29.09.2021 12:49

Interview


AWesA-Experte & Handball-Legende Siegesmund im Interview

„Es wird eine bombige Stimmung herrschen – darauf freue ich mich ganz besonders“

Marc Siegesmund wird das Derby des VfL Hameln gegen Stadtoldendorf im AWesA-Livestream als Experte bereichern.


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Wenn der Name Marc Siegesmund in Hameln fällt, kommen bei den langjährigen VfL-Fans Erinnerungen an die ganz großen Glanzzeiten ins Gedächtnis: Vizemeister in der ersten Liga, Europapokal-Finale – der ehemalige Außen- und Rückraumspieler war nicht nur dabei, sondern prägte die erfolgreichen Jahre als Leistungsträger mit. Von 1993 bis 2001 ging er mit dem VfL durch dick und dünn, ehe er seine Karriere bei der TSG Emmerthal in der Oberliga ausklingen ließ. Jahre später war Siegesmund überdies Jugendtrainer beim Aushängeschild des Handballs in Hameln-Pyrmont, ehe es ihn in die Herren-Oberliga zum MTV Großenheidorn verschlug. Nunmehr als Ligakonkurrent der „Rattenfänger“, feierte Siegesmund den sensationellen Aufstieg in die 3. Liga. Doch halten konnte der MTV die Klasse aufgrund des riesigen sportlichen Sprunges und eines kleinen Etats nicht. Mittlerweile genießt Siegesmund das Leben größtenteils ohne Handball. Als AWesA-Experte kommentierte er zuletzt mit Timo Schnorfeil den Oberliga-Auftakt des VfL Hameln gegen den MTV Vorsfelde in der Live-Übertragung. Am kommenden Wochenende wird er den ZuschauerInnen ebenfalls einen tiefen Einblick in alle Facetten des Spiels geben, wenn die Hamelner im mit Spannung erwarteten Derby den TV 1887 Stadtoldendorf am Eintrachtweg empfangen (Anpfiff: 19 Uhr, Übertragungsbeginn 18.40 Uhr). Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Marc, was ist dem VfL Hameln in dieser Saison zuzutrauen?
„Das ist noch schwierig zu sagen, es sind ja erst zwei Spiele gespielt. Eine grobe Richtung kann man nach ungefähr fünf Spieltagen sehen. Trotzdem machen die beiden Siege zum Auftakt natürlich Hoffnung, dass die Hamelner eine gute Rolle spielen werden. Stadtoldendorf hat im Gegensatz dazu 1:3 Punkte geholt. In Fallersleben kannst du verlieren, keine Frage. Doch gegen Barsinghausen scheinen sie sich schwer getan zu haben, größtenteils lagen sie zurück und sind erst in der Schlussphase gleichgezogen.“

Wie positiv – oder negativ – blickst Du in die Zukunft des Hamelner Handballs?
„Die entscheidende Herausforderung ist der demografische Wandel. Natürlich haben auch andere Vereine damit zu kämpfen, aber der VfL eben auch und in Stadtoldendorf ist es noch extremer. Es ist unheimlich schwierig, gute Spieler in die Region zu bekommen, die auch über die entsprechende Qualität verfügen. In diesem Rahmen spielt auch Geld eine Rolle. Wenn es einen großen Sponsor gäbe, könnte man in Hameln den Teufel tanzen lassen – aber es gibt keinen. Deshalb muss es zwangsläufig über die eigene Jugendarbeit gehen. Das ist allerdings ebenfalls nicht einfach und von vielen Faktoren abhängig, die über den Sport hinaus gehen. In einem Jahrgang hast du vielleicht zwei Spieler, die die nötige Qualität haben, in der Oberliga Fuß zu fassen. Nur stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie planen die Talente ihre berufliche Zukunft? Viele studieren in der Ferne, andere verlassen nach der Ausbildung die Region – dann sind wir wieder beim Thema Demografie.“

Du hast die ganz großen Zeiten in Hameln erlebt: Bundesliga und Europapokal. Eine Rückkehr zu diesen Zeiten scheint ausgeschlossen...
„Das muss man leider so sagen. Es gehört unglaublich viel dazu, richtig hochklassigen Handball anzubieten. In den Vereinsstrukturen muss extrem viel ausgebaut werden, der Verein an sich muss viel größer werden. Die Wirtschaft muss in einem großen Rahmen hinter dem Verein stehen. Um diese Voraussetzungen zu schaffen, ist Hameln einfach zu klein. Das soll überhaupt nicht heißen, dass die Leute im Verein schlechte Arbeit leisten. Die Voraussetzungen sind schlichtweg nicht mehr da. Ich habe es ja selbst mit Großenheidorn erlebt: Der Sprung von der Oberliga in die 3. Liga ist gewaltig. Es wird schlagartig extrem teuer und wenn du dann noch die Liga halten willst, brauchst du zwangsläufig neue Spieler, die noch teurer sind.“

Richten wir den Blick nach Stadtoldendorf: Wie bewertest Du die Arbeit, die der ehemalige VfLer Dominik Niemeyer als Trainer dort leistet?
„Er leistet dort sehr gute Arbeit, ist sehr engagiert. Dominik hat keinen leichten Job in Stadtoldendorf. Aus den bereits genannten Gründen hat er auf wichtigen Positionen große Fluktuation, muss das System in regelmäßigen Abständen auf die sich ändernden personellen Situationen ausrichten. Das macht es sehr schwierig, die Mannschaft einzuspielen. Je länger Stadtoldendorf zusammenspielt, desto besser werden sie auch.“

Aktuell bist in keiner Funktion bei einem Handballverein tätig. Was liegt dem zugrunde?
„Das stimmt, seit Großenheidorn habe ich keine Traineraufgabe mehr gehabt. Wenn etwas Interessantes kommt, denke ich darüber nach. Allerdings ist es nicht so, dass es in mir einen inneren Zwang gibt, ständig als Trainer oder in anderen Funktionen aktiv zu sein. Aktuell genieße ich das Leben außerhalb des Handballs. Ich muss es nicht erzwingen.“

Abschließend: Wie geht das Derby am Samstag aus?
„Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Halle im Rahmen der Corona-Regeln ausverkauft sein wird. Es wird also eine bombige Stimmung herrschen – darauf freue ich mich ganz besonders. Aufgrund der ersten Spiele und meines Gefühls glaube ich, dass Hameln knapp gewinnt. Ich lasse mich aber auch gerne eines Besseren belehren und freue mich einfach drauf.“
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Autor des Artikels

Jannik Schröder
Jannik stieg nach seinem Praktikum vor einigen Jahren neben dem Studium als Freier Mitarbeiter bei AWesA ins Boot – und ist nach seinem Master-Abschluss in Germanistik und Geschichte seit Oktober 2015 Chefredakteur.
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