07.06.2019 12:11

Interview


Tündern steht vor Oberliga-Abenteuer: Das große Interview

Vor den Verantwortlichen, den Ehrenamtlichen und der Mannschaft steht in jeder Hinsicht die größte Herausforderung der Vereinsgeschichte / Herrenkoordinator Manfred Lentge im Gespräch

Herrenkoordinator Manfred Lentge (li.), Torwarttrainer Jörn Waczynski (2.v.li.), Betreuer Udo Lentge (3.v.li.) und Trainer Siegfried Motzner (re.) bejubeln den Oberliga-Aufstieg.

Die erste Herren des HSC BW Tündern tanzt in die Oberliga.
Sechs Tage nach dem Freudentaumel folgt langsam die Erkenntnis: Tündern steht tatsächlich vor der ersten Oberliga-Saison der Vereinsgeschichte. Allerdings bedeutet dies auch: Vor den Verantwortlichen, den Ehrenamtlichen und der Mannschaft steht in jeder Hinsicht die größte Herausforderung der Vereinsgeschichte. Wir haben mit Herrenkoordinator Manfred Lentge über die anstehenden Aufgaben, den bis dato nicht sicheren Spielort, die neuen Gegner und mögliche Neuzugänge gesprochen.

Manfred, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum sensationellen Oberliga-Aufstieg. Wie fühlt sich die Meisterschaft knapp eine Woche danach an?
Manfred Lentge: „Es fühlt sich gut an, aber jetzt kommt gerade viel Arbeit auf uns zu. Wir planen aktuell die kommende Saison durch, müssen sehr viel planen – mit allem, was dazugehört. Alleine am Montag und am Donnerstag haben wir jeweils drei Stunden zusammengesessen.“

Welche Maßnahmen sind überhaupt nötig, um die Oberliga-Lizenz zu bekommen?
„Die ersten sieben Mannschaften haben im Winter Unterlagen für einen möglichen Oberliga-Aufstieg vom NFV bekommen. Jeder Verein entscheidet, ob er melden möchte. In diesem Jahr waren es, neben uns, Hemmingen-Westerfeld und Ramlingen-Ehlershausen. Es handelt sich dabei um insgesamt 30 Seiten, wo diverse Angaben zu finanziellen Aspekten zu machen sind. Wie viele Vertragsamateure sind im Kader? Wie werden die Spieler bezahlt? Das war für uns relativ einfach, da wir bei diesen Punkten einfach einen Strich oder eine Null eintragen konnten (lacht). Zusätzlich sind Unterlagen abzugeben, wie die finanzielle Lage des Vereins in den letzten drei Jahren war – um nur einige Beispiele zu nennen.“

Seit Wochen wird über den Spielort in der höchsten Liga Niedersachsens spekuliert – wird es die Kampfbahn oder das Weserberglandstadion?
„Wir können jetzt mit Sicherheit sagen, dass wir auf der Kampfbahn spielen werden.“ 


Erleichterung bei den Führungsspielern: Spielmacher Jannik Hilker (Nummer 2) umarmt Torjäger Robin Tegtmeyer.
Welche Maßnahmen müssen getroffen werden, um die Kampfbahn reif für die Oberliga zu machen?
„Wir müssen zwei, durch Zäune abgetrennte, Eingänge für die heimischen Zuschauer und Gäste vorweisen. Das ist ein Grund, warum wir uns für die Kampfbahn entschieden haben, denn auch das Weserberglandstadion erfüllt diese Voraussetzung nicht. Zwar besitzt das Stadion zwei Eingänge, aber auch hier müssten wir mit Zäunen arbeiten. Das ist auf der Kampfbahn leichter zu handhaben. Des Weiteren brauchen wir getrennte Verkaufsmöglichkeiten und Sanitäranlagen. Wir sind aktuell dabei, dies zu realisieren. Fest steht, dass der ehrenamtliche Aufwand bei jedem Heimspiel extrem hoch ist. Auch in diesem Bereich spielen wir aktuell mehrere Szenarien durch. Wir haben ja noch ein bisschen Zeit.“

Mit den Kickers Emden und VfL Oldenburg habt Ihr attraktive, wenn auch weit entfernte Gegner und mit Arminia Hannover, Germania Egestorf-Langreder und VfV Hildesheim gleich drei vermeintliche „Derbys“ - zumindest aufgrund der örtlichen Nähe. Auf welche Gegner freut Ihr Euch besonders?
„Grundsätzlich freuen wir uns auf jeden Gegner (lacht). Wir wissen ja überhaupt nicht, was auf uns zukommt. Wir wissen zum Beispiel nicht, wie viele Zuschauer die Mannschaften mitbringen. Das ist alles absolutes Neuland für uns. Wir gehen aktuell scherzhaft davon aus, dass der Gegner in den meisten Fällen in Überzahl ist, hoffen dabei aber natürlich, dass diese Oberliga-Saison von den heimischen Zuschauern gewürdigt wird – wie beim letzten Heimspiel in der Landesliga, wo wir tatkräftig unterstützt wurden. Am meisten sind wir auf Atlas Delmenhorst gespannt. Der Verein soll eine riesige Fankultur haben. Pro Heimspiel sind dort 2.500 Zuschauer und zu den Auswärtsspielen bringen sie 500 bis 800 Zuschauer mit, wie man hört. Ob das stimmt, werden wir sehen. Darüber hinaus bekommen wir noch Infos vom NFV, welche Spiele als Risikospiele eingestuft werden. Diese Spieltage bieten für uns zusätzliche Herausforderungen.“


