26.07.2010 23:06

Marahrens: „Büchler und Hilker sind Vorbilder für den Nachwuchs“

Interview der Woche über Lage und Aussichten des Fußballs in Hameln-Pyrmont
Axel Marahrens Fussball Hameln AWesA
Die ersten Herbstmeister im Fußball-Kreis Hameln-Pyrmont stehen fest. Wohin führt der Weg der Fußballer in unserem Landkreis. Im Interview der Woche sprach AWesA mit Axel Marahrens über Lage und Aussichten von der Oberliga bis zur Kreisklasse. Der 55-jährige A-Lizenz-Inhaber ist seit Jahrzehnten im Thema: Aktuell Co-Trainer beim Kreisligisten Eintracht Afferde trainierte er den TuS Hessisch Oldendorf in dessen „besseren Zeiten“, war bei Preußen Hameln 07 in der Saison 1985/86 Co-Trainer unter Reinhard Wasner, Trainer in Afferde, Duingen und Tündern sowie Spieler beim WTW Wallensen, BW Salzhemmendorf, DSC Duingen und Sparta Göttingen.

AWesA: Axel Marahrens, Preußen Hameln 07 spielt seit langer Zeit wieder in der Oberliga. Wie beurteilst Du den bisherigen Saisonverlauf und siehst Du die jetzige Situation als allgemeine Chance für den Fußball in Hameln-Pyrmont?
Axel Marahrens: „Ich denke für Preußen, für Hameln, die Stadt und die Umgebung ist es eine Riesen-Chance, den Fußball wieder attraktiver zu machen. Gerade durch die Konstellation dieses Trainerteams mit den erfahrenen und jungen, hungrigen Spielern hat Preußen eine optimale Chance, in diesem Jahr die Klasse zu halten. Das kann sich auch auf andere Mannschaften positiv auswirken.“

AWesA: Wie kommt es denn, dass trotz dieses Erfolgs nicht einmal mehr 100 zahlende Zuschauer ins Stadion kommen, wie zuletzt gegen Germania Leer?
Marahrens: „Über diese Frage denke ich immer wieder nach. Ich komme aus Wallensen und kann mich noch an die ganz großen Preußen-Zeiten erinnern, wo es Spieler wie Dohme, Irtel, Hauschild, Sikora oder Schoster gab – um nur ganz wenige zu nennen. Da wurde in mir schon die Sehnsucht von meinem Elternhaus und Bekanntenkreis geweckt, am Wochenende in dieses Stadion zu fahren. Ich glaube, dass da ein Umbruch stattgefunden hat: Die Sehnsucht nach diesem Stadion liegt nicht mehr so nahe.“

AWesA: Liegt es aus Deiner Sicht auch daran, dass in und um Hameln die Kräfte nicht mehr auf einen Verein fokussiert sind, etwa in der Jugendarbeit, wo andere Vereine aufgeholt haben und die Preußen somit kurzfristig auch im Senioren-Bereich überholen werden könnten?
Marahrens: „Möglich ist das. Ich bin aber der Meinung, dass das nicht passieren darf. Fest steht: Das Stadion steht in Hameln, nicht in Wallensen, Bisperode oder Diedersen. Dieses Stadion muss mit Leben gefüllt werden. Meine Forderung ist, und das habe ich schon vor einigen Jahren gesagt, dass die Vorstände der drei großen Vereine zusammenrücken müssen, um für diese Region das Optimale herauszuholen: Mit Spielern aus den führenden Vereinen Preußen, Tündern und Halvestorf müssen die Kräfte für die Oberliga gebündelt werden – mit der Perspektive nach oben. Leider ist das Konkurrenz-Denken, aus welchen Gründen es früher auch immer dazu gekommen ist, stark ausgeprägt. Da sollte man sich einfach einmal wie erwachsene Leute zusammensetzen und Vorbild sein, um den Jugendlichen diese Perspektive zu bieten. Ich bin mir ganz sicher: Für jeden Verein bleiben noch die Spieler übrig, die die Ziele eines jeden Vereins verwirklichen können. Für jeden Fußballer aus dieser Region gibt es die optimale Klasse. Aber diejenigen, die ein besonderes Talent haben, müssen den sportlichen Herausforderungen nachgehen.“

AWesA: Du hast selbst in diesen Vereinen trainiert. Was war denn für Dich dabei der größte Moment?
Marahrens: „Ich denke dafür sprechen einfach Namen, die noch heute bei den „Old Stars“ kicken: Spieler, wie die Scheler-Brüder, Dirk Brockmann, Oliver Steffan, „Gento“ Loges, Rolf Schünemann, nur um einige zu nennen, die es gewagt haben, den Schritt nach oben zu gehen. Ein Dirk Brockmann hat mit 19 Jahren in der Oberliga gespielt. Das sind Momente, die mein Fußballherz erfreuen. Auch dieser große Sprung, den ein Oliver Steffan gemacht hat, der ihm damals nicht einfach gefallen ist – von Lauenstein in die Bezirksliga nach Afferde und ein Jahr später nach Hessisch Oldendorf in die Verbandsliga. Stellvertretend für andere, die solche Wege gegangen sind. Reinhard Saftig wollte Jens Bönning sogar zu Hannover 96 holen, bevor er nach dann nach Bochum gegangen ist. Das sind die ehemaligen Straßenfußballer, die hier eine Zeit als Fußballer gelebt haben. Da muss man die jungen Leute wieder hinbringen. Florian Büchler und Jannik Hilker haben den richtigen Weg gewählt und sind in dieser Saison zu Hannover 96 gewechselt. Sie sind Vorbilder für andere junge Spieler und den Nachwuchs. Auch Kai Oswald geht mit seiner Fußballschule einen Weg, der aus meiner Sicht der richtige ist.“

