09.01.2026 09:54
Interview
Jahresrückblick 2025: „Auffangbecken“ VfBHW und die Symbiose mit Platz zwei
„Hier treffen sie auf Spieler, die seit Jahrzehnten einerseits sportlich aktiv sind und andererseits noch wissen, dass Mannschaftssport eine Teamsache ist"

Das Team des VfBHW Hameln. Von links: Bennit Müller, Benedikt Kirchner, Lars Dörbaum, Stefan Müller, Ron Fischer, André Guddack, Yannis Elmers (nicht im Bild: Michael Knoop, Jonathan Hennig, Aleksandar Popovic). Foto: privat.
Das Thema Landesliga ist Geschichte beim VfBHW Hameln. Die mittlerweile gar nicht mehr so „alten Hasen“ aus Hameln durften im Sommer als Zweitplatzierter im Nachrückverfahren nach mehreren gescheiterten Versuchen doch in die Verbandsliga aufzusteigen – und unterstrichen mit der vierten Vizemeisterschaft in Folge wieder einmal, wofür das „V“ im eigenen Namen steht. Und die Geschichte scheint kein Ende nehmen zu wollen: auch in der neuen Liga steht das Team um Trainer André Guddack schon wieder auf dem zweiten Platz. Im Interview spricht Routinier Stefan Müller über die Gründe des Erfolgs, jungen Zuwachs und persönliche Zukunftspläne.
Stefan, Ihr seid die letzte Saison nach mehreren gescheiterten Versuchen in die Verbandsliga aufgestiegen. Was war der emotionale Höhepunkt dieses Weges und was hat die Mannschaft besonders stark gemacht?
„Emotionale Höhepunkte gab es sowohl in die eine als auch in die andere Richtung: Tiefpunkt waren ganz sicher die zu Recht vergeigten Spiele in Göttingen. Der ASC meldet - ebenso wie wir - in diesen Ligen immer Mannschaften, die gespickt sind von älteren und sehr erfahrenen Spielern, die schon seit Jahrzehnten im Geschäft sind und von denen der Großteil früher in ganz anderen Ligasphären unterwegs gewesen ist. Dazu kommen wegen der Uni immer einige Studenten, die man in Hameln in dem Umfang nun mal nicht hat. Daraus folgt auch immer, dass die Teams in jeder Saison neue Gesichter haben, die man nicht kennt und auf deren Spielweise man sich neu einstellen muss. Das macht den ASC immer zu einer unberechenbaren Wundertüte, vor allem im ersten Aufeinandertreffen einer Spielzeit. Daraus folgten in Göttingen ziemlich deprimierende Auswärtsauftritte, die uns letztlich auch die Meisterschaft gekostet haben.
Dagegen waren die beiden Siege gegen den TC I natürlich die Highlights. Für mich einerseits, weil mein Sohn Bennit zu dem Zeitpunkt auf der anderen Netzseite gestanden hat und wir zum ersten Mal in der 'Halle West' aufeinandertrafen. Wie das gesamte TC-Team ist er äußerst talentiert, jung, dynamisch und hat Spaß am Volleyball. Zudem spielen beim TC sehr viele meiner aktuellen und ehemaligen Schüler, die zu dem Zeitpunkt auch durch mich auf das seinerzeit bevorstehende Abi 2025 vorbereitet wurden. An dem Tag waren wir sicheren Glaubens beim TC angereist, maximal einen Satz gewinnen zu können und sind entsprechend ohne Erfolgserwartungen frei in das Spiel gegangen. Physisch war das Team uns um Meilen im Vorteil. Die Physis hat ihnen aber einen Streich gespielt und so sind wir mit einem glatten 3:0-Sieg aus der Halle. Die Niederlage steckte dem TC im Rückspiel noch merklich in den Knochen und so konnten sie zwar einen Satz gewinnen, hatten aber erneut mit 1:3 das Nachsehen. Andererseits sind Stadtderbys immer emotional aufgeladen.”
Nach dem Aufstieg stehst Du mit deinem Team auf dem zweiten Tabellenplatz. Wo liegen die größten spielerischen Unterschiede zwischen der alten und der neuen Liga und wie konntet Ihr Euch so gut anpassen?
