05.12.2023 09:44

Taekwondo


Redfire Kampfsportteam schreibt Geschichte in der deutschen Poomsae-Welt

Mit drei Europameister-Titeln bei einer EM hat das Redfire Team einen Rekord aufgestellt und geht in die Geschichtsbücher ein
Taekwondo Redfire Germany Europameisterschaft
Die Taekwondo-Kämpfer des Redire-Teams räumten bei der EM ordentlich ab. Fotos: privat.

Erlebnisbericht von Alexander Böttinger

Das größte Event des Jahres war sicherlich die 16. Europameisterschaft Poomsae (EPC2023), die nach 30 Jahren wieder in dem Land stattfand, wo es alles begann, Österreich. Die EPC2023 wurde vom 24. - 26. November in Innsbruck/Tirol ausgetragen.

Insgesamt könnte es auch als die größte Europameisterschaft aller Zeiten bezeichnet werden, wobei auch die Para-Wettbewerbe zum ersten Mal mit dabei waren. Insgesamt kamen ca. 600 Athleten aus 28 Nationen nach Innsbruck/Österreich, um mit dem hochbegehrten Titel „Europameister“ den Jahresabschluss krönen zu wollen.
Mit dem bis dato größten Team von 36 Athleten reiste das Team Deutschland bereits am 22. November nach Innsbruck. Das ganze Team inklusive Bundestrainern und Leadern fuhr gemeinsam mit dem Bus von München ab, um das Team-Feeling für das große Event zu verstärken. Sechs „Reddies“ waren auch unter den Nominierten:

- Tuong-Vi Hannah Do in Junior Team Female
- Anna Siepmann in Senior Pair (U30)
- Tung-Duong Tim Do in Individual Senior und in Senior Pair (U30)
- Christian Senft (Vereins-Cheftrainer) in Individual Master (U50) und im Seniorteam O30
- Anh-Tuan Do in Individual Master2 (U60).


In der Olympiaworld-Halle Innsbruck wurden die Wettbewerbe an allen drei Wettkampftagen auf vier Flächen ausgetragen. Die Reddies waren an allen drei Tagen vertreten:

- Tag 1: Tim & Christian in Individual
- Tag 2: Anh-Tuan in Individual und Christian im Team O30
- Tag 3: Tuong-Vi Hannah im Junior Team sowie Anna & Tim im Senior Pair (U30)


Die Ankunft erfolgte am Mittwoch. Nach kurzem Team-Meeting am Abend gingen alle Athleten ins Hotel zurück, um sich für die bevorstehenden Wettkämpfe auszuruhen. Am Donnerstagvormittag nutzen fast alle Sportler die Gelegenheit, die Matten für den Wettkampf zu testen. Am Nachmittag stand die Besichtigung der Stadt Innsbruck auf dem Programm. Abends war dann die letzte Team-Besprechung mit allen Informationen für die nächsten drei Wettkampftage.

TAG 1:

Dann war es so weit. Neu dazugekommen waren die Fans des Redfire-Teams, die extra zum Anfeuern der eigenen Sportler angereist waren und die Atmosphäre der EM erleben wollten. Vielleicht dürfen sie in den nächsten Jahren selbst auf der Matte für das Nationalteam stehen: Familie Dyck mit Britt & Bjelle und die Familie Rabe mit Uta, Thea und Hilde. Vielen lieben Dank für eure tolle Unterstützung! Tim durfte auf der Fläche zwei an den Start gehen. Bei den höchstqualitativen Klassen bis 30 und bis 40 werden die Wettkämpfe immer im Battle-Modus ausgetragen, das heißt, zwei Athleten kämpfen direkt gegeneinander. Wer gewinnt, zieht in die nächste Runde ein. Wer verliert, ist ausgeschieden.

Tim durfte sein erstes Battle bei der EM erleben. In der Runde R32 - Match 5 startete er gegen einen Sportler aus Ungarn. Gecoacht von seinem Vater, Anh-Tuan Do, zeigte er trotz der großen Aufregung zwei schöne Formen Taebaek und Sipjin und gewann klar und deutlich das Battle und erreichte die nächste Runde. In Match 13 – R16 trat er gegen den an Nummer drei gesetzten Sportler aus Tschechien an. Unbeeindruckt konnte er seine Leistung weiter steigen und präsentierte die Form Juk-Jang sowie Pyongwon mit sehr schönen Kicks und viel Dynamik. So überzeugte er alle Kampfrichter und durfte als Sieger mit einem klaren Vorsprung aus diesem Battle herausgehen. Weiter ging es im Viertelfinale, Match 19, gegen Spanien. Im Viertelfinale zeigte er sich weiter unbeeindruckt vom starken Spanier. Mit Pal-Jang und Koryo lief er nahezu perfekt. Ein kleiner Wackler in der Pal-Jang kostete ihn jedoch leider den Sieg und er musste am Ende den Spanier knapp vorbeiziehen lassen. Trotzdem war es riesiger Erfolg für Do, bei seiner ersten EM im Einzel gleich den fünften Platz zu belegen. Herzlichen Glückwunsch!

