28.01.2026 09:09

Interview


Jahresrückblick 2025: Wie der SC Börry nach Jahren der Abstinenz wieder lebt

Dirk Brockmann: „Martin Otto ist der Vater der Börrier Wiederauferstehung"
SCBoerryJubelDirkBrockmann
Jubel beim SC Börry. Der Dorfverein ist zurück.
Fast ein Jahrzehnt lang war es ruhig um den Herrenfußball in Börry. Seit dem vergangenen Jahr ist der SC Börry jedoch wieder fester Bestandteil des Spielbetriebs. Trainer Dirk Brockmann spricht im Interview über die emotionalen ersten Schritte der neu gegründeten Mannschaft, die Herausforderungen der Neugründung, den spürbaren Aufschwung im Dorfleben sowie darüber, welche Faktoren aus seiner Sicht entscheidend waren, um aus vielen Einzelspielern schnell ein funktionierendes Team zu formen.
Dirk Brockmann SC Boerry AWesA
Dirk Brockmann.
Dirk, nach einer fast zehnjährigen Abstinenz habt ihr es geschafft, in Börry wieder eine Herrenmannschaft aufzubauen. Wie hat sich dieser Moment für dich persönlich angefühlt, als feststand: Ihr habt wieder eine Herrenmannschaft?
Na ja, ich gebe zu, dass die erste Trainingseinheit auch für mich – trotz einiger höherklassiger Trainerstationen – sehr aufregend war. Im Vorfeld haben sich insbesondere Martin Otto, Jürgen Zinke und ich mehrmals getroffen und über die Umsetzung eines aktiven Spielbetriebs gesprochen. Dass dann alles so geklappt hat und uns so viele Menschen, wie zum Beispiel stellvertretend für alle Dieter Brockmann, unterstützt haben, ist großartig und macht uns ein wenig stolz. Ich gebe auch zu, dass ich am Anfang eine Bildergalerie brauchte, um die Namen aller Spieler zu lernen, und ihren Werdegang gegoogelt habe. Als wir dann unseren ersten Auftritt beim Gemeindepokal hatten, war auch ich von der Mannschaftsleistung und dem Zuspruch der Zuschauer sehr berührt.

Viele Dorfvereine kämpfen damit, überhaupt genug Spieler zusammenzubekommen. Was waren die größten Hürden auf dem Weg zur Neugründung, und wie habt ihr sie überwunden?
Auch der SC Börry hatte ja über zehn Jahre keine eigene Mannschaft mehr. Wir hatten das große Glück, dass eine neue Generation von Jugendspielern mit Börrier Wurzeln herangewachsen ist und eine neue fußballerische Heimat gesucht hat. Einige waren mit ihrer Rolle als junge Spieler in anderen Vereinen unzufrieden, andere wollten mit ihren Freunden zusammenspielen, und auch andere Fußballer hatten von dem neuen Projekt SC Börry gehört und waren neugierig. Diese Neugier führte dazu, dass in den Treffen eine gewisse Begeisterung für den SC entfacht werden konnte. Ganz wichtig dabei war auch, dass sich die Spieler aktiv an der Spielersuche beteiligt haben. Zum Erfolg führte außerdem, dass Martin Otto regelmäßige Treffen mit potenziellen Spielern organisiert hat. Zuerst waren nur sechs Spieler da, dann stieg die Zahl auf zwölf, und zum Schluss hatten uns 25 Spieler eine Zusage gegeben.

Ein Sportverein im Dorf sorgt für Zusammenhalt. Hat sich seit der Neugründung auch im Dorfleben von Börry etwas getan?
Börry ist wieder erwacht. Zu den Heim- und Auswärtsspielen pilgern Menschen, die auch ich über Jahre nicht mehr gesehen habe. Der Sportplatz ist wieder ein zentraler Treffpunkt geworden. Das Wunderbare ist, dass ganz viele Menschen teilnehmen – sei es bei der Platzpflege, beim Grillen zu den Spielen oder als „Kiebitz“ beim Training. Mittlerweile haben wir einen Fanclub mit dem Namen „Ostkurve“. Dieser sammelt für die Mannschaft kleine Spenden, und jeden Sonntag präsentieren sie ihren SC-Börry-Hoodie. Genau diese kleinen Puzzlesteine erhalten den Zusammenhalt im Verein und im Dorf.

