28.07.2025 10:44
Rudern - Meldung
WM-Bronze für Charlotte Burgdorf
Hamelnerin rudert bei der U23-Weltmeisterschaft in Poznań zu ihrer ersten WM-Medaille

Bronzemedaille bei der U23-Weltmeisterschaft für Charlotte Burgdorf (links). Quelle: meinruderbild.de
Es war kein Rennen für schwache Nerven! In der vergangenen Woche fanden auf dem Maltasee im polnischen Poznań die U23-Weltmeisterschaften statt. Mit dabei war Charlotte Burgdorf vom RV Weser Hameln. Die frisch gebackene Abiturientin und ihre Zweierpartnerin Johanna Debus aus Offenbach wollten sich im hochkarätigen Frauen-Doppelzweierfeld beweisen. Neben den Rumäninnen und Griechinnen reisten die beiden als Mitfavoritinnen auf die Podestplätze nach Poznań.
Bereits die Vorentscheidungen zeigten, dass es richtig spannend werden würde – alles war möglich.
Im Vorlauf musste sich das Duo den bis dahin amtierenden Weltmeisterinnen aus Rumänien knapp geschlagen geben. Mit einem starken Endspurt fuhr der Zweier am deutschen Boot vorbei. Mit Platz zwei und der sechstschnellsten Zeit qualifizierte sich Charlotte problemlos für das Halbfinale. Dabei ließen sie Italien, Großbritannien und Chile hinter sich.
Im Halbfinale ging es dann in einem engen Feld um das Finalticket. Kontrahenten waren erneut Rumänien und der italienische Doppelzweier. Hinzu kamen noch die starken Polinnen, Neuseeland und Lettland. Während die Polinnen dominant vorausfuhren, tummelten sich dahinter vier Boote, die um den Finaleinzug kämpften – mit dabei Charlotte und Johanna. 500 Meter vor dem Ziel lagen die Plätze zwei bis vier innerhalb einer Sekunde. Mit einem starken Spurt auf den letzten 500 Metern fuhren die bis dahin viertplatzierten Rumäninnen auf Rang zwei und ließen das deutsche Duo erneut hinter sich. Jedoch reichte der dritte Platz für die beiden aus, um sicher ins Finale einzuziehen. Die drei für das Finale qualifizierten Boote kamen innerhalb von zwei Sekunden ins Ziel. Im anderen Halbfinale qualifizierten sich Griechenland, Frankreich und die Niederlande. Ein Blick auf die Ergebnisse zeigte bereits: Das wird ein spannendes Finale.
Am Samstag um 15:35 Uhr sprang die Ampel auf Grün. Den Start nicht ganz optimal erwischt, sortierten sich Johanna und Charlotte nach den ersten 500 Metern auf Platz vier ein. Zwei Sekunden fehlten zu den Medaillenrängen. Während Griechenland zur Streckenhälfte bereits drei Sekunden Vorsprung auf die zweitplatzierten Polinnen hatte, wurde es dahinter eng. Die zu diesem Zeitpunkt drittplatzierten Französinnen wurden von Deutschland und den Niederlanden attackiert. Erstmals den Bug in die Medaillenränge schoben sich die Deutschen nach 1300 geruderten Metern. Doch allen war klar: Die Rumäninnen mit ihrem starken Endspurt waren nicht weit entfernt.
Dann wurde unter dem Kommando von Johanna Debus der Turbo gezündet. Charlotte, als Schlagfrau, kurbelte die Frequenz hoch, was das Zeug hielt – es wurde gespurtet. Mit diesem Schlussspurt fuhren sie so weit nach vorne, dass sie 100 Meter vor dem Ziel sogar auf Silberkurs lagen. Doch ein Luftschlag von Johanna brachte das Boot kurz ins Straucheln. Unter tosendem Applaus und lautstarken Anfeuerungsrufen von der Tribüne fuhren die beiden über die Ziellinie – und freuten sich im Ziel über Bronze.
„Das war ein Rennen großer Klasse. Die ersten drei Boote kamen innerhalb von zwei Sekunden ins Ziel. In so einem Rennen die Nerven zu behalten und den Mut zu haben, nach 1000 Metern so einen Spurt zu setzen und die Geschwindigkeit über die zweite Hälfte zu halten, zeugt von starker Leistung und großem Potenzial. Charlotte und Johanna können sehr stolz auf ihre Leistung sein und sich über ihre Medaille freuen. Das zeigt, wie viel Potenzial in den noch jungen Ruderinnen steckt – und wir sind gespannt, was da in den kommenden Jahren noch kommt“, schwärmte Julia Klemm, die Landesstützpunkttrainerin.
Mitgereiste Familie, Freunde und Vereinsmitglieder fielen sich auf der Tribüne in die Arme und jubelten. Für Charlotte ist es die erste internationale Medaille in ihrer Ruderkarriere. Die erst 19-Jährige hat in den vergangenen Wochen und Jahren gezeigt, wie viel in ihr steckt – und dass sie zu den Besten der Welt in ihrer Altersklasse gehört.
Im Anschluss wurde die Siegerehrung in vollen Zügen genossen. Vor internationalem Publikum wurden den beiden die Bronzemedaillen feierlich überreicht. Der Moment, die erste internationale Medaille gewonnen zu haben, wurde sichtlich genossen. Strahlend standen die beiden auf dem Podest und freuten sich. Beim Hissen der Flaggen und der griechischen Hymne mussten sich beide noch kurz konzentrieren, was zu tun ist. Anschließend wurden noch gemeinsame Fotos gemacht und Interviews gegeben. Danach wurde Charlotte noch persönlich gratuliert, bevor das Feiern begann.
Für den RV Weser Hameln ist es die erste internationale Medaille seit 2012. Damals gewann Nora Wessel Gold im leichten U23-Frauen-Doppelzweier.
Nun stehen für Charlotte Urlaub und Erholung an, bevor Anfang September die Europameisterschaft wartet. Dort wird sie im Doppelvierer an den Start gehen.
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