04.07.2023 07:44

Interview


Ein ruhmreicher Abschied: „Blicke mit Wehmut auf viele tolle Momente zurück“

Wallensens Spartenleiter Dominik Heintz beendet seine Tätigkeit / Im Interview spricht er über seinen Abschied und das Jahr des Erfolgs
Dominik Heintz Spartenleiter WTW Wallensen Fussball Kreisliga Kopfbild
Dominik Heintz wird in Zukunft nicht mehr die Rolle des Spartenleiters übernehmen.

Ein altbekanntes Sprichwort besagt, dass man immer dann aufhören sollte, wenn es gerade am schönsten ist. Im Fall von Dominik Heintz trifft dieser Satz wohl den Nagel auf den Kopf. Der jahrelange Spartenleiter des WTW Wallensen hat mit dem Ende der vergangenen Saison seine ehrenamtliche Tätigkeit berufsbedingt ad acta gelegt. Dabei darf er zum Ende einer Ära gemeinsam mit den Ostkreislern auf die erfolgreichste Spielzeit der Vereinsgeschichte zurückblicken. Neben dem Gewinn des Doubles, bestehend aus Kreismeisterschaft und Kreispokalsieg, hat das Team von Trainer Mario Surmann den Aufstieg in die Bezirksliga – mit Sicherheit ausgiebig – bejubeln dürfen. Zu allem Überfluss hat auch die Zweitvertretung der Männer von der Thüster Platte in Form der Spielgemeinschaft mit dem TSV Marienhagen den Titel in der 3. Kreisklasse (Staffel 1) gesammelt und darf ab dem kommenden Spieljahr ebenfalls eine Liga höher an den Start gehen. In seinem vorerst wohl letzten Interview lässt Heintz das „Jahr der Triumphe“ noch einmal Revue passieren und erklärt darüber hinaus die Beweggründe für seinen Abschied.

WTW Wallensen ist Kreismeister, Pokalsieger und die zweite Herren ist ebenfalls Meister – mehr Titel gehen nicht. Wie erklärst Du Dir diese sensationelle Spielzeit?
Dominik Heintz: „Ich denke, dass dieses Jahr einfach vieles gepasst hat. Innerhalb der Mannschaften herrscht gute Stimmung, aber auch unter den verschiedenen Mannschaften ist das Verhältnis gut. Die Mannschaften haben sich personell unterstützt, aber auch mit gegenseitigen Besuchen der Spiele. Hier arbeiten die Trainer Alex Kelle, Sven Hölscher und Mario Surmann gut zusammen, sind im regelmäßigen Austausch. Aber auch die Mannschaften haben in den entscheidenden Situationen einen kühlen Kopf bewahrt und manchmal mit Kampf und ein wenig Glück entscheidende Punkte geholt, beispielsweise die erste Herren in Lauenstein oder die SG in Coppenbrügge. Wenn du oben stehst, hast du das Glück. Abgesehen von Euch fragt da am Ende auch keiner mehr nach (lacht).“

Mit Agron Luma, Aycan Alpagut, Kai Kirchhof und Schachin Mamedov habt Ihr vor der Saison vier Top-Neuzugänge aus dem Bereich Hildesheim für Euch gewonnen. Welchen Anteil haben diese drei Spieler aus Deiner Sicht an der Wallenser Erfolgswelle?
„Die Vier kamen in eine funktionierende Mannschaft und haben gut reingepasst. Abgesehen von ihrer spielerischen Qualität haben sie aber auch gut in die Kabine und ins Team gepasst, was ja mindestens genauso wichtig ist. Aycans Tore waren natürlich wichtig, Schachin und Agron haben in der Offensive ihre Strippen gezogen und Kai die Außenbahn beackert, aber am Ende kannst du noch so gute Spieler haben, es kommt auf die gesamte Mannschaft an.“
Insbesondere Agron Luma und Aycan Alpagut haben bereits höherklassig gespielt und sich dennoch für die Kreisliga Hameln-Pyrmont und Wallensen entschieden. Wie gelingt es dem WTW, immer wieder Hochkaräter aus dem Raum Hildesheim in den Ostkreis zu locken?
„Was viele nicht wissen ist, dass Agron mit seiner Familie seit einiger Zeit in Wallensen wohnt und auch schon vor seinem Wechsel viel mit den Jungs unternommen hat. Davon hat er seinem guten Freund Aycan erzählt, der bei seinem vorherigen Verein nicht mehr ganz so zufrieden war. Also so, wie wahrscheinlich der Großteil der Vereinswechsel in diesen Spielklassen zustande kommt. Abgesehen davon grenzt Wallensen ja direkt an die Landkreise Hildesheim und Holzminden, was uns in eine komfortable Lage versetzt. In die andere Richtung haben wir mit Salzhemmendorf und Lauenstein große Konkurrenten, was die Akquise neuer Spieler angeht. Von daher ist es besser, die Fühler in Richtung der anderen beiden Kreise auszustrecken.“