Nachmittags war dann der Cheftrainer Christian Senft, der Routinier, dran. Der niedersächsische Bundestrainer Paul Knaute begleitete und bereitete ihn für den Wettkampf vor. Er durfte gleich als Erster im Halbfinale starten. Mit schönen hohen Kicks sowie schönen, dynamischen Technikkombinationen setzte er die Konkurrenz unter Druck. Er erhielt die beste Wertung für die Koryo. Die zweite Form zeigte er nahezu perfekt und zog souverän, als Drittbester, ins Finale der besten Acht ein. Im Finale präsentierte Senft als erste Form die Pal-Jang. Wie gewohnt mit schönem Flow und exakter Technik bekam er wieder die beste Wertung für die erste Form. Es folgte die Kumgang. Ruhig und gelassen zeigte Senft nochmal, was die intensive Vorbereitung in den letzten Monaten gebracht hatte und bekam auch eine sehr gute Wertung. Doch der Spanier und der Tscheche konnten die Kumgang noch einen Tick besser umsetzen und landeten am Ende noch vor Senft. Mit dem dritten Platz (Bronze-Medaille) erweitert Senft damit seine EM-Medaillensammlung auf acht Medaillen. Herzlichen Glückwunsch zu diesem großartigen Ergebnis!

TAG 2:

Auf allen vier Flächen starteten deutsche Athleten fast zeitgleich. Das erschwerte die Unterstützung der Fans auf der Tribüne, welche zahlreich erschienen waren. Anh-Tuan Do startete auf Fläche vier als neunter Starter von 13 im Halbfinale. Gecoacht wurde er von Bundeskadermitglied Christian Senft. Do durfte als zuerst die Koryo präsentieren. Da es auch sein erster Einsatz für das Nationalteam war, war ihm die Nervosität anzumerken. Er konnte er seine Leistung nicht ganz abrufen. Bei der zweiten Form lief es dann besser. Die Nervosität konnte er langsam ablegen, erzielte die beste Wertung für die anspruchsvolle Hansu und zog am Ende als Drittbester ins Finale ein. Im Finale mussten die Kumgang und Taebaek präsentiert werden. Do behielt seine Nervosität jetzt sehr gut unter Kontrolle und präsentierte die Kumgang bärenstark. Danach lief die Taekbaek sogar noch besser und er überzeugte alle Kampfrichter. Er erhielt hohe Wertungen für diese Läufe. Am Ende gewann er mit einem sehr großen Abstand zu den Kontrahenten Gold bei seiner ersten EM und krönt sich zum Europameister 2023 in der Klasse Herren bis 60. Großartige Leistung, Hut ab und herzlichen Glückwunsch.

Danach startete Senft mit Hilko Paschke (Potsdam) und Fabian Frank (TKD Center Stuttgart) im Team Male O30. Das Trio verzauberte alle Kampfrichter und Zuschauer mit einer perfekten Koryo und Chongwon und gewann hochverdient die Gold-Medaille vor Spanien und Finnland. Der zweite Europameistertitel für den Verein, purer Wahnsinn! Bis jetzt wurde jede Erwartung übertroffen. Aber es ist bekannt, dass aller guten Dinge drei sind….

TAG 3:

Am letzten Tag durfte Tuong-Vi Hannah mit ihrem Junior Team (Jessica Strom/Chemnitz und Jasmin Flotow/Redletics) auf der Fläche zwei sowie Anna Siepmann und Tim Do in Senior Pair U30 auf Fläche eins für Redfire die internationale Bühne rocken. Das Senior Paar startete als letztes im Halbfinale. Mit Pal-Jang und Sipjin stürmten die beiden auf Platz drei und qualifizierten sich damit klar für das Finale. Im Finale lief es leider nicht ganz wie erhofft. Trotz schöner Kicks und sauberer Technik reichte es am Ende nur für Platz sechs. Trotzdem ist es eine Megaleistung für die jungen Athleten in der besten Klasse.

Das Trio startete in ihrer Gruppe als letztes Team. Sofort zeigten und überzeugten sie das Wettkampfgericht mit hohen, kraftvollen Kicks sowie perfekter Synchronität bei der Juk-Jang und der Taebaek. Sie gewannen schließlich mit einem hohen Vorsprung vor Großbritannien, Spanien und Finnland Gold und damit den dritten Europameistertitel für den Verein. MEGA!!! Herzlichen Glückwunsch.

Insgesamt drei Titel, eine Bronzemedaille, einen fünften Platz und einen sechsten Platz bringen die Reddies folglich mit nach Hause. Völlig übermüdet, aber überglücklich kehrten die Reddis mit dem deutschen Team am Montag zusammen zurück.

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