer Jonas Beuter und den ersten Vorsitzenden Sven Köhne“, zeigte sich Wallensens Spartenleiter Dominik Heintz unmittelbar nach dem Überreichen des „Kelchs“ sichtlich ergriffen von den eigenen Emotionen.

Dabei zeichnete sich der bereits vierte Pokaltriumph des künftigen Bezirksligisten, mit dem sich der WTW zur elitären Gruppe um den TB Hilligsfeld und den MTV Lauenstein gesellt, bereits früh ab. Von Anfang an entwickelte sich vor den rund 250 mitfiebernden Zuschauern an der Emmer und bei hochsommerlichen Temperaturen ein Spiel, das zu großen Teilen in einer Hälfte stattfand – und zwar in der des Underdogs aus dem Raum Hessisch Oldendorf. Der WTW übernahm sofort die eigene Favoritenrolle, während die Majcan-Elf sich weit in die eigene Hälfte zurückzog. Von einem Defensivbollwerk waren Dennis Durmus, Mohammed Chabo & Co. trotzdem weit entfernt. Bereits nach vier Minuten hatte Wallensens Offensiv-Wirbelwind Aycan Alpagut nach einem Steckpass von „Goalgetter“ Toni Ivankovic die große Chance auf den Blitzstart, sein Schussversuch strich allerdings knapp am rechten Pfosten vorbei. Damit eröffnete sich den Zuschauern bereits früh ein Vorgeschmack dessen, was in den kommenden 40 Minuten auf sie zukommen sollten. Ein ums andere Mal rollte der Offensivzug um Agron Luma, Schachin Mamedov & Co. auf das Tor von Lachem-Keeper Artur Wesner zu. Dieser war in der zehnten Minute bereits zum ersten Mal gefordert, als er kurz vor dem heraneilenden Mamedov die Kugel unter sich begrub.

Wallensen vergibt Chance um Chance

Gegen Mitte der ersten Hälfte hatte dann Ivankovic die Möglichkeit zur Führung. Sein Distanz-Versuch im Nachgang einer Ecke drehte sich jedoch hauchzart um den Pfosten herum (22.). Nur 60 Sekunden später war es wieder Wallensens Nummer 24, die die Kugel erfolgreich gegen Lachems Verteidiger Christopher Stary eroberte und Kollege Mamedov auf die Reise schickte. Dieser wiederum fand erneut in Wesner seinen Meister. Was kam bis dato von dem Underdog, der erst am Mittwoch den TSV Großenwieden aus dem Pokal gekegelt hatte? Bis auf zwei Ecken quasi nichts. Und das sollte im ersten Durchgang auch so bleiben. „Wallensen hatte über 90 Minuten mehr vom Spiel“, gestand sich später auch SV-Trainer Mirko Majcan ein. Unterdessen blieb die Chancenverwertung der Surmann-Elf weiterhin verbesserungswürdig. 34 Minuten waren gespielt, als Aycan Alpagut die Kugel zum zweiten Mal knapp neben den Pfosten setzte. Und es wurde noch schlimmer: die letzten fünf Minuten des ersten Durchgangs liefen bereits, als Wallensens Ousmane Soumah nach Zuspiel von Alpagut meterweise Platz vor sich hatte und mutterseelenallein auf den Schlussmann des Sportvereins zulief. Sein überhasteter Abschluss stellte Wesner jedoch nicht wirklich vor Probleme. „Wir haben es unnötig spannend gemacht. Wir waren klar überlegen, haben das Spiel dominiert, waren im Abschluss aber viel zu ungenau“, war Spartenleiter Heintz mit der Torausbeute überhaupt nicht zufrieden.
Wer nun jedoch glaubt, dass sich diese Nachlässigkeiten doch irgendwann rächen müssen, der liegt falsch. Stattdessen musste letztlich ein Standard herhalten, um die spielerische Dominanz vom Team um Kapitän Marcel Woyciechowski auch auf die Anzeigetafel zu bringen. Aus halblinker Position, rund 18 Meter vor dem gegnerischen Kasten, legte sich Ivankovic die Kugel zum Freistoß zurecht – und hämmerte das Kunstleder humorlos über die Mauer hinweg unter die Latte. Der Jubel der mitgereisten Fans in Rot und Weiß war kaum verebbt, da lag ihnen schon der nächste Torschrei auf den Lippen. Lukas Grunau düpierte Wesner nach einem Zuspiel auf der linken Seite, brauchte die Kugel nur noch über die Torlinie schieben, doch Stary verhinderte mit einer beherzten Grätsche den doppelten Einschlag kurz vor dem Seitenwechsel. Als das Schiedsrichterteam um Steffen Beck zum Pausentee rief, dürfte das Trikot von WTW-Keeper Robin Scholz noch so gut wie blütenweiß gewesen sein.

Es wird hitziger

Nach dem Seitenwechsel brauchte die Offensiv-Maschinerie der Männer von der Thüster Platte allerdings etwas, um wieder in Gang zu kommen. So bot sich auf der Gegenseite ganz plötzlich die Riesenchance für Lachem, doch wieder einen Fuß in die Tür zu bekommen. Nach einem Wallenser Querschläger hatte Lachems Soner Aslan auf halbrechts nur noch WTW-Schlussmann Scholz vor sich, sein Abschluss – übrigens der erste gefährliche des SV bis zu diesem Zeitpunkt – ging jedoch zwei Meter über den Kasten. In der Folge nahmen die sportlichen Highlights der Begegnung merklich ab, viel häufiger lag der Fokus einzelner Spieler auf einzelnen Schiedsrichterentscheidungen, was eine zunehmend hitzige Grundstimmung zur Folge hatte. Im Zuge eines regelrechten Kartenfestivals auf Lachemer Seite (fünf Verwarnungen in zwölf Minuten) musste Mohammed Chabo nach einer unübersichtlichen Situation bereits vorzeitig duschen gehen (63.). „Es hat mich ein wenig geärgert, dass wir uns in diesem Zeitraum viel zu viel auf Diskussionen eingelassen haben. Mit dem Platzverweis wurde es für uns natürlich nicht einfacher“, haderte SV-Coach Majcan später. Doch auch in Unterzahl gehörte die nächste nennenswerte Offensivaktion wieder dem Team aus der 2. Kreisklasse. Nach einem kurz ausgeführten Freistoß zielte der eingewechselte Mesut Kaya auf das kurze Eck, in letzter Sekunde wurde die Kugel jedoch zur Ecke geklärt.

