21.09.2022 16:59

Interview


Nach Berlin-Sensation der KGS: Erfolgscoach Müller im Interview

Sportlehrer Marius Müller sieht Schulsport als Anreiz für eine gesunde Lebensführung
Sie sind die Meister der Herzen und haben uns in den vergangenen Tagen voller Spannung mitfiebern lassen: die Mädchen und Jungs des Beachvolley-Teams der KGS Salzhemmendorf. Nach dem sensationellen Gewinn des Landestitels waren die Schülerinnen und Schüler unter der Leitung des Trainergespanns Marius Müller und Daniel Baße in der vergangenen Woche beim Bundesfinale von „Jugend trainiert für Olympia“ in Berlin unterwegs. Als eines der 16 besten Teams Deutschlands begeisterten die Hameln-Pyrmonter in der Hauptstadt nicht nur die heimischen Fans und sicherten sich letztendlich einen famosen neunten Platz. Wir haben uns mit dem Lehrer und Trainer der Gruppe, Marius Müller, über die Gründe für den Erfolg, den Sportbereich der KGS und die Erlebnisse der vergangenen Tage unterhalten.


Einer der Väter des Erfolgs: KGS-Sportlehrer & Volleyballtrainer Marius Müller.
Marius, erst einmal Gratulation zu Eurer grandiosen Leistung in der Bundeshauptstadt. Im Rahmen des Berlin-Tagebuchs hast Du uns bereits an Eurer emotionalen Reise teilhaben lassen. Wie sieht Deine Gefühlslage mittlerweile und mit ein paar Tagen Abstand zum Erlebten aus?
Marius Müller: „Vielen Dank! Man ist natürlich mittlerweile wieder im schulischen Alltag angekommen. Das Erlebnis ist bei mir im Kopf aber immer noch unheimlich stark präsent und ich denke, das wird auch noch eine Zeit lang so bleiben. Die Zeit, die wir gemeinsam dort verbracht haben, ist zum Großteil mit starken Emotionen verknüpft, die nur durch unser positives Zusammenwirken als Gruppe entstehen konnten.“

Auf dem Weg in die Top-Ten habt Ihr Euch in teils spektakulären Sätzen gegen Schulen aus der Großstadt durchgesetzt. Was sind – Deiner Meinung nach – die entscheidenden Gründe für Euren Erfolg?
„Ein Hauptgrund ist natürlich erst einmal, dass wir wirklich starke BeacherInnen in unseren Reihen haben. Finja Ziegenmeyer und Bennet Pommerening bekommen in diesem Bereich eine leistungsorientierte Förderung. Maja Mügge, Janina Pereira und Carolin Klein trainiere ich selbst im Verein bei Blau-Weiß Salzhemmendorf, gemeinsam mit Anna Dehmann und Henning Beinert. Tiago Rehberg, Niklas Meyer und Finn Steinberg bringen zwar zum Teil nicht diesen Background mit, trotzdem haben sie sich in Berlin zu einem unverzichtbaren Teil des Teams entwickelt. Diese sportliche Mischung war in Berlin einzigartig! Hinzu kommt, dass alle auch charakterlich absolute Teamplayer sind und ihr eigenes Ego nie über den Erfolg der Mannschaft stellen würden.“