AWesA: Blicken wir ein, zwei Spielklassen nach unten. Vor der Saison hatten wir eine gute Ausgangssituation: Preußen in der Oberliga, Tündern in der Bezirksoberliga, mit Halvestorf, Pyrmont, Klein Berkel und Preußen II vier Teams in der Bezirksliga und einige ambitionierte Kreisligisten, die sich den Aufstieg in den Bezirk vorgenommen haben. Glaubst Du, dass diese „kleine Euphorie“ mittlerweile etwas verflogen ist?
Marahrens: „Es scheint so, dass es wieder etwas nach unten geht, aber ich denke, es ist noch Zeit, um diese Entwicklung zu stoppen. Klein Berkel versucht über einen neuen Trainer eine Wende zu bringen. Ich drücke Siggi Motzner und dem Verein natürlich die Daumen, dass sie es schaffen. Es wäre für unseren Landkreis fatal, wenn Klein Berkel und Preußen II aus der Bezirksliga absteigen. Wir brauchen hier dieses „Zwischenlager“, um ein Fundament zu haben, aus dem Spieler in die oberen Klassen rekrutiert werden können.“

AWesA: Hälst Du es für realistisch, dass alle heimischen Bezirksliga-Mannschaften die Klasse halten?
Marahrens: „Es wird auf jeden Fall ganz schwer. Halvestorf muss aufsteigen und die anderen beiden dürfen auf keinen Fall absteigen.“

AWesA: In der Kreisliga ist das Aufstiegsrennen sehr spannend, vor allem der Kampf um Platz zwei. Dein Verein, Eintracht Afferde, ist auch dabei. Auch in Wallensen hast Du lange gespielt. Wer wird da am Ende die Nase vorn haben?
Marahrens: „Ich bin überzeugt, dass Tündern II das Rennen machen wird. Aber ganz so einfach werden es die anderen Vereine Tündern nicht machen. Afferde konnte hier schon einmal ein Zeichen setzen, dass diese Mannschaft auch schlagbar ist. Ich denke für Afferde, das wünsche ich unserem Trainer Michael Söchting, der eine hervorragende Arbeit leistet, dass wir unter die ersten fünf kommen. Da gehören wir hin. Dann haben wir Großes erreicht.“

AWesA: Viele Vereine gucken auf den zweiten Platz, der möglicherweise auch zum Aufstieg in die Bezirksliga führt. Welches Team siehst Du da am Saisonende?
Marahrens: „Germania Hagen, weil diese Mannschaft enorm ausgeglichen ist und unter dem Trainer Dirk Sölla werden sie sich sehr schnell stabilisieren. Sie sind reif, um jetzt endlich aufzusteigen, weil in der Mannschaft die Disziplin stimmt und sehr viel zusammenpasst.“

AWesA: Wiederum ein, zwei Klassen tiefer finden wir Mannschaften, die in der Vergangenheit in der Kreisliga und sogar höher vertreten waren. Wird aus der Leistungs- oder Kreisklasse ein Verein in nächster Zeit von sich reden machen?
Marahrens: „Der ein oder andere kann vielleicht eine Klasse höher aufsteigen, aber alles andere dürfte nur mit einem erheblichen finanziellen Aufwand möglich sein. Alles, was finanziell gesund ist, halte ich für gut. Alles, was mit großen Spieler-Käufen verbunden ist, halte ich langfristig nicht für machbar. Ein Verein wie Emmerthal hat aus meiner Sicht eine gute Perspektive. Diese Mannschaft lebt es nach außen, dass sie gemeinsam etwas erreichen möchte. Hier sehe ich ein großes Potential, weil in dieser Mannschaft das Fußballherz zu erkennen ist. Alles andere ist immer ein Stückwerk.“

AWesA: Wie schätzt Du insgesamt die Leistungsfähigkeit des Fußballs in Hameln-Pyrmont ein?
Marahrens: „Ich gebe denen Recht, die sagen, dass der Fußball stagniert und die Leistungen zurückgegangen sind. Das liegt sicherlich daran, dass der Fußball für viele nicht mehr an erster Stelle steht. Die Interessen verschieben sich und gehen auch auf andere Sportarten über. Der Fußball wird nicht mehr so gelebt, wie es einmal vor zehn, 15 Jahren der Fall war. Da liegt für mich auch die Ursache.“

AWesA: Ist das nicht aber auch eine Konsequenz aus flexibleren Arbeitszeiten und dem sich verändernden Arbeitsmarkt, dass eben der Alltag nicht mehr so auf den Fußball und der Freizeit allgemein ausgerichtet ist?
Marahrens: „Das denke ich nicht. Wenn ich als Sportler meine Sportart ausführen möchte und die auch leben will, dann finde ich die Zeit, um das umzusetzen. Ich muss diesen Sport leben und kann nicht auf fünf, sechs Hochzeiten tanzen. Das lässt sich auch mit einem Studium oder einem anspruchsvollen Beruf verbinden.“

AWesA: Was ist Dein fußballerischer Traum in den nächsten Jahren?
Marahrens: „Dass Hameln wieder ein volles Haus im Weserberglandstadion hat und sich die großen Vereine im Sinne der Jugend zusammentun und hier wieder große Fußballfeste gefeiert werden.“

AWesA: Axel Marahrens, wir danken Dir für das Gespräch und wünschen Dir viel Glück und Erfolg für die Zukunft. 
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