Am Ende wurde es ein Meisterschaftszweikampf zwischen Wallensen und Preussen Hameln. Lauenstein, Nettelrede und Hajen/Latferde wurden abgehängt. Wann für Dich klar: Jetzt werden wir Meister?
„Grundsätzlich sollte man ja immer daran glauben, das Ding zu holen, solange man oben dran ist und die Chance besteht. Lauenstein war nach der ersten Saisonhälfte weit weg, was es uns nicht einfach gemacht hat. Mit der 1:4-Niederlage Lauensteins gegen Nettelrede war aber klar, dass die Chancen gut stehen. Wir haben aber weiterhin nur auf uns geschaut und unser Spiel durchgezogen. Mit dem 2:2 im Derby gegen Lauenstein muss man sagen, dass es gut für uns aussah und wir alles in der eigenen Hand hatten. Das war so ein Spiel, in dem wir keine Glanzleistung gezeigt, uns dafür am Ende aber den überaus wichtigen Punkt erkämpft haben. Auch wenn wir alles in der eigenen Hand hatten, war die Meisterschaft nicht sicher. Erst nach der komfortablen Führung gegen Azadi am letzten Spieltag wurde deutlich, dass uns die Meisterschaft niemand mehr nehmen kann.“

Du wirst Dein Engagement als WTW-Spartenleiter in diesem Sommer ad acta legen. Was war ausschlaggebend für diese Entscheidung?
„Thomas Schütte hat es mir damals in meiner Zeit als Spieler vorgelebt, was es heißt, solch eine Position zu bekleiden. Natürlich setzt Thomas mit seiner Leidenschaft und seinem Einsatz, der oft im Verborgenen liegt und nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, die Messlatte sehr hoch. Daran habe ich aber versucht, mir ein Vorbild zu nehmen und so natürlich auch Erwartungen an mich selbst gesetzt. Durch berufliche Veränderungen bleibt mir einfach nicht mehr die Zeit, diese Position in dem Umfang auszufüllen, wie ich es erwarte. Ich möchte dies nicht nur halbherzig nebenbei machen, das finde ich nicht richtig und wird dieser Position auch nicht gerecht. Die Entscheidung fiel mir nicht leicht und ich blicke mit Wehmut auf viele tolle Momente zurück.“

Inwiefern bleibst Du dem Fußball vor Ort erhalten?
„Vor kurzen habe ich mein Debüt in der alten Herren gegeben. Da mir das viel Spaß gemacht hat, gehe ich davon aus, dass Trainer Marc Ehlerding regelmäßig anfragen wird, ob ich mitkicke. Das würde ich gern machen, wenn es sich passt. Abgesehen davon habe ich ja im Verein auch Freunde gefunden, war dort zwölf Jahre aktiv. Ich werde den WTW jetzt also nicht aus meinem Leben verbannen. Zukünftig kann ich bei Spielen aber entspannter zuschauen, in meiner Freizeit, ohne die Anspannung, ob alles funktioniert und läuft.“

Abschließend: Was war Dein persönliches Saisonhighlight?
„Klar sind drei Titel super, gerade so ein Kreispokal und zwei Aufsteige, zukünftig Bezirksligafußball. Auch freue ich mich, dass die Trainer so gut zusammenarbeiten. Aber als persönliches Highlight würde ich schon die Meisterschaft der SG bezeichnen. Wir haben im Vorfeld so viele Gespräche geführt, es war so viel Arbeit diese auf einen guten Weg zu bringen, da ist die Freude über einen solchen Erfolg natürlich riesig. Außerdem kamen nach Verkündung meines Ausstiegs viele Leute mit sehr persönlichen Worten auf mich zu, über jedes einzelne habe ich mich enorm gefreut.“
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Autor des Artikels

Jannik Schröder/Robin Besser
Jannik Schröder/Robin Besser
Jannik und Robin haben diesen Artikel in Zusammenarbeit geschrieben.
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