12.02.2018 15:07

Interview


„Am Ende liegen wir uns in den Armen“

Bad Pyrmonts Trainer David Odonkor im Interview / „Man sieht aber gerade in diesen Situationen, wer das vermeintlich 'sinkende Schiff' als erstes verlässt“

An der Seitenlinie genau so aktiv wie seine Spieler auf dem Platz: Bad Pyrmonts Trainer David Odonkor.
Das hätten sich die Bad Pyrmonter sicherlich anders vorgestellt. Mit der Gewinnung von Sportdirektor Dominic Palmer, der mittlerweile wieder für andere Projekte von dannen gezogen ist, sowie der spektakulären Verpflichtung von WM 2006-Held David Odonkor wollte die Spielvereinigung so richtig durchstarten und den Blick in der Landesliga in die oberen Tabellenregionen richten. Stattdessen holte die Kurstädter die Realität schnell ein. Zur Winterpause müssen Gerrit Pape & Co. darum bangen, ganz tief in den Abstiegssumpf gezogen zu werden, der sportliche Leiter ist nicht mehr da. Im Interview spricht Odonkor über die nahende Rückrunde, worauf es ankommt, um die Klasse zu halten – und über seine persönliche Situation in Bad Pyrmont.

Ihr seid während der Wintersaison vor allem durch Eure Abwesenheit in der Halle aufgefallen. Wie habt Ihr die Wochen verbracht, während andere Mannschaften um die Dewezet-Supercup-Tickets gekämpft haben?
David Odonkor: „Wir haben am 8. Januar mit der Vorbereitung begonnen und von Anfang an sehr intensive Einheiten absolviert – im Fitnessstudio oder bei Traningsspielen. Darunter haben wir auch eine Teambuildung-Maßname durchgeführt und waren in Lage boxen. Das war sehr fordernd für die Jungs, hat aber dennoch riesigen Spaß gemacht. Ohnehin ziehen sie bisher alle super mit. Man merkt, dass sie unbedingt in der Landesliga bleiben wollen. Das einzige Manko bisher: Wir haben keinen Kunstrasen, auf dem wir trainieren können.“

Wie bewertest du Euren aktuellen Fitnessstand – seid Ihr bereit für restliche Landesliga-Saison?
„Von der Fitness her sind wir voll da. Allerdings können wir nicht auf den Platz. Das ist ein großes Problem, zumal die Wetterlage auch in den kommenden Tagen und Wochen nicht unbedingt prickelnd aussieht. Training im Fitnessstudio oder auf  der Laufbahn kann kurzzeitig eine nette Abwechslung sein, am Ende sind wir aber alle Fußballer und wollen dementsprechend gegen den Ball treten. Ich hoffe, dass wir zeitnah auf den Platz können, um Abläufe einzustudieren und uns an den Ball zu gewöhnen.“

Fußballerisch scheint es noch ein wenig zu hapern. Gegen Bezirksligist Eintracht Afferde habt Ihr beispielsweise verdient 1:2 verloren. Was muss noch besser werden bis zum Ligastart?
„Man hat einfach deutlich gesehen, dass der Rhythmus fehlt. Andere Mannschaften, denen ein Kunstrasen zur Verfügung steht, haben in der Wintervorbereitung einfach einen großen Vorteil. Wir versuchen, die fehlende Spielpraxis in der Soccerhalle zu kompensieren. Allerdings ist auch eine Soccerhalle nicht mit einem großen Fußballplatz zu vergleichen. Trotzdem sehe ich uns auf einem guten Weg. Die Jungs wissen, um was es geht. Wir bereiten uns intensiv auf den Landesliga-Start vor, wobei man abwarten muss, wie sehr dieser sich aufgrund des Wetters hinauszögert.“

Mit Steffen Lesemann (VfR Evesen), Djawid Gabibow (Germania Egestorf-Langreder II) und Sherif Alassane (SC Roland Beckum) habt Ihr gleich drei Verstärkungen für die in der Hinrunde zu harmlose Offensive gewonnen. Wie haben sich die drei eingelebt und was versprichst Du Dir von den drei Herren?
„Zunächst erhoffe ich mir von der kompletten Mannschaft, dass wir eine andere Serie spielen als in der Hinrunde. Die Punkte, die wir liegen lassen haben, müssen wir uns in den kommenden Monaten holen – diesen Willen will ich von jedem einzelnen Spieler sehen. Sherif Alassane ist ein echter Mittelstürmer, der Bälle auch in der Spitze halten kann. Man muss ihm aber auch die Zeit geben, sich bei uns einzugewöhnen. Gute Ansätze sind jedenfalls vorhanden. Bei Steffen Lesemann beeindruckt mich vor allem seine Lauffreudigkeit und seine Kompromisslosigkeit in den Zweikämpfen. Er ist ein Spieler, der sich für seine Mannschaft zerreißt. Djawid Gabibow ist sehr dribbelstark, verfügt über ein gutes Tempo und fühlt sich bisher sehr wohl bei uns. Bringt er  seine Leistung, kann er das eine oder andere Spiel für uns entscheiden. Ich bin froh, dass wir jetzt mehr Alternativen im Angriff haben – das hat uns in der Hinrunde merklich gefehlt.“

Warum haltet Ihr die Klasse?
„An erster Stelle steht, dass wir den Kampf endgültig annehmen und uns so unsere Punkte holen. Wir müssen gieriger sein als in der Hinrunde und dürfen uns nicht mehr auf Ausreden ausruhen. Jedes Spiel ist ab jetzt ein Endspiel und so müssen wir es auch angehen. Natürlich haben wir keine gute Hinrunde gespielt. Man sieht aber gerade in diesen Situationen, wer das vermeintlich 'sinkende Schiff' als erstes verlässt. Ich bin noch da und werde alles in meiner Macht stehende tun, um die Jungs zum Klassenerhalt zu pushen – dabei hätte ich auch den einfachen Weg wählen können. Die Möglichkeiten wären da gewesen. Am Ende liegen wir uns in den Armen und feiern den Verbleib in der Landesliga. Ich habe nicht umsonst einen Zweijahresvertrag bis 2019 unterschrieben. Wenn man etwas aufbauen will, muss man auch Rückschläge einstecken können. Ich fühle mich sehr wohl in Bad Pyrmont und habe zu den Jungs eine echte Beziehung aufgebaut. Da verbieten es mir alleine schon meine Moralvorstellungen, das Handtuch einfach zu werfen.“

David, wir danken für das Gespräch und wünschen Euch in der Rückrunde viel Erfolg.
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