Dorffußball lebt stark vom Umfeld. Wie hat die Gemeinde auf das Comeback reagiert, und welche Unterstützung hat dich vielleicht besonders überrascht?
Eigentlich hat die gesamte Gemeinde sehr positiv reagiert. Hajen/Latferde hat zum Beispiel Max Brockmann als Torjäger an uns verloren, und trotzdem hat der Verein uns zur Neugründung gratuliert – großen Respekt dafür! Aber auch Emmerthal und viele Mannschaften rund um Hameln haben sich sehr über die Neugründung gefreut. Wir bekommen sehr viele Anfragen zu Testspielen, und der eine oder andere könnte sich ein Sponsoring für den „kleinen SC Börry“ vorstellen.

Eine komplett neu gegründete Mannschaft hat oft eine besondere Energie, aber auch viel Chaos. Wie habt ihr es geschafft, aus Einzelspielern relativ schnell eine Einheit zu formen, die aktuell sogar auf Tabellenplatz drei steht?
Schwere Frage, aber letztendlich bin ich davon überzeugt, dass es die Mannschaft selbst gestalten muss – mit Unterstützung durch Impulse aus dem Trainerteam. Wir haben erfahrene Spieler, wir haben junge, talentierte Spieler und wir haben Spieler, die noch nie Punktspiele bestritten hatten. Du musst dem neuen Kader von Beginn an vertrauen, die erfahrenen Spieler müssen Verantwortung übernehmen, und die Unerfahrenen dürfen auch Fehler machen. Auch komplexe Trainingsinhalte waren zu Beginn tabu. Wichtig war es, dass einfache Trainingsformen dem Kader kleine Erfolge beschert haben und die Spieler für mehr motivierten. Aber eines bleibt – egal ob Kreisklasse oder Landesliga, das ist mir ganz wichtig: Positive Ausstrahlung und Engagement auf den Platz zu bringen, ist für mich elementar. Wenn dann die Mannschaft auch noch persönlich untereinander wächst, kann schnell eine Einheit entstehen. Auch die Definition kurzfristiger Ziele, wie das Erzielen von Standardtoren oder der erste Auswärtssieg, hat uns zusammenwachsen lassen. Ebenso hat unsere eigens erstellte Vereinshymne Identifikation geschaffen und alle miteinander im Verein verbunden.

Welche realistischen Ziele hast du für die Rückrunde?
Wir wollen uns 2026 weiter spielerisch und taktisch verbessern. Es gibt kein festes Saisonziel, aber mit der Mannschaft ist verabredet, dass wir möglichst 20 Punkte holen wollen – das könnte klappen. Des Weiteren wollen wir weiter junge Spieler einbauen, wie zum Beispiel ab April den 17-jährigen Lennart Wicke. Durch unser engagiertes Auftreten in den restlichen Spielen wollen wir zudem den einen oder anderen Neuzugang noch gewinnen.

Und zum Schluss: Was wünschst du dir für dieses Projekt in den nächsten zwei bis drei Jahren?
Eine neue Mannschaft aufzubauen ist relativ einfach, aber die Stabilität zu halten ist die große Herausforderung für die kommenden Jahre. Toll wäre es, wenn es einen so großen Kader gibt, dass neben einer ersten Mannschaft auch zumindest ein Siebener-Team an Punktspielen teilnehmen kann. Martin Otto ist der Vater der Börrier Wiederauferstehung. Ihm wünsche ich sehr, dass im Börrier Stadion weiterhin der emotionale Ball rollt.
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