21.12.2021 11:29

Sportmix


Schon wieder ein Jahr wie kein anderes. Jannik Schröder blickt zurück

Hinter uns liegt ein weiteres Jahr, das sich keiner gewünscht hat. Dennoch gehen wir hoffnungsvoll ins neue Jahr.
AWesA-Geschäftsführer Matthias Koch schrieb im Vorwort des AWesA-Jahresrückblicks 2020 von einem „Jahr wie kein anderes“. Rund ein Jahr später ist diese Aussage – leider – hinfällig. Hinter uns liegt ein weiteres Jahr, das sich keiner gewünscht hat. Ein Jahr, das tiefe gesellschaftliche Gräben hinterlässt, ein Jahr, das uns als Gesellschaft zeigt, dass dieses Konstrukt, das uns alle zusammenhält, fragil ist. Es erfordert Arbeit, um es zu erhalten, es ist keine Selbstverständlichkeit. Im Gegenteil: Treten Situationen ein, denen wir scheinbar nicht Herr werden können, die uns aufzeigen, dass wir trotz aller bahnbrechenden Fortschritte, trotz unseres Wohlstands, fehlbar sind, vergessen wir viele der Werte, die wir ständig propagieren. Im Deckmantel der Anonymität zeigen Menschen ihre hässliche Seite, empfinden Wut für das Unverständnis anderer und umgekehrt, ja fangen sogar an zu hassen. Sachliche, konstruktive Diskussionen erscheinen längst wie ein Relikt vergangener Zeiten. In schwierigen Situationen ist es einfach, einen Schuldigen zu finden für das eigene Unwohl. Komplizierte, unüberschaubare, nicht zu greifende, chaotisch wirkende Themen, die wir mit unserem Verstand kaum fassen können, sind immer leichter zu verstehen, wenn wir sie auf das Einfachste herunterbrechen – auch wenn wir daraus völlig falsche Schlüsse ziehen. Uns wird aktuell eindrucksvoll gezeigt, wie einfach Populismus die Gemüter befriedigt, wenn man sich in einer Lage befindet, die dem einzelnen Menschen zu groß geworden ist. Die für ihn nicht lösbar ist. Und all das noch in einem Zeitalter, in dem sich jedermann und -frau im Internet als vermeintlicher Experte darstellen kann, in dem alle ganz viel Meinung kundtun können, ohne überhaupt Ahnung zu haben.

Die SG Ahrtal bedankte sich bei allen UntersützerInnen für die Spendenaktion.
Natürlich ist uns das alles nicht verborgen geblieben. Wie auch bei der Allgegenwärtigkeit der Corona-Pandemie. Und als wäre das nicht schon genug, gab es im Sommer eine Hochwasser-Katastrophe in einem Ausmaß, das wir uns nicht in einem geografisch günstig gelegenen Land wie Deutschland, drei Autostunden von uns entfernt, gar nicht vorstellen konnten. Tragische Schicksale gingen durch die Medien, vor den Augen der Betroffenen wurde ihr Leben weggespült, einige mussten gar ihr Leben lassen. Und doch hat diese Katastrophe uns gezeigt: Solidarität, Teilhabe, Zusammenhalt sind immer noch Begriffe, hinter denen auch eine wahrhaftige Bedeutung steckt. Ein ganzes Land stellte sich geschlossen hinter eine Region, die vor dem Nichts stand. Und selbst unsere lokalen Sportvereine, durch die Pandemie finanziell gebeutelt und mit eigenen Sorgen belastet, boten ihre uneingeschränkte Hilfe an. Auf einen von Matthias Koch initiierten, von AWesA und Round Table 62 ins Leben gehobenen Spendenaufruf folgte eine Welle der Menschlichkeit. Vereine sammelten Beiträge aus den klammen Mannschaftskassen, baten um Spenden von Zuschauern und gaben teilweise sogar ihre gesamten Spieltagsüberschüsse weiter, Unternehmen und Einzelpersonen beteiligten sich. Das Ergebnis: Insgesamt 13.500 Euro gingen zu 100 Prozent an die stark geschädigte SG Ahrtal und ihre Jugendmannschaften. Das bescherte uns von AWesA einige emotionale Momente und zeigte uns in einer chaotischen Episode: Wir sind noch in der Lage, leere Worthülsen mit Leben zu füllen.

Ohnehin hat sich bei uns viel getan: Mit Francesca Rüscher und Florian Fogt haben wir tolle KollegInnen dazugewonnen, die unser Team fachlich und menschlich bereichern. Unser Kollege „FloFo“ hat in diesem Jahr seine Frau Kira geheiratet, selbstverständlich haben wir ihr gemeinsames Glück angemessen gefeiert. Ein anderer Kollege hat zum zweiten Mal Nachwuchs bekommen. Seit Anfang des Jahres arbeiten wir mit einem Partner an einer mobilen App, die unsere Berichterstattung nicht nur erweitern, sondern prägen soll. Zu Beginn des neuen Jahres bekommt jede Fußballmannschaft ihr eigenes umfangreiches Teamprofil. Mit der „Kevin Schumacher Story“ erschien Heiligabend die erste von uns produzierte Dokumentation. An dieser Stelle möchten wir allen daran beteiligten Kollegen ein großes Lob aussprechen. Wie viel Schweiß in einer derartigen Produktion steckt, wissen nur diejenigen, die daran gearbeitet haben.