Aus Deinen Tagebucheinträgen lässt sich an vielerlei Stellen herauslesen, dass die Gemeinschaft im Team und das soziale Miteinander von besonderer Bedeutung gewesen sind. Inwiefern hat sich das auf Eurer Reise bemerkbar gemacht?
„Zuallererst natürlich wieder im sportlichen Bereich. Dadurch, dass bei diesem Wettbewerb eine Begegnung aus drei parallel verlaufenden Einzelspielen besteht, konnten mein Kollege Daniel Baße und ich natürlich nicht überall gleichzeitig das Coaching übernehmen, sondern mussten taktische Schwerpunkte setzen, um mindestens zwei der drei Spiele für uns zu entscheiden. Alle SpielerInnen haben das immer sofort verstanden und sich in den Dienst des Teams gestellt. War ein Spiel vorbei, wurden unsere SpielerInnen auf den anderen Feldern angefeuert, dabei war es egal, ob man selber zuvor sein Spiel verloren oder gewonnen hatte. Diese Selbstverständlichkeit hat uns als Betreuer sehr beeindruckt. Auch abseits des Sport, z.B. beim abendlichen Erkunden von Berlin, haben wir alles gemeinsam unternommen. Auch, wenn wir als Lehrkräfte natürlich in einer anderen Rolle dabei waren als die SchülerInnen, waren wir für sie von Anfang an genau so Teil des Teams wie sie selbst.“
Als „kleine Dorfschule“ – wie einige es betiteln – habt Ihr Euch von über 30.000 Einrichtungen aus ganz Deutschland den neunten Platz im Endklassement gesichert und dabei etliche große und sportelitäre Schulen hinter Euch gelassen. Was sagt das auch über die KGS Salzhemmendorf und ihren Fachbereich Sport aus?
„Der Fachbereich Sport ist in Salzhemmendorf hervorragend ausgestattet. Die zwei Beachplätze auf dem Schulgelände bieten optimale Trainingsvoraussetzungen. Mein Kollege, Daniel Baße, bietet in diesem Schuljahr eine AG für Volleyball und Beachvolleyball an, die sich bereits jetzt großer Beliebtheit erfreut. Generell ist die Fachbereichleitung immer offen für neue Ideen oder Projekte, die wir hier gemeinsam auf die Beine stellen können.“

Sportförderung ist ein ganz wichtiges Thema in Deutschland. In vielen Sparten geht die Anzahl an Sportlern bergab, immer mehr Vereine und Mannschaften müssen dem Spielbetrieb den Rücken zuwenden. Worauf legt Ihr im Schulsportbereich besonderen Wert?
„Da sprichst du tatsächlich etwas an, zu dem der Schulsport einen großen Teil beitragen kann: Unser pädagogisches Kernanliegen ist es, die SchülerInnen zum außerschulischen Sporttreiben zu motivieren. Sie sollen so Sport langfristig als Bestandteil einer gesunden Lebensführung auffassen und dafür bieten wir ihnen im Schulsport eine Vielzahl an Sportarten und Bewegungsmöglichkeiten an. Ein besonderes Aushängeschild unserer Schule sind dabei vor allem auch die vielfältigen Trendsportangebote und besonderen Ausstattungen wie Air-Track, Bassalo, Headis, Kin-Ball, Tabton etc., die wir den SchülerInnen abseits des 'normalen' Sportkanons hier anbieten können. Für jeden ist damit etwas dabei!“


Noch eine Frage zu Dir persönlich: Warum hast Du Dich ausgerechnet für den Volleyball, bzw. Beachvolleyball entschieden? Immerhin ist Salzhemmendorf ja auch für andere prominente Ballsportarten bekannt…
„Also von meiner Profifußballkarriere musste ich mich mit neun Jahren mangels Talent schon früh verabschieden (lacht). Aber im Ernst: Ich habe dann ein Jahr später bei Henning Beinert, Salzhemmendorfer Volleyball-Urgestein und Gründer der Sparte, zum ersten Mal diese Sportart mit ein paar Freunden ausprobiert. Mich hat ziemlich schnell beeindruckt, dass es etwas ist, was nicht jeder sofort irgendwie kann, sondern etwas, wofür es sich zu üben lohnt. Ich wollte mich dafür richtig reinhängen und wurde dann auch immer wieder mit kleinen Erfolgen belohnt. Ich bin dabei geblieben und habe mich in dem Volleyball verliebt! Halle und Beach gleichermaßen...“
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Autor des Artikels

Robin Besser
Robin Besser
Robin kam am 01. August 2022 als fester Neuzugang ins Team AWesA, war zuvor als freier Mitarbeiter aktiv. Sein Herz schlägt für den Lokalsport und die Vereine im Weserbergland.
Telefon: 05155 / 2819-320
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