Tünderns Vorlagenkönig Lukas Kramer (li.).
Die Oberliga besteht in der kommenden Saison aus 18 Mannschaften, dadurch ergeben sich in der Endabrechnung voraussichtlich sechs (!) Absteiger – ein Drittel der Liga darf sich also verabschieden. Für wie realistisch hältst du es, dass Ihr als Neuling die Klasse haltet?
„Ich gehe aktuell von fünf Absteigern aus. So oder so: Das ist eine echte Hausnummer. Für uns ist diese kommende Saison ein riesiges Abenteuer. Es geht von der ersten Minute an darum, wie ein Eichhörnchen Punkt für Punkt zu sammeln, um das Unmögliche möglich zu machen. Sollte uns der Klassenerhalt gelingen, wäre das eine noch größere Sensation als die ohnehin schon unglaubliche Landesliga-Meisterschaft. Die Mannschaft geht das entspannt an. Wenn wir es nicht schaffen, können wir immerhin sagen: Wir haben dieses Abenteuer erlebt.“

Was Tündern seit Jahren auszeichnet: Der Verein zahlt seinen Spielern keine Gehälter, war damit in der Landesliga schon eher ein Ausnahmefall und ist in der Oberliga ein absoluter Exot. Gilt dieser Grundsatz auch weiterhin?
„Wir werden nichts an unserer Strategie ändern. Das kann ich an dieser Stelle versprechen.“

Aktuell geistern einige Namen als mögliche Neuzugänge durch die lokale Gerüchteküche. Wie sehr wollt Ihr die Mannschaft für das „Abenteuer Oberliga“ verstärken? 
„Man müsste die Gegenfrage stellen: Wie viele Spieler im Kreis haben denn bereits bewiesen, dass sie in der Oberliga spielen können? Die meisten Herren- und Jugendspieler, denen man es zumindest zutraut, spielen ja schon bei uns. Wenn wir wirkliche Oberliga-Qualität in den Kader holen wollten, müssten wir uns im hannoverschen Bereich umschauen und diese Spieler sind für uns absolut unbezahlbar. Wir gucken, was bis zum 30. Juni passiert. Vielleicht kommt noch ein Spieler, vielleicht nicht. Das kann ich erst sagen, wenn der Spielerpass bei uns auf dem Tisch liegt. Erst dann hat man Sicherheit. Alles weitere ist Spekulation, dafür bin ich schon zu lange dabei.“

Wo siehst Du die größten Unterschiede zwischen Landes- und Oberliga?
„Logistisch gesehen, wird die größte Herausforderung sein, dass wir die Heimspiele gewuppt bekommen. Für teils sehr weiten Auswärtsfahrten müssen wir wohl einen Bus mieten. Selbst das bedeutet für uns schon eine finanzielle Belastung. Im sportlichen Bereich glaube ich, dass in der Oberliga noch schneller gespielt wird. Da müssen wir versuchen mitzuhalten. Spielerisch sind die Mannschaften ebenfalls besser als in der Landesliga.“

Es ist immer wieder herauszuhören: Der finanzielle Aspekt ist für Euch eine der größten Herausforderungen...
„Alleine diese genannten Maßnahmen belasten uns extrem, ohne dass wir Spielergehälter zahlen. Wir sind jedem Unternehmen dankbar, das uns mit bereits kleinen Beiträgen bei diesem für uns riesigen Abenteuer in dieser Saison unterstützt. Lars Krupski oder ich stehen dafür gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.“

Manfred, vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Euch bei Eurer spannenden Reise ins Unbekannte viel Glück, Erfolg und Durchhaltevermögen.


Die Oberliga 2019/20 im Überblick:

HSC BW Tündern (Aufsteiger)
1. FC Germania Egestorf-Langreder (Absteiger)
BSV Kickers Emden (Aufsteiger)
FC Eintracht Northeim
FC Hagen/Uthlede
FT Braunschweig (Aufsteiger)
Lupo Martini Wolfsburg (Absteiger)
MTV Eintracht Celle (Aufsteiger)
MTV Gifhorn
MTV Wolfenbüttel
SC Spelle-Venhaus
SV Arminia Hannover
SV Atlas Delmenhorst
TB Uphusen
TuS Bersenbrück
TuS Heeslingen
VfL Oldenburg (Absteiger)
VfV 06 Hildesheim

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