„Das Spiel in der höheren Spielklasse zeichnet sich durch mehr Präzision, eine höhere Dynamik und mehr Variabilität aus. Eindrucksvoll haben das bislang die Schaumburger unter Beweis gestellt, wo wir beim 0:3 nicht den Hauch einer Chance auf einen Satzgewinn hatten. Du meinst dich mal durch zwei Punkte in Folge rankämpfen zu können oder bist in dem Glauben, bei maximalem Einsatz mithalten zu können, und dann kommt eine Staffel über die Mitte, mit der unser Team nicht rechnet. Anschließend sieht man sich einem Aufschlag konfrontiert, den in der Landesliga keiner spielen kann: schon ist die Bilanz 2:6 und das Fünkchen Hoffnung quasi mit beiden Füßen ausgetreten. Die Tabelle zeigt aber, dass dieses Team hiermit ein Alleinstellungsmerkmal hat.
Ansonsten ist besonders das Mittelfeld sehr ausgeglichen. Nur der TuS Vahrenwald und der TK Hannover III werden massive Probleme bekommen und den Abstieg unter sich ausmachen. Insofern werden wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Das ist aber auch deshalb der Fall, weil wir mit Bennit, Jonathan, Benedikt und Jannik vier menschlich und sportlich tolle Neue bekommen haben, die uns auf zentralen Positionen wie dem Zuspiel verstärken. Zusätzlich sind wir bislang von Krankheit und Verletzung weitgehend verschont geblieben. Das kann sich aber immer schnell ändern. Diese Punkte haben dazu geführt, dass wir uns in die Liga gut reinfinden konnten. Und wer vier Mal am Stück Vizemeister ist, sollte auch irgendwann den Schritt in die nächsthöhere Liga machen.”
Ist der aktuelle dritte Tabellenplatz für Dich eine positive Überraschung oder war es von Anfang an das Ziel, in der oberen Hälfte mitzuspielen?
„Meins und das Ziel des gesamten Teams war, mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Angesichts unseres bereits vorhandenen Potenzials und der zusätzlichen oben genannten Verstärkungen haben wir die Plätze drei bis fünf im Visier.“
Eine Liga höher erwarten Eine Mannschaft natürlich auch schwierigere Gegner. Da spielt dann auch das Training eine entscheidende Rolle. Inwiefern musstet Ihr Euch als Team dieser stärkeren Konkurrenz anpassen?
„Das Training ist von Beginn an intensiver in Bezug auf die konditionellen Fähigkeiten und stärker auf Gruppentaktik ausgerichtet. Auch wenn wir noch weit vom Profisport entfernt sind, spielen technische Aspekte nur noch eine untergeordnete Rolle. Stattdessen legt André (André Guddack, Trainer VfBHW; Anm.d.Red.) häufig in Bezug auf die Konzentration und die Koordination in hochintensiven Belastungsphasen viel Wert, um in entscheidenden Spielphasen nicht 'einzubrechen'.“
Mittlerweile habt Ihr auch eine zweite Herrenmannschaft. Hältst Du diesen leistungstechnischen wie mitlgliederbezogenen Aufschwung für eine dauerhafte Entwicklung?
„Seit Jahren ist die Volleyballsparte des VfBHW eine Art 'Auffangbecken' für Spieler, die viel Erfahrung zum Teil auch aus anderen Bundesländern mitbringen und beruflich bedingt nach Hameln gekommen sind. Hier treffen sie auf Spieler, die seit Jahrzehnten einerseits sportlich aktiv sind und andererseits noch wissen, dass Mannschaftssport eine Teamsache ist. Jeder ist Teil des Ganzen, muss Aufgaben übernehmen und tut dies auch bereitwillig, hat Lust auf damit verbundene soziale Kontakte und versteht den Sport als gemeinsame Sache. Wir sind – abgesehen von wenigen Ausnahmen – keine Besucher von Fitnessstudios, in denen das Soziale sekundär ist. Vielleicht wäre es für den einen oder anderen BMI nicht schlecht, aber noch geht es auch so (lacht). Das zeichnet die Sparte und die Mannschaften aus und macht sie stark. Der Erfolg der letzten Jahre und das Wagnis 'Aufstieg' sorgen automatisch für höhere Präsenz in den Medien und der Öffentlichkeit – selbst bei einer Randsportart – und zieht dann auch immer neue Spieler unterschiedlicher Niveaus an. Entsprechend war das Melden eines zweiten Teams zwangsläufig, weil auch nicht alle Lust hatten, in die Verbandsliga zu gehen und dort keine Aussicht auf Spielzeiten zu haben.“
Abschließend: Wie sehen die Zukunftspläne für Dich und den VfBHW Hameln aus?
„Interessant wäre der Versuch, Jugendarbeit aufzunehmen und hierdurch für Nachwuchs zu sorgen. Dafür bräuchte es aber mehr als eine Person, die für das Training und die Betreuung von Jugendteams bereit wäre. Weil beruflich bedingt ohnehin mehr als genug Kontakte zu Jugendlichen habe, ist das mittelfristig eine Option für mich.“
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