12.01.2022 09:36

Interview


Maring im Interview – Eine Randsportart, die so viel mehr verdient

„Eine Sportart, die alle motorischen Grundeigenschaften schult und Grundlagen für andere Sportarten legt"

Heribert Maring ist eine der Personen, die den Faustball beim TC Hameln am Leben erhalten.
Fußball, Handball - und dann erstmal lange nichts. Irgendwann tauchen American Football, Volleyball, Darts, Basketball oder Leichtathletik auf. Wirft man einen Blick auf die deutsche Sportmedienlandschaft, entsteht der Eindruck, dass es nur eine Hand voll relevanter Sportarten gibt. Doch dem ist nicht so. In Deutschland werden unzählige Sportarten aktiv betrieben, die nahezu komplett unter dem Radar stattfinden und dank ehrenamtlich engagierten Menschen weiterleben. Faustball ist eine dieser Sportarten. Und Heribert Maring ist einer dieser Menschen, die dafür sorgen, dass die Sportvielfalt in Hameln-Pyrmont um eine Sportart reicher ist. Im Interview spricht er über seine Leidenschaft Faustball.

Wie hast Du zu Deiner Leidenschaft Faustball gefunden?
„Ich habe meinen Vater früher häufig zu seinen Faustballspielen begleitet und als einmal ein Spieler verletzungsbedingt ausfiel, wurde die gegnerische Mannschaft gefragt, ob sie Einwände hätte, wenn ich mitspielen würde. Hatte sie nicht. Damals war ich etwa zwölf Jahre und hatte beim SCE Gliesmarode, einem Ortsteil von Braunschweig, Geräteturnen und Leichtathletik ab dem Alter von drei Jahren betrieben. Danach gründeten wir mit den Kindern der anderen Faustballer und Freundinnen und Freunden Jugendmannschaften und nahmen an Punktspielen teil:“
 
Was ist Dein bisher größter sportliche Erfolg – und welchen Errungenschaften träumst Du heimlich?
„Mehrere Teilnahmen an Landesmeisterschaften mit zweiten und dritten Plätzen im Jugendbereich, die in der A-Jugend dann auch zu zwei Einladungen zu Lehrgängen für die Niedersachsenauswahl führten. Leider musste ich beide Male wegen Kassenfahrten nach Heidelberg und Rom absagen. Deshalb begann ich zusätzlich noch mit dem Handball und spielte bei Eintracht Braunschweig in den Jahren 1972 und 1973 in der Feldhandball-Bundesliga und in der Halle bis 1982 in der Oberliga. Nach meinem berufsbedingten Umzug nach Hameln schloss ich mich dem TC Hameln an und nahm einmal an den Aufstiegsspielen zur zweiten Bundesliga teil und später mit einer Mannschaft der Altersklasse 45 an der Deutschen Meisterschaft, die wir hier in Hameln ausrichteten. Mein Traum wäre es, Faustball hier in Hameln zu einer Sportart mit einem Bekanntheitsgrad zu machen, die dem Volleyball gleichkommt.“
Stört es Dich, dass Deine Sportart weniger Aufmerksamkeit erfährt als andere – und was könnte man dagegen tun?
„Faustball ist wenig bekannt, da es in zu wenig Ländern weltweit gespielt wird. Daher kann es noch nicht olympisch werden, sondern ist nur eine Sportart bei den Worldgames, die aber längst nicht so stark medial begleitet werden. Faustball wird schwerpunktartig in Europa und in Südamerika gespielt, dort in Gebieten ehemaliger deutscher Kolonien. Niedersachsen ist zum Beispiel Faustball-Hochburg in Deutschland und wird in vielen kleineren Orten gespielt, in denen es kaum andere Sportarten gibt. Dort ist Faustball Familiensport, anderes gibt es nicht. Beispiele: Ahlhorn, Schneverdingen, Wangersen, Moslesfehn, Düdenbüttel, um nur einige zu nennen. Bei uns spielen bereits Kindergärten Fußballturniere und die Presse berichtet darüber – das zeigt, wie unterschiedliche Stellenwerte Sportarten regional haben. Faustball kommt auch in den Lehrplänen der Schulen vor. Da jedoch nur wenige Lehrkräfte Faustball kennen oder es unterrichten können, wird es selten angeboten. Lösungen wären: Unterrichtseinheiten bei den angehenden Sportlehrkräften im Referendariat, begleitete Unterrichtsreihen an den Grundschulen oder auch weiterführenden Schulen oder AGs an den Schulen. Im Ferienprogramm angebotene Kurse oder ähnliche Aktionen mussten mangels Teilnehmerzahlen ausfallen – zu unbekannt.“
 
Warum sollte jeder Sportinteressierte zumindest mal in Deine Sportart hineinschnuppern?
„Faustball ist eine Sportart, die alle motorischen Grundeigenschaften schult und Grundlagen für andere Sportarten legt. Es gibt nur wenige Verletzungen. Zwischen den Oster- und Herbstferien gibt es eine Feldsaison auf Rasen und zwischen den Herbst- und Osterferien eine Hallensaison. Vergleiche mit dem Volleyball und Beachvolleyball bieten sich an. Volleyball hat sich aus dem Faustball entwickelt. Für Kinder entfällt die schwierige Technik des Pritschens und durch den einmaligen Bodenkontakt zwischen den Berührungen lernen die Anfänger das Stellungsspiel zum Ball besser. Unser bekannter Beachvolleyball-Nationalspieler Philipp Arne Bergmann hat etwa sieben Jahre Faustball beim TC Hameln gespielt und hatte als C-Jugendlicher eine Einladung zum Bundeslehrgang im Faustball, als sich seine Mannschaft auflöste und er über einen Klassenkameraden zum Volleyball wechselte. Seine Schwester Svenja hat teilweise beide Sportarten betrieben und ist Faustball-Bundesligaspielerin.“
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