25.05.2026 12:34

Leichtathletik


100km, vier Etappen, null Empfang: Das Wüsten-Abenteuer von Schulz & Struckmann

Zwischen Dünen, Walen und absolutem Wahnsinn: Zwei heimische Läufer im Sand von Namibia

Jörn Struckmann (li.) und Axel Schulz haben es geschafft: 100 Kilometer durch die Wüste Namib. Foto: privat.
Vier Etappen, extreme klimatische Kontraste und die Herausforderung der absoluten Selbstversorgung: Der Aerzener Axel Schulz (64) und der Bückeburger Jörn Struckmann (55) haben erfolgreich den „Marathon des Sables (MdS) Raid Namibia 2026“ absolviert. Vom 25. April bis zum 2. Mai dauerte das gesamte Event im Südwesten Afrikas, bei dem sich der reine Lauf vom 27. bis zum 30. April erstreckte. Ein packender Einblick in ein außergewöhnliches Wüstenabenteuer.

Ein neues Format für eine etablierte Legende

Seit nunmehr 40 Jahren gilt der klassische Marathon des Sables in der marokkanischen Sahara, bei dem rund 250 Kilometer in sieben Tagen zurückgelegt werden müssen, als feste Instanz im Kalender von Extremläufern. Da Startplätze dort außerordentlich schwierig zu bekommen sind und sich die Veranstaltung stark professionalisiert hat, riefen die Organisatoren neue Formate ins Leben. Ziel war es, auch jene Sportler abzuholen, die eine geringere Kilometerdistanz absolvieren wollen.

Daraus resultierte auch der diesjährige „MdS Raid Namibia 2026“. Knapp 100 Kilometer führte die Strecke durch die namibische Wüste. Insgesamt 184 Teilnehmer aus 22 Nationen stellten sich dieser Herausforderung, die strikt in Zweierpaaren absolviert wurde. Das Programm umfasste in Summe vier Etappen sowie zwei Nächte im Biwak und eine Nacht komplett ohne Zelt unter dem freien Sternenhimmel der Wüste.

Nicht als Sand bis zum Horizont. Foto: privat.
Ein eingespieltes Team aus der Region

Für den Aerzener Axel Schulz und seinen Freund und Geschäftspartner Jörn Struckmann aus Bückeburg war der Lauf die Fortsetzung einer langjährigen sportlichen Partnerschaft. Die beiden kamen einst über das Business zusammen und laufen mittlerweile seit 25 Jahren gemeinsam. Ihre Laufbahn begann mit dem Halbmarathon, führte über die klassische Marathondistanz und mündete schließlich in Ultra-Läufen.

Durch Berichte anderer Ultra-Läufer, unter anderem aus der heimischen Region, wurden die beiden auf den geschichtsträchtigen MdS aufmerksam, wie Schulz im Gespräch herausstellt. Nachdem der Gedanke gereift war, dass dies ein passendes Projekt sei, nahmen sie bereits im vergangenen Jahr am „MdS 120“ in Kappadokien teil. Nach der dortigen, laut Schulz perfekt organisierten Veranstaltung folgte nun der Schritt auf den afrikanischen Kontinent.

„Ich hätte mir im Vorhinein nie erträumt, dass es so überragend wird“, betont Schulz mit Blick auf die Rahmenbedingungen. Obwohl beide beruflich und privat viel in verschiedenen Ländern unterwegs sind, hob er die Logistik des Veranstalters besonders hervor. Vor und nach dem eigentlichen Event waren zwei Hotelübernachtungen inklusive Verpflegung inbegriffen, wobei das Hotel echten Luxus bot.

Harte Bedingungen und absolute Selbstversorgung

Dazwischen lagen jedoch vier Tage, in denen die Athleten komplett auf sich allein gestellt waren – sowohl in Sachen Verpflegung als auch bei der Hygiene. Ohne jeglichen Handyempfang forderte das Abenteuer eine präzise Vorbereitung. Biwak-Ausrüstung, Kleidung, Hygieneartikel, Nahrung und natürlich Wasser mussten im rund 10 Kilogramm schweren Rucksack selbst transportiert werden.


Ein eingespieltes Läufer-Team: Jörn Struckmann (li.) und Axel Schulz. Foto: privat.
  Auch das Klima im namibischen Winter verlangte den Läufern einiges ab. Während tagsüber angenehme 25 Grad herrschten, sank die Temperatur in den Nächten auf unter 10 Grad ab, was entsprechende Kleidung erforderte. Zudem stellte die extrem hohe UV-Strahlung eine kontinuierliche Belastung dar.

