12.01.2026 17:50
Interview - Jahresrückblick 2025
Jahresrückblick 2025: Zwischen Jugendförderung und Verbandsliga-Power
„Nur wer Spaß an seiner Aufgabe hat, macht sie gut und wird besser“

Trainer Stephan Birke (li.) und sein Team in bester Laune. Foto: privat.
Seit Mai letzten Jahres lenkt Stephan Birke die sportlichen Geschicke beim MTV Bad Pyrmont. Als erfahrener Volleyballer, der seine eigene aktive Laufbahn in der Regionalliga beendete, verantwortet er nun das Training der ersten und zweiten Damenmannschaft. Birkes Handschrift ist dabei bereits deutlich erkennbar: Mitten in einer Umbruchphase gelingt ihm der Spagat zwischen dem Leistungsanspruch der Verbandsliga und einer bemerkenswerten Nachwuchsförderung. Dass beim MTV bereits 13- und 14-jährige Talente wertvolle Spielanteile in der ersten Mannschaft sammeln, unterstreicht seinen mutigen Weg. Vor der anstehenden Rückrunde und den wichtigen Endrunden der Nordwestdeutschen Meisterschaften (NWDM) zieht Stephan eine Zwischenbilanz.
Stephan, bereits seit Mai hast Du das Training der ersten und zweiten Damenmannschaft beim MTV Bad Pyrmont übernommen. In einem Bericht unsererseits hast Du Dich damals wie folgt geäußert: „Ich habe eine sowohl menschlich als auch spielerisch leistungsfähige Mannschaft vorgefunden“. Was hat Dich am meisten an Deiner Mannschaft begeistert?
„Mein sehr früh gewonnener Eindruck hat sich absolut bestätigt. Man spürt einfach in jeder geführten Trainingseinheit einen großartigen Zusammenhalt unter den Spielerinnen beider Mannschaften, der sich durch eine stetig hohe Trainingsbeteiligung und einen tollen Teamgeist auszeichnet. Ich fühle mich oft in meine eigene Jugendspielzeit zurückversetzt, wenn ich sehe, dass gerade die jungen Spielerinnen nach ihrem Training eine zusätzliche Einheit bei der 1. Damen aus ihrer eigenmotivierten Begeisterung ranhängen und sich durch ihren Spaß am Volleyball und die daraus resultierenden Trainingserfolge zu einer festen Größe im Team der ersten Damenmannschaft der Verbandsliga entwickelt haben.“
Du erwähntest in diesem Bericht ebenfalls, dass Du vor allem die jungen Spielerinnen an das hohe Leistungsniveau heranführen möchtest und sie in das erfolgreiche Team der letzten Saison integrieren möchtest. Wie sehr ist Dir das bisher gelungen?
„Da wir über eine langjährige großartige Jugendarbeit im Verein verfügen, haben wir aufgrund der zeitweiligen Abgänge in der ersten Mannschaft aus der Not eine Tugend gemacht und gerade den deutlich jüngeren Spielerinnen die Möglichkeit bieten können, Spielpraxis in der Verbandsliga neben erfahrenen Spielerinnen zu sammeln, was neben dem gemeinsamen Training mit der ersten Mannschaft für die individuelle Entwicklung der jungen Spielerinnen einen sehr hohen essenziellen Wert hat. Wir können darauf sehr stolz sein, dass wir in der komfortablen Situation sind, Ausfälle ohne große Leistungsabbrüche durch Jugendspielerinnen kompensieren zu können. Die Spielerinnen kennen sich alle von den Trainings und fügen sich mittlerweile sehr gut in das Spielsystem der Verbandsligamannschaft ein. Die gute Jugendarbeit findet sich nicht zuletzt auch in der im Januar stattfindenden Endrunde der Nordwestdeutschen Meisterschaften wieder, bei denen unsere Jugend für U20, 18, 16, 14 und 13 in der Endrunde vertreten ist.“
Du hast als Spieler Deine Laufbahn in der Regionalliga beendet. Welche Erfahrungen aus der Zeit als Spieler nimmst Du in das Trainerdasein mit?
