12.06.2018 10:50

Interview


Meister-Interview - „Unser Können war für die Oberliga meisterlich!“

Siegesmund: „Gesamte Handballsparte arbeitet an professionellen Strukturen“ / Hamelns Ex-Bundesligaspieler im Interview

Marc Siegesmund wurde mit Großenheidorn Oberliga-Meister und parallel trainierte er auch noch die A-Junioren der JSG Weserbergland.

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Der Ex-Bundesligaspieler des VfL Hameln, Marc Siegesmund, hat eine intensive Saison hinter sich. Neben dem Herren-Oberligisten MTV Großenheidorn, mit dem der Aufstieg in Liga drei geschafft wurde, trainierte Siegesmund parallel auch noch die A-Junioren der JSG Weserbergland. Beide Trainertätigkeiten unter einen Hut zu bringen, ist nur mit sehr viel Einsatz und Organisation möglich. Im AWesA-Interview berichtet Siegesmund über die abgelaufene Saison, über Großenheidorns Erfolgsrezept und wagt einen Ausblick auf das „Abenteuer“ 3. Liga.

Marc, du hast in der abgelaufen Spielzeit neben dem Oberligisten MTV Großenheidorn auch die männliche A-Jugend der JSG Weserbergland gecoacht. Wie war das alles unter einen Hut zu bringen?
„Das war schon nicht ganz so leicht, da beide Mannschaften ein gewisses Maß an Zeit und Einsatz forderten. Einen normalen Full-Time-Job habe ich ja auch noch nebenbei. Jeden Abend stand ich in einer Sporthalle, mal in Heidorn und mal in Hameln. Am Wochenende waren dann häufig zwei Spiele zu betreuen. Aber wenn man es gerne macht, geht das schon irgendwie. Die eigene Freizeit ist dadurch natürlich sehr knapp bemessen und steht hinten an. Ich brauche dafür aber auch meine Familie, die mir den Rücken frei hält und mich unterstützt.“

Mit Großenheidorn habt ihr eine überragende Oberliga-Saison gespielt und am Ende den Drittliga-Aufstieg geschafft. Was war euer Erfolgsrezept?
„Im Gegensatz zur Vorsaison haben wir es geschafft, eine bessere Abwehr zu stellen. Wir haben dafür viel Trainingszeit investiert. Die gute Tordifferenz gibt uns recht. Die Torhüter konnten in der Zusammenarbeit mit der Abwehr glänzen und unser Umschaltspiel mit dem Tempogegenstoß war eine sehr wirksame Waffe. Außerdem hat mein Kader in Heidorn ein sehr gutes Spielverständnis, ist qualitativ sehr gut besetzt und war immer in der Lage, eine passende Antwort auf die gegnerischen Aufgaben zu geben.“

In der neuen Saison geht ihr in der 3. Liga Staffel West an den Start. Zu den Derbys gegen den HSV Hannover oder Eintracht Hildesheim kommt es damit nicht. Was sagst du zu der Staffeleinteilung und wie schätzt du die Liga ein?
„Die Staffeleinteilung finde ich nicht so gelungen. Ich hätte gern gegen alle Mannschaften aus der Hannoveraner Region in der Staffel Nord gespielt. Das hätte uns immer eine volle Halle garantiert. So werden wir jetzt sehr häufig nach Nordrhein-Westfalen fahren und mal Hallen sehen, die wir bisher noch nicht kennengelernt haben.“

Die 3. Liga ist nicht nur ein großer finanzieller Aufwand für den Verein, sondern bringt auch sportlich einen nicht zu unterschätzenden Sprung mit sich. Wie bereitet sich der MTV Großenheidorn auf das „Abenteuer" vor?
„Erstmal muss ich sagen, dass es in Großenheidorn eine große Euphorie nach dem Aufstieg gibt. Sie sind stolz, dass dieses kleine Dorf so hochklassigen Handball anbieten kann. Die gesamte Handballsparte arbeitet an professionellen Strukturen. Viele helfende Hände sind im Umfeld der Mannschaft um Planung der Saison, Sponsorengewinnung und-betreuung bemüht. Sportlich werden wir unseren Kader nach der Verpflichtung von Zsolt Kovacs noch auf zwei Positionen verstärken. Der Kader der letzten Saison wird aber unsere Farben in die 3. Liga tragen. Sie haben es sich verdient, auch eine Klasse höher zu spielen.“

