27.07.2010 00:13

„Die Perle vom Deister“

Über die Institution TSV Eintracht Nienstedt und die „Problemchen“ des Sportplatzes an den „Niederen Wiesen“
„Groundhopping bezeichnet die Absicht, möglichst viele Stadien, Arenen oder Hallen einer bestimmten Sportart zu besuchen“, so lautet die kurze Definition des Begriffes beim Blick auf Wikipedia.de. AWesA macht genau das auf lokaler Ebene und ist Woche für Woche „auf Achse“, um die aktuellsten Spielberichte, Action-Fotos und Hintergrundgeschichten für Euch zusammenzutragen. In der Rubrik Groundhopping, die vielen AWesA-Lesern schon aus unserem Magazin bekannt sein wird, werfen wir aber einmal einen anderen Blick auf die Sportstätten unserer Region und gewähren Einblicke hinter die Kulissen oder auf besondere Ergeignisse, die noch heute Gesprächsthema bei vielen Vereins-Treffen sind. Den Start macht in dieser Woche der Nordkreis-Club TSV Eintracht Nienstedt.
Groundhopping Nienstedt 1 awesa

„Die Perle vom Deister“ – wie die Nienstedter ihren Heimatort liebevoll benennen – hat weit mehr zu bieten als schöne Landschaften und den Nienstedter Pass, der bei Zweirad-Fans weit über das Weserbergland hinaus bekannt ist. Zu den wichtigsten Institutionen des völlig von Wald umgebenen Stadtteils von Bad Münder gehört zweifelsohne der Sportverein TSV Eintracht  – und mit ihm der Sportplatz an den „Niederen Wiesen“. Grundstein der Vereinsgründung war die „Geburt“ des „MTV Gut Heil Nienstedt“ im Jahr 1908.  Der Fußballbetrieb wurde nach steigendem Interesse aber erst 17 Jahre später aufgenommen und begann unter dem Dach des „Sportclub Eintracht von 1925 Niensted“, der nach einer durch den 2. Weltkrieg bedingten Pause gemeinsam mit dem „MTV Gut Heil“ zum TSV Eintracht Nienstedt verschmolz.
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Schnell wurde Fußball im – heute rund 400 Mitglieder umfassenden – Verein zur absoluten Nummer eins. So ist es nur wenig verwunderlich, dass dem zentral im Ort gelegenen Sportplatz in den folgenden Jahren einige umfassende „Zuwendungen“ geschenkt wurden. Nachdem 1960 die Turnsparte der „Blau-Weißen“ vorübergehend außer Gefecht gesetzt war, wurde die Spielfläche des Sportplatzes mit großem Aufwand renoviert und mit einer Drainage versehen. Anfang der 70er wurde das Gelände dann sogar mit einer Flutlichtanlage komplettiert. „Das war die erste im Deister-Raum – und das in Eigenleistung“, erzählt Peter Hauke mit Stolz. Hauke – selbst Nienstedter Urgestein und einst im TSV-Dress  auf Tore-Jagd – ist seit vier Spielzeiten Chef an der Seitenlinie und erreichte jüngst den größten Vereinserfolg der fußballerischen Historie. 
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In der abgelaufenen Saison schaffte es die sympathische Riege um die Busse-Brüder  ungeschlagen über die Ziellinie zu schreiten und greift somit im kommenden Jahr erstmals in der Leistungsklasse an. Nie bewegte sich die Eintracht in höheren Gefilden. Das ist auch dem knappen Resultat aus dem Jahr 1998 zuzuschreiben: Als sich Frankreich auf die Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land vorbereitete, die sie später mit einer Glanzleistung für sich entscheiden sollten, wurde in Nienstedt der Sprung ins Kreisoberhaus nur um zwei Zähler verfehlt.
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In den vergangenen Jahrzehnten erlebte der grüne Rasen zwischen den „Niederen Wiesen“ aber nicht nur sportliche Höhenflüge: Zwei Jahre nach dem Fast-Aufstieg interessierte sich zwischenzeitlich kaum noch jemand für das Grün nahe der Lauenauer Straße. Nach dem „Zusammenbruch“ der Fußballsparte zum Millenium ruhte der Ball zwei Jahre lang, ehe 2002 der erfolgreiche Neustart in Angriff genommen wurde. Nach dem Wiederbeginn in der 3. Kreisklasse folgte der Durchmarsch in die 1. Kreisklasse. Es folgten Höhepunkte wie ein Gastspiel der Bundesliga-A-Junioren von Hannover 96, das sich als Zuschauermagnet schlechthin erwies. Über 400 Zuschauer wollten sich das Gastspiel der „Roten“ bei den Nordkreislern nicht entgehen lassen. „So viele Zuschauer habe ich in Nienstedt noch nie erlebt“, erinnert sich Hauke noch heute gerne zurück. Nach dem aktuellen Leistungsklassen-Aufstieg dürfte es aber auch wieder den einen oder anderen Fußballinteressierten mehr auf die Sportanlage mitten im Deister ziehen. Sportlich lief in der Saison 2009/2010 alles nach Plan.
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So haben die Nienstedter eher abseits des Platzes ihre „Problemchen“. Vor allem der hohe Bälle-Verschleiß zählt dazu: Doch das ist nicht nur dem nahe gelegene Bach, der bei hohem Pegel das eine oder andere Sportgerät verloren gehen lässt, zu verschulden. In erster Linie in Nachbars Garten, der direkt hinter dem Tor gelegen ist, verschwinden die Kunststoffkugeln allzugern. „Der Nachbar rückt die Bälle nicht gern raus. Das geht soweit, dass wir die gegnerischen Teams warnen, sich mit Schüssen auf das Tor warmzumachen. Das ist mittlerweile in der ganzen Staffel 1 Gesprächsthema“, weiß Hauke. Ehe die abhandengekommen „Leder“ wieder den Weg ins Ballnetz finden, muss sich erst jemand bereiterklären, „der Reue tut und den Nachbarn aufsucht.“ Doch glücklicherweise gibt es auch kooperationsbereitere Anwohner. „Der Knut versteht das schon. Der gibt die Bälle gleich wieder raus“, ist Peter Hauke dankbar. So geht im tiefsten Nordkreis alles seinen gewohnten Gang. Und die „Perle des Deisters“ glänzt schöner denn je.
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