„Ich denke, das Momentum richtig zu bewerten. Auch wenn Spiele mal verloren gehen, den Blick für das große Ganze im Sinne der Entwicklung einzelner Spielerinnen und der Mannschaft nicht zu verlieren. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir aufgrund mehrerer Abgänge einen stark dezimierten Kader von erfahrenen Spielerinnen aus der Verbandsliga haben. Somit sehe ich die Entwicklung in Summe doch sehr positiv und habe hierzu viele Einzelgespräche besonders mit den jungen Spielerinnen geführt, um das persönliche Vertrauen in sich selbst zu stärken und Trainingserfolge durch Ablegen der Nervosität an Punktspieltagen auch abrufen zu können. Klar ist das Spielsystem und die Geschwindigkeit gerade für die jüngeren Spielerinnen in der Verbandsliga viel schneller, aber hier spielt in deren Entwicklung gerade die Erfahrung der älteren Spielerinnen eine große Rolle. Das Abschauen und Lernen von Besseren auf dem Platz ist ein sehr wichtiger Bestandteil für die Entwicklung neuer eigener Fähigkeiten, was auch ich früher als Spieler für mich sehr beherzigt habe.“
In der Tabelle steht ihr aktuell auf dem sechsten Tabellenplatz. Wie fällt Dein Saisonfazit bis hierhin aus?
„In der Verbandsliga haben wir derzeit die Situation, dass gefühlt jeder jeden schlagen kann. Wir haben gerade im letzten Heimspieltag zwei unglückliche Niederlagen kassiert, die wir von unseren Möglichkeiten her auch anders hätten bestreiten können, ja vielleicht sogar müssen. Aber auch hier zeigte sich bei den Spielerinnen schnell eine sehr positive Reaktion. Die Unzufriedenheit nach der Niederlage wurde durch eine positive Trainingsleistung unter der Woche sofort wieder wettgemacht und der Blick nach vorne auf den nächsten Spieltag gelegt. Ich bin überzeugt, dass wir mittelfristig und vor allem in der Rückrunde oben mitspielen werden, zumal einige erfahrene Spielerinnen aus ihrer Elternzeit in den Kader zurückkehren werden.“
An welchen Stellschrauben muss in den kommenden Spielen gedreht werden, um in der Tabelle weiter nach oben zu klettern?
„Von den spielerischen Inhalten her haben wir uns im letzten Spiel insbesondere in der Annahme und Feldabwehr deutlich steigern können, was uns ermöglicht hat, unser eigenes Spiel besser zu eröffnen. Zusätzlich hatten wir im Training den Fokus auf die Abstimmung einzelner Spielerpärchen gelegt, da das Einspielen in einer festen Mannschaftsformation sich weiterhin als schwierig gestaltet, da durch den nötigen Einsatz unterklassiger Spielerinnen und deren eigenem Spielbetrieb Umstellungen am Spieltag oft unvermeidbar sind. In den nächsten Spielen wird es wieder darauf ankommen, sich als geschlossene Einheit zu präsentieren und somit die nächsten Spiele positiv zu gestalten, zumal der Trainingseinsatz mir dies deutlich bestätigt.“
Was ist Dein langfristiges Ziel mit Deiner Mannschaft?
„Wir werden nächstes Jahr wieder eine zweite Mannschaft in der Landesliga haben und somit von der Spielpraxis aller Spielerinnen wieder näher an der Verbandsliga sein. Ich bin davon überzeugt, dass wir individuell und als Team auf dem richtigen Weg sind und mit dem Fokus auf die erste Mannschaft in der Verbandsliga eine sehr gute Rolle spielen werden.“
Abschließend: Was macht Dir an Deiner aktuellen Trainerstation beim MTV Bad Pyrmont am meisten Spaß?
„Die Mädels in ihrer Entwicklung zu unterstützen und zu begleiten. Dabei muss der Spaß immer im Vordergrund stehen, denn das sage ich auch meinen eigenen Kindern: ‚Nur wer Spaß an seiner Aufgabe hat, macht sie gut und wird besser‘.“
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