Auch Du als Trainer musst die Intensität erhöhen. Inwiefern passt du die Saisonvorbereitung und die Trainingshäufigkeit sowie -intensität den neuen sportlichen Bedingungen an?
„Die Saisonvorbereitung beginnt bei uns im Gegensatz zur Oberligasaison schon zwei Wochen eher. Außerdem trainieren wir viermal plus etwa zwei Vorbereitungsspiele pro Woche. Ein Trainingslager mit zwei Spielen bildet den Einstieg. In der Saison sind drei Trainingseinheiten pro Woche geplant. Inhaltlich werden wir an der Spielgeschwindigkeit, der Angriffsvariabilität und am Abwehrkonzept arbeiten. Unser Können war für die Oberliga meisterlich, für die 3. Liga, denke ich, dann doch eher noch ausbaufähig.“

Dein Sohn Janne ist nach der Saison von der JSG Weserbergland zu Eintracht Hildesheims A-Junioren, die in der Bundesliga spielen werden, gewechselt. Was traust du ihm bei seiner neuen Aufgabe zu?

Sohnemann Janne Siegesmund spielt in der nächsten Saison in der Bundesliga.

„Für ihn kommt es jetzt darauf an, sich an das schnellere, körperliche Spiel in der Bundesliga zu gewöhnen. Die Qualität seiner Mitspieler und die dadurch erhöhte Trainingsintensität mit bis zu sechs Einheiten pro Woche werden ihn zusätzlich fördern und fordern. An den körperlichen Voraussetzungen Richtung Athletik und Kraft arbeitet er hart, das Talent ist da. Er möchte sich auf dem höheren Niveau ausprobieren und in der kommende Saison neue Erfahrungen sammeln. Ich wünsche ihm dazu alles Gute, hoffe, dass er von Verletzungen verschont bleibt und trotz aller Quälerei Spaß am Kapitel A-Jugend-Bundesliga hat.“

Kommen wir zu der Region Hameln-Pyrmont zurück. Was traust du dem VfL Hameln in der neuen Saison unter dem neuen Coach Sven Hylmar in der Oberliga zu?
„Das ist schwer einzuschätzen. Neuverpflichtungen sind bisher nicht in Sicht, die Torhüterposition noch nicht adäquat besetzt. Wenn das gelingt und die Verletzungen einen großen Bogen um die Mannschaft machen, sollte eine bessere Platzierung als in der letzten Saison herausspringen.“

Glaubst du, dass der VfL auch noch einmal den Sprung in die dritte Liga schaffen kann?
„Ich glaube, dass der VfL im Augenblick ganz andere Sorgen hat. Mit der Frage würde ich mich als VfLer erst beschäftigen, wenn ich die Voraussetzungen im Verein und - ganz wichtig - im Umfeld für die Dritte Liga geschaffen hätte. Hameln erscheint mir im Allgemeinen nicht als eine sportbesessene Stadt, die alles tut, um ihre sportlichen Aushängeschilder zu unterstützen. Die Hallensituation ist aus verschieden Gründen suboptimal, der sportliche Unterbau reicht für Herren-Oberliga–Ansprüche nicht aus und im Sponsorenbereich kämpft das Management um jeden Kleinsponsor. Kurz, die gegebenen Bedingungen reichen in der heutigen Zeit nicht mehr aus, um hochklassigen Handball bieten zu können. Der TuS Vinnhorst wird als Aufsteiger aus der Verbandsliga mit seinen immensen finanziellen Mitteln in der nächsten Saison meiner Meinung nach die Maßstäbe in der Oberliga setzen.“

Marc, wir danken für das Gespräch und wünschen Dir für die nächste Saison viel Erfolg.
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Autor des Artikels

Timo Schnorfeil
Timo ist nach Matze Dienstältester im Team AWesA, telefoniert, schreibt und knipst – und ist Chef der redaktionellen Organisation.
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