29.03.2017 11:17

Lokalhelden: Johann Pfeifer


„Absolute Ehre zu besten 80 von 80.000 Schiris zu gehören“

„Die Rolle als Schiedsrichter kann einen persönlich ungemein weiter bringen" / „Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe.“
Johann Pfeifer
Johann Pfeifer hat es als Hameln-Pyrmonter in die weite Sportwelt gezogen. Foto: privat.
Er spielte lange Jahre beim HSC BW Tündern, ehe sich herausstellte, dass ihn als Schiedsrichter eine beachtliche Laufbahn erwarteten würde. Mittlerweile leitet er Spiele im Profibereich (3. Liga) und steht in der 2. Bundesliga an der Seitenlinie. Johann Pfeifer gehört zu den 80 besten Schiedsrichtern Deutschlands. Im Interview erläutert er, wie Spieler und Unparteiische besser zueinander finden können und wie junge Schiedsrichter auch kritische Duelle überstehen. Das Wichtigste sei: Den Spaß an der Sache nicht verlieren.

Du bist der am höchsten pfeifende Schiedsrichter aus Hameln-Pyrmont. Seit der Saison 2015/16 leitest Du sogar Spiele im Profibereich in der dritten Liga. Zuletzt hast Du einige Male in der 2. Bundesliga an der Linie gestanden. Je höher die Liga, desto höher wird der Druck für einen Unparteiischen. Wie gehst Du damit um?
Johann Pfeifer: „Grundsätzlich macht mir die Schiedsrichterei sehr viel Spaß. Seitdem ich angefangen habe, ist die Freude nie verloren gegangen. Natürlich befindet man sich im Profibereich in einer ganz neuen Drucksituation. Man lernt aber über Jahre hinweg, damit umzugehen. Es ist ja nicht so, dass wir direkt ganz oben anfangen.“

Der Zulauf an jungen Unparteiischen ist seit Jahren rückläufig. Welche Gründe für den Rückgang siehst Du und wie kann man dem entgegenwirken?
„Ich denke, dass das Stichwort 'gegenseitiger Respekt' eine sehr große Rolle spielt. Aus meiner Sicht gehören Emotionen, Erfolg und Fehler zu diesem tollen Sport dazu. Jedoch sollte der Frust nicht auf den Schultern von Schiedsrichtern aus- und vorgetragen werden.  Die Unparteiischen geben immer ihr bestes, investieren gerade auch in den unteren Ligen sehr viel Zeit und möchten ihr Hobby genauso ausführen wie die Spieler. Ein Unparteiischer würde beispielsweise niemals die Leistung der Spieler kritisieren. Umgekehrt müssen die Spieler akzeptieren, dass die Schiedsrichter eben auch nicht alles sehen können und nach bestem Gewissen handeln. Wer allerdings Schiedsrichter auf Bundesliga-Niveau haben will, muss eben auch Bundesliga spielen.“

Welche Tipps würdest Du einem jungen Schiedsrichter mit auf den Weg geben, um sich bei hitzigen Duellen zu behaupten und nicht die Lust zu verlieren?
„Junge Schiedsrichter sollten auf die erfahrenen zugehen und sich mit ihnen austauschen. Zudem sollte man sich stets weiterbilden. Grundsätzlich gilt aber: 'Learning by doing'. Man muss seine eigenen Erfahrungen machen und an ihnen wachsen. Die Rolle als Schiedsrichter kann einen persönlich ungemein weiter bringen. Man hat auf dem Platz Kontakt mit vielen unterschiedlichen Charakteren. Der Umgang mit all diesen Spielern kann das Selbstbewusstsein stärken und die eigene Persönlichkeit prägen. Zudem sollte man sich nie entmutigen lassen, auch wenn man mal ein hitziges Duell hinter sich hat.“  

Inwiefern beeinflusst eine harte Gangart Deine Art und Weise, das Spiel zu leiten?
„Gerade im Profibereich weiß man sehr viel von den Mannschaften. Wir bereiten uns intensiv auf jedes Spiel vor, studieren über DVDs taktische Marschrouten der Teams, um nicht überrascht zu werden. Am Ende gibt es aber keinen Masterplan. Wichtig ist, dass man ein Spiel nicht pfeift, sondern leitet. Man muss dem Spiel eine Richtung geben. Überdies haben wir sehr viele Lehrgänge mit allen Schiedsrichtern von der ersten bis dritten Liga. Wir machen Videoanalysen von allen kritischen Szenen eines Spieltags, befinden uns in einem ständigen Prozess der Selbstreflexion und Weiterbildung.“

Welche persönlichen Ziele hast Du Dir als Schiedsrichter noch gesetzt? Wann sehen wir Dich in der Bundesliga?
„Grundsätzlich bin ich sehr froh, den Sprung in den Profibereich geschafft zu haben. Es ist eine absolute Ehre zu besten 80 von rund 80.000 Schiedsrichtern in Deutschland zu gehören. Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe.“
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