06.08.2018 11:57

Sportmix


„Fairness, Teamgeist & Ehrgeiz“ - Das Rugby-Camp auf der Riepenburg

Schullandheim-Leiter und Ex-Nationalspieler Frank Himmer bringt Kindern das Rugby näher / Das „Baby“ wird erwachsen
    Frank Himmer Rugby Camp Schullandheim Riepenburg AWesA
    Frank Himmer (4.v.li.) und sein Trainer- und Betreuer-Team leiten das Rugby-Camp jedes Jahr.
    Schon die Anfahrt ist ein Abenteuer – das Schullandheim Riepenburg am Rande des Hamelner Stadtforst ist mitten in der Natur gelegen. Es geht über Stock und Stein, der Ausblick auf das umliegende Weserbergland ist traumhaft, das grüne Grundstück der Riepenburg ist für jeden Naturliebhaber ein Ereignis. Doch die Idylle kann täuschen: Auf der Riepenburg ging es in der letzten Woche hoch her. Wo sonst hauptsächlich Schulklassen gastieren, richtet Frank Himmer, seit fünf Jahren Leiter des Schullandheims, jährlich ein Rugby-Camp aus. Über 10.500 Übernachtungen finden auf dem Gelände pro Jahr statt. Eine Woche im Jahr steht im Zeichen des Rugby. Für Kinder aus ganz Deutschland – zum Teil sogar darüber hinaus – ist das Camp eines der Highlights der Sommerferien. „Wir haben viel mehr Anfragen als Plätze“, erklärt Himmer. Der Chef des Camps hat eine bewegte Rugby-Karriere hinter sich und ist seinem Sport bis heute treu geblieben. Im zarten Alter von vier Jahren entdeckte Himmer das Rugby für sich. „Meine fünf Brüder haben bereits Rugby gespielt. Da lag es nicht fern, dass ich den Sport auch mal probiere.“ Es passte perfekt. Bei Hannover 78 lernte Himmer das Einmaleins des Rugby – und startete eine beeindruckende Laufbahn. Unter anderem kam er zu 17 Länderspieleinsätzen in der Deutschen Nationalmannschaft, wurde Deutscher Meister, Pokalsieger und war in Dubai, Taiwan, Lissabon sowie Paris unterwegs – bis ein Kieferbruch seine Karriere mit 33 Jahren beendete. Himmer betont jedoch: „Rugby ist ein äußerst fairer Sport. Unfälle gehören – wie beim Fußball oder Handball – dazu.“

    „Wir nehmen jedes Kind an“

    Es folgte eine Laufbahn als Schiedsrichter. Bis heute liebt Himmer seine Sportart. Und gibt sie mittlerweile an jüngere Generationen weiter – als Leiter der des Schullandheims Riepenburg. „Die Idee, ein Rugby-Camp zu organisieren, gibt es schon sehr lange. Als ich dann Leiter der Riepenburg wurde, haben wir eine Ausschreibung gemacht. Die Resonanz war sehr gut. Seitdem machen wir die Camps im jährlichen Rhythmus. An dieser Stelle möchte ich auch Romana Thielicke danken. Sie hat als Präsidentin der Deutschen Rugby-Jugend einen Mammut-Anteil daran, dass diese Camps sich mittlerweile etabliert haben.“ Es gebe keine Selektion nach Talent, Vereinszugehörigkeit oder sonstigen Kategorien. „Wir nehmen jedes Kind an – bis die Plätze voll sind“, erklärt Himmer. Bedeutet: Auch „sportfremde“ Kinder können sich anmelden, wenn sie dies rechtzeitig tun. Himmer ist es besonders wichtig, die Werte von Rugby an die Camp-Teilnehmer/innen weiterzugeben. „Rugby steht für Fairness, Teamgeist und Ehrgeiz. Für besonders wichtig halte ich den Respekt vor dem Gegner. Sportlicher Wettkampf muss unter respektvollen Bedingungen stattfinden. Beispielsweise dürfen nur die Mannschaftskapitäne mit dem Schiedsrichter sprechen. Aber nur, wenn der Schiedsrichter sie dazu auffordert. Während des Spiels sind die Unparteiischen unantastbar. Das ist nicht bei allen Sportarten so. Für Außenstehende sieht die Sportart extrem gefährlich aus – dabei ist sie nicht gefährlicher als andere Kontaktsportarten.“

    Nationalspieler besuchen das Camp

    Über sieben Tage erstreckt sich das Camp. „Wir spielen aber nicht nur Rugby. Wir besuchen die Stadt Hameln und machen andere Gruppenaktivitäten. Zum Beispiel bekommt jedes Zimmer eine Flagge einer großen Rugby-Nation und soll als diese Nation etwas vorführen. Was vorgeführt wird, legen die Kinder unter kompletter Selbstbestimmung fest. Wir geben nichts vor“, erläutert Himmer, der mittlerweile ein großes Team aus Betreuern und Trainern um sich geschart hat. „Viele der Trainer nehmen sich für das Camp extra Urlaub. Es macht nicht nur den Kindern großen Spaß.“ Sogar Nationalspieler und Profis besuchen das Camp regelmäßig. „Es ist ein toller Anblick, wenn die Kinder an der Hand von diesen Zwei-Meter-Hünen laufen und zu ihnen aufschauen. Alle geben sich große Mühe, den Kindern ein unvergessliches Erlebnis zu bieten.“ Das Konzept geht auf. „Besonders freut es uns, wenn die Kinder zu Rugby-Turnieren kommen und in anderen Mannschaften Kinder treffen, die sie im Rugby-Camp kennengelernt haben. Das zeigt uns, dass das Camp dabei hilft, Kontakte zu knüpfen und Freundschaften entstehen zu lassen, die über größere Distanzen aufrecht erhalten werden“, erklärt Himmer, der beim Camp von seinem „Baby“ spricht, das erwachsen geworden sei. „Im ersten Jahr musste sich auch das Betreuer-Team erst finden. Mittlerweile haben wir uns perfekt eingespielt. Ich kann mich nur bei der Person bedanken, die uns hilft, dieses Camp Jahr für Jahr zu organisieren.“ Und wann beginnen die Vorbereitungen für das Rugby-Camp 2019? „Sobald das Camp 2018 vorbei ist“, lächelt Himmer.
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