21.01.2022 08:07

Interview


Erstes AWesA-Interview – Paderborn-Profi Platte in der Form seines Lebens

„Meine Freunde wissen das und ich hoffe, dass sie auf mich warten, damit wir noch zusammenspielen können. Ob es dann bei der Herren oder den Alten Herren sein wird, werden wir sehen (lacht).“

Felix Platte. Quelle: www.scp07.de.
Das Pech war sein stetiger Begleiter: Felix Plattes Profikarriere begann mit einem Lattenkracher in der Champions League gegen Real Madrid. In den folgenden Jahren bremste den Sabbenhausener eine längere Verletzung nach der anderen aus. Über seinen Verein FC Schalke, mit dem er Deutscher Juniorenmeister wurde, landete Platte auf Leihbasis beim SV Darmstadt. Dort überzeugte der 1,90 Meter-Hüne, wurde jedoch nach wie vor ständig von Verletzungen ausgebremst. Dennoch kauften die Darmstädter ihn für eine Ablöse von rund 800.000 Euro. Nach vier Jahren, im Sommer 2021, folgte schließlich der Wechsel zum SC Paderborn 07. Bereits in seiner Jugend spielte er für die Westfalen – und befindet sich dort aktuell in der Form seines Lebens. Treffsicher, teamdienlich, endlich über einen längeren Zeitraum gesund. Im Interview spricht Platte über die Gründe seiner gesundheitlichen Stabilität, seine bisherige Karriere und seine Altherrenkarriere in Sabbenhausen.

Felix, geht es nach Deinen Torbeteiligungen, hast Du nach knapp der Hälfte der Saison bereits alle bisherigen Spielzeiten in den Schatten gestellt – elf Scorer in 14 Spielen. Erst am vergangenen Wochenende hast Du per Kopf zum 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg getroffen. Was läuft in dieser Spielzeit besser als in den vorherigen Jahren?

Felix Platte: „Der wichtigste Aspekt ist sicherlich meine Gesundheit, die ich gemeinsam mit dem Verein gut in den Griff bekommen habe. Der Verein steuert das alles sehr gut, ich werde optimal betreut. Und dann ist für einen Spieler natürlich sehr wichtig, dass er das Vertrauen des Trainers spürt und viel Spielzeit erhält. Das ist hier absolut der Fall – das tut mir richtig gut.“

Die Rückkehr zu Deinem Jugendverein SC Paderborn 07 und Deine, trotz zwischenzeitlicher Verletzung, starke Form lassen Deinen Wechsel wie einen in sich geschlossenen Kreis wirken. Was hat dieser Wechsel für eine persönliche Bedeutung für Dich?
„Als ich gehört habe, dass der SC Paderborn 07 bei meinem Berater angerufen hat, war die Freude riesengroß. Mir war direkt klar, wo die Reise hingeht (lacht). Hier habe ich in der Jugend gespielt, ich war Balljunge im Stadion, kenne den Verein sehr gut und meine Heimat ist direkt in der Nähe. Das sind alles Argumente, die es mir als Spieler sehr einfach machen.“
Du hast es bereits angesprochen: Deine Verletzungen waren – leider – stets ein treuer Karrierebegleiter. Während Deine ehemaligen Schalker Jugend-Mitspieler Leroy Sané und Thilo Kehrer sich nach ganz oben gearbeitet haben, musstest Du oft aus dem Krankenbett zuschauen. Was haben diese vielen Verletzungen mit Dir gemacht?
„Das war schon nicht einfach. Als Profisportler ist einem natürlich jederzeit bewusst, dass Verletzungen ein dauerhaftes Berufsrisiko sind, gerade im muskulären Bereich. Ich war leider sehr häufig verletzt. In diesen schwierigen Zeiten ist die Unterstützung aus dem privaten Umfeld wichtig. Meine Eltern, meine Freundin und Freunde haben mich immer motiviert und selbst die Fans pushen mich. Als ich noch in Darmstadt gespielt habe, habe ich beispielsweise unzählige Nachrichten bekommen. Das macht einem Hoffnung. Man will sich umso mehr aus den Tiefen heraus kämpfen und die Gründe für die Verletzungen herausfinden, um künftig besser vorzubeugen. Mit diesem Wissen stellt man vieles um, damit man einfach robuster wird.“