„Es war insgesamt einfach Wahnsinn. Am Start hattest du ein paar Fahnen in der Wüste und dann siehst du kilometerweit nur Sand bergauf, Sand bergab“, beschreibt Schulz die Eindrücke nach dem Start. Durch das langsamere Tempo nehme man die Umgebung jedoch viel intensiver wahr. Neben Wüstenfüchsen und Antilopen fiel vor allem das veränderte Bewegungsprofil beim Bewältigen der Sanddünen auf.

Den ersten Tag verbrachten die Läufer komplett in den Dünen. Durch die großzügig angesetzten cut off Zeiten war beim Marathon des Sables nahezu jede Renntaktik möglich. Vom ambitionierten Laufen bis hin zum kontrollierten Gehen war alles möglich. Bedingt durch die Dünen war ohnehin ein Großteil der Strecke gehend zurückzulegen. Schulz und Struckmann fanden ihr eigenes Tempo und bewegten sich während des gesamten Rennens im Mittelfeld. Zu den unvorhersehbaren Wetterkapriolen im Lager gehörte zudem ein kleiner Sandsturm.

Die Gemeinschaft im Fokus: Austausch im Toilettenzelt

Neben der sportlichen Leistung prägte vor allem der zwischenmenschliche Aspekt das Event. Der Austausch mit den Personen aus 22 Nationen habe am meisten Spaß gemacht. Schulz betont: „Diese Gemeinschaft ist toll. Alle Teilnehmer stammen aus unterschiedlichen Ecken der Welt, haben ihre eigene Geschichte. Innerhalb dieses Wettkampfs hat jeder aber das gleiche Problem. Es geht nicht um den Konkurrenzgedanken oder die Zeit, jeder kämpft nur gegen sich selbst.“

Wie eng die Gemeinschaft zusammenrückte, zeigte ein besonderer, kurioser Moment im Camp: Aufgrund von starkem Wind suchte die gesamte Läufer-Community Schutz in den speziell dafür vorgesehenen Toilettenzelten, um sich dort ungezwungen zu unterhalten und auszutauschen. Unterstützt wurde das Event von rund 60 ehrenamtlichen Helfern, darunter Ärzte und Sanitätspersonal. Die Betreuung war laut Schulz hervorragend: „Die Organisation war insgesamt super, man hat sich in jeder Minute sicher gefühlt.“


Ein einzigartiger Anblick. Foto: privat.
Eintönige Küste, Wale und ein emotionales Finale

Der finale Tag verlangte den Teilnehmern noch einmal 26 Kilometer ab. Davon verliefen rund 12 Kilometer unmittelbar an der Atlantikküste. Während der Sand bergauf und bergab technische Anforderungen stellte, beschrieb Schulz den Küstenabschnitt im Nachgang als „eintönig“. Entschädigt wurden die Läufer dort allerdings durch die Sichtung von Walen und Delfinen im angrenzenden Wasser.

Das Ziel lag direkt am Wasser, markiert durch einige Fahnen. Beim Einlauf kam emotionale Stimmung auf: „Das gesamte Organisationsteam hat jedem einzelnen Teilnehmer zugejubelt und gab jedem das Gefühl, er sei der erste und der beste“, war Schulz gerührt.

Mit Bussen ging es anschließend zurück ins Luxushotel, wo sich eine spürbar erleichterte Atmosphäre breitmachte, die sich am Abend bei der offiziellen Abschlussveranstaltung fortsetzte. „So eine gelöste Stimmung habe ich selten erlebt“, resümierte Schulz. Als interessante Randnotiz erwähnte er zudem eine faire Geste des Veranstalters: „Wer das Rennen vorzeitig abbrechen muss, erhält ein Freiticket für die Veranstaltung im Folgejahr.“

Auch wenn dieser Umstand für das erfolgreiche Duo aus dem Weserbergland nicht zum Tragen kam, scheint für Schulz und Struckmann das Kapitel „Marathon des Sables“ noch nicht endgültig abgeschlossen zu sein. Ob es ein Wiedersehen mit der Wüste geben wird, lassen beide zumindest offen. Erste Gedanken für eine weitere Teilnahme in den kommenden Jahren gibt es bereits.
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Autor des Artikels

Robin Besser
Robin Besser
Robin kam am 01. August 2022 als fester Neuzugang ins Team AWesA, war zuvor als freier Mitarbeiter aktiv. Sein Herz schlägt für den Lokalsport und die Vereine im Weserbergland.
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