Norman Quindt AWesA
Norman Quindt.
Und natürlich darf auch der Sport nicht fehlen. Trotz aller Widrigkeiten ging es in der zweiten Jahreshälfte mit dem zweiten „Sport-Reboot“ richtig rund. Mit großer Spannung haben wir den Drittliga-Aufstieg des TSV Havelse verfolgt und uns riesig für unsere beiden Hameln-Pyrmonter Vertreter, Kevin Schumacher und Norman Quindt, gefreut. Die beiden waren nicht nur dabei, sie nahmen in diesem filmreifen Drehbuch die Rollen der Protagonisten ein. Zum einen war Keeper Quindt mit überragenden Paraden der sichere Halt der Mannschaft, zum anderen schoss Schumacher dank eines unnachahmlichen Solos im Rückspiel gegen den 1. FC Schweinfurt das entscheidende Tor zum Aufstieg. Gekrönt wurde seine Leistung noch von der Verpflichtung durch den Zweitliga-Aufsteiger Hansa Rostock. Der Salzhemmendorfer hat seinen Traum verwirklicht – und wir wünschen beiden auf ihrem weiteren Weg nur das Beste.


Wallensen siegte beim Kreisturnier.
Im Juli beschenkte der Hameln-Pyrmonter Fußball-Spielausschuss uns mit einem „Restart“ der Superlative: Der Kreispokal 2020/21 wurde als Turnier im WM-Modus nachgeholt. Einige Vereine klagten über eine hohe Verletzungsgefahr aufgrund der langen Pause, doch letztlich freuten sich die meisten über eine innovative Idee, die unter den Vereinen im Rückblick viel Anklang fand. Mit WTW Wallensen gab es einen verdienten Sieger, AWesA übertrug das Finale mit Live-Kommentar von Matthias Koch und Florian Fogt. Zum Ende des Jahres überraschten die SpVgg. Bad Pyrmont und Germania Hagen mit einer für 2022 geplanten Fusion – aus ehemaligen erbitterten Rivalen soll ein Verein werden, um die Zukunft des Fußballs in der Kurstadt und Umgebung zu sichern.


Hajo Wulff (Bild) und Oliver Glatz sind das neue Trainer-Duo des VfL Hameln.
Die beiden Hameln-Pyrmonter Handball-Primi, VfL Hameln und MTV Rohrsen, erlebten trotz langer Spielpause ebenfalls ein turbulentes Jahr. Nachdem sich für Trainer Sven Hylmar die einmalige Chance eröffnete, Trainer der Bundesliga-Reserve des TSV Hannover-Burgdorf zu werden, verpflichteten die Hamelner Carem Griese von MTV als Nachfolger. Jedoch musste dieser aus privaten Gründen noch vor Saisonbeginn wieder zurücktreten, sodass nunmehr die beiden Vereinslegenden Oliver Glatz und Hajo Wulff die Kommandobrücke leiten – und das durchaus erfolgreich. Der MTV Rohrsen stand nach dem Zusammenbruch des Oberliga-Kaders hingegen vor dem Nichts, zog sich in die Frauen-Landesliga zurück. Unter Neu-Trainer Oliver Duus rehabilitierten sich die Rohrserinnen eindrucksvoll, spielen völlig überraschend ganz oben mit.


Weltmeister Jörg Latzel.
Schließlich wären da noch die beeindruckenden Errungenschaften in anderen Sportarten: Jörg Latzel ist als Radball-Bundestrainer Weltmeister geworden, damit nun so etwas wie der Franz Beckenbauer unter den Radballern. Scott Anderson sicherte sich die Goldmedaille bei der Cross-Triathlon-WM. Unzählige Ehrenamtliche sorgen dafür, dass der Lokalsport weiterlebt, trotzen unzähligen Schwierigkeiten. Wir können gar nicht in Worte fassen, wie viel Respekt wir vor diesen Leistungen haben. Der Amateursport lebt trotz erneuter Unterbrechung – und das haben wir diesen Menschen zu verdanken.

Allen Widerständen, Problemen und Hürden zum Trotze: Wir gehen voller Hoffnung ins Jahr 2022. Dass wir in der Lage sind, unsere Gräben zu schließen. Dass AWesA sich gemeinsam mit Euch weiterentwickelt. Dass wir unseren Sport, unser Hobby, unsere Leidenschaft wieder uneingeschränkt und sorglos ausüben können. Dass wir aus Fehlern lernen. Wir wünschen Euch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch. Verbringt die Zeit im Kreise Eurer Liebsten und kommt hoffentlich auf ein paar andere Gedanken als die, die uns das Jahr 2021 so schwierig gemacht haben. Bis demnächst!
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Autor des Artikels

Jannik Schröder
Jannik Schröder
Jannik stieg nach seinem Praktikum vor einigen Jahren neben dem Studium als Freier Mitarbeiter bei AWesA ins Boot – und ist nach seinem Master-Abschluss in Germanistik und Geschichte seit Oktober 2015 Chefredakteur.
Telefon: 0152 / 33755845
schroeder@awesa.de

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