Bei einem Medizinstudium nach der Karriere hättest Du wahrscheinlich einen deutlichen Wissensvorsprung...
„Das könnte durchaus sein (lacht). Nein, natürlich gehört zu so einem Studium noch viel mehr dazu.“

Aktuell belegt Ihr in der 2. Bundesliga „nur“ den achten Platz. Doch der Schein trügt: Der Abstand zum Relegationsrang beträgt nur drei Punkte, zum zweiten Aufstiegsplatz sind es sechs. Seit Jahren ist die zweite Liga selbst für ehemalige Bundesliga-Größen wie den Hamburger SV ein riesiger Stolperstein, gefühlt spielt jedes Jahr die Hälfte der Liga um den Aufstieg. Was macht diese Liga aus Deiner Sicht so schwierig einschätzbar?
„Es gibt einfach viele gleichwertige Mannschaften. Hier schenkt sich niemand etwas, alle geben in jedem Spiel 100 Prozent. Wenn es ein paar Prozentpunkte weniger sind, gibt es gleich einen Rückschlag. Für die großen Vereine ist die 2. Bundesliga daher ein schwieriges Pflaster, weil die Motivation der vermeintlichen Kleinen groß ist, beispielsweise dem Hamburger SV oder Werder Bremen ein Bein zu stellen. Hier kann jeder jeden schlagen, das beweist die Liga jedes Jahr aufs Neue.“

Was braucht es, damit Paderborn möglicherweise in der kommenden Saison wieder gegen den FC Bayern & Co. spielt?
„Es würde uns gut tun, wenn wir sportliche Konstanz zeigen. Wir wollen einen gute Rolle spielen und die Großen ärgern. Aber der Aufstieg ist nicht unser erklärtes Ziel. Wenn uns das gut gelingt, schauen wir, was tabellarisch dabei herauskommt.“

Schauen wir weiter zurück: Du bist in Sabbenhausen aufgewachsen, hast dort Deine ersten sportlichen Schritte gemacht und einige Deiner Jugendfreunde spielen nach wie vor dort. Inwieweit verfolgst Du noch die sportliche Entwicklung Deines ersten Jugendvereins?
„Ich verfolge das alles immer noch sehr intensiv. Mit vielen Spielern, die aktuell für die SG Sabbenhausen-Elbrinxen-Falkenhagen im Einsatz sind, habe ich noch Kontakt. Viele Menschen aus dem Dorf kenne ich gut. Da ich jetzt wieder in der Nähe bin, sehe ich alle auch wieder häufiger und gucke mir sehr gerne die Spiele an. Man spürt die Unterstützung durch den Freundeskreis viel intensiver. Im umgekehrten Sinne versuche ich natürlich auch, meine Freunde bei ihrem Sport so gut es geht zu unterstützen.“

Wenn es zum lockeren Kick mit Deinen Jungs in der Wörmkearena kommt: Wer gibt wem mehr Tipps – Du Deinen Freunden oder Deine Freunde Dir?
„Ich glaube, ich muss mir da mehr anhören (lacht). Meine Kumpels haben einfach mehr Spielmaterial von mir, das sie kritisch beäugen können als umgekehrt. Aber natürlich dürfen sie sich auch was von mir anhören, das ergänzt sich schon ganz gut (lacht).“

Du giltst nach wie vor als sehr heimatverbunden. Da muss doch ein Ausklingen der Karriere in Sabbenhausen eine ernsthafte Option sein?
„Das ist natürlich noch einige Jahre hin. Aber es ist auf jeden Fall eine Option. Meine Freunde wissen das und ich hoffe, dass sie auf mich warten, damit wir noch zusammenspielen können. Ob es dann bei der Herren oder den Alten Herren sein wird, werden wir sehen (lacht).“
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Autor des Artikels

Jannik Schröder
Jannik Schröder
Jannik stieg nach seinem Praktikum vor einigen Jahren neben dem Studium als Freier Mitarbeiter bei AWesA ins Boot – und ist nach seinem Master-Abschluss in Germanistik und Geschichte seit Oktober 2015 Chefredakteur.
Telefon: 0152 / 33755845
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