Damit hatte sich das kurze Aufbäumen des Sportvereins auch schon wieder erledigt. „Wir haben uns zu Beginn des zweiten Durchgangs etwas einlullen lassen, haben uns von der aufgeheizten Stimmung aber nicht beirren lassen, sondern wieder zu unserem Flow gefunden. In diesem Zusammenhang auch ein Sonderlob an alle drei Schiris“, betonte Wallensens Spartenleiter später. Die Vorentscheidung folgte fast im direkten Umkehrschluss. Der WTW hatte sich zum wiederholten Mal im Lachemer Sechzehner festgesetzt, Stary ließ gegen Soumah das Bein stehen und das Gespann der Unparteiischen zeigte auf den Punkt. Wieder war es Standard-Spezialist Ivankovic, der sich der Sache annahm und souverän rechts unten vollendete (70.). Damit war die Messe gelesen. In den weiteren Minuten bis zum Abpfiff versandete das Tempo im Spiel merklich. Von Durmus, Aslan & Co. war in der Offensive kaum noch etwas zu sehen, Mamedov, Alpagut & Co. ließen dagegen weitere Möglichkeiten ungenutzt. Auch wenn weitere Treffer Fehlanzeige waren, hatte die Begegnung unmittelbar vor dem Ende noch einen Aufreger parat: drei Minuten waren noch zu gehen, da holte sich auch Mesut Kaya im Dress von Lachem noch die Ampelkarte ab.

„Die Jungs werden sich heute ordentlich den Helm lackieren“

Mit Ablauf der drei Minuten Nachspielzeit war es dem WTW dann aber endlich gestattet, sich in den Armen zu liegen und den Gewinn des „Doubles“ zu feiern, bevor den Ostkreislern schlussendlich die schwere Trophäe vom Kreisfußballvorsitzenden Thomas Bertram überreicht wurde. Coach Majcan nahm´s sportlich: „Wallensen war heute spielerisch überlegen und hat heute verdient gewonnen. Ich bin stolz auf meine Mannschaft, dass sie das Pokalfinale erreicht hat. Natürlich hofft man dann auch auf den Titel, aber dafür hat es heute einfach nicht gereicht.“ Im anderen Lager war die Stimmung mit dem silbernen Cup in der Hand selbstverständlich ausgelassen. „Wir hätten den Sack früher zumachen müssen, aber trotzdem gebührt dem Team ein Sonderlob dafür, dass sie das Ganze konzentriert zu Ende gespielt hat“, lobte Heintz. Auf die Nachfrage, ob ihm und seinem Team nun eine lange Nacht bevorstünde, antwortete er augenzwinkernd: „Die Jungs werden sich heute ordentlich den Helm lackieren.“

Auch von Seiten des Ausrichters, der TSG Emmerthal, gab es nach dem Abschluss der Veranstaltung nur lobende Worte für alle Mitwirkenden, die für Organisation und Verpflegung en masse gesorgt hatten. „Wir danken unseren vielen Helfern, die diese Veranstaltung möglich gemacht, und den Sponsoren, die uns dabei unterstützt haben. Gefreut haben wir uns auch, dass der Umsonstladen und das SANA-Klinikum sich hier mit Ständen präsentiert haben", so Emmerthals stellvertretender Spartenleiter Dennis Dziadek.

Mit dem Gewinn des Kreispokals ist die Saison für den WTW Wallensen aber noch immer nicht vorbei. Am 01. Juli treffen die Ostkreisler im Rahmen des neu ins Leben gerufenen Supercups mit dem Kreispokal-Sieger aus dem Raum Schaumburg auf den FC Hevesen. Ansonsten geht es für beide Teams, die sich im kommenden Spieljahr möglicherweise im Rahmen des Bezirkspokals wieder begegnen könnten, erstmal in die wohlverdiente Sommerpause.
WTW Wallensen: Scholz, Gesterling, Langer, Woyciechowski, Gröhlich, Grunau, Mamedov, Alpagut, Luma (83. Hitzer), Soumah, Ivankovic (90. Ehlerding).
SV Lachem: Wesner, B. Demirkaya, Stary, Durmus (83. Karakoc), Peters, Sariboga (46. Kaya), Mechid Chabo, Terzioglu (86. Popoci), Mohammed Chabo, Aslan (74. Yildirim), Helmel.
Schiedsrichter: Steffen Beck.
Assistenten: Tjark Heinze, Yunus Emre Günkaya.
Zuschauer: 250.
Tore: 1:0 Toni Ivankovic (43.), 2:0 Ivankovic (70./Strafstoß).
Besonderes: Gelb-Rote Karte für Lachems Mohammed Chabo (62.), Rote Karte für Lachems Mesut Kaya (87.).
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Autor des Artikels

Robin Besser
Robin Besser
Robin kam am 01. August 2022 als fester Neuzugang ins Team AWesA, war zuvor als freier Mitarbeiter aktiv. Sein Herz schlägt für den Lokalsport und die Vereine im Weserbergland.
Telefon: 05155 / 2819-320
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