11.04.2020 09:42

Interview


Das große Oster-Interview: Söchting skizziert aktuelle Lage

„Ehrlich gesagt: Ich würde die Saison abbrechen" / Kris-Lennart Müller hört am Saisonende als Coach auf

Das JSG-Trainer-Duo Michael Söchting (re.) und Kris-Lennart Müller.

Er ist seit einem knappen Vierteljahrhundert als Trainer im Einsatz: Die Rede ist von Michael Söchting. In der laufenden Spielzeit coacht „Koala“ zusammen mit Tünderns Oberliga-Spieler Kris-Lennart Müller die Landesliga C-Junioren der JSG Halvestof/Hem/TCH. Wir haben uns mit ihm über die aktuelle Situation in der Jugendspielgemeinschaft der Vereine Tündern, Hilligsfeld, Afferde, Halvestorf und TC Hameln unterhalten. Darüber hinaus kündigt Söchting für die kommende Spielzeit einen Jugendförderverein an. Von der A- bis zur D-Jugend sollen 13 Teams auf Kreis-, Bezirks- und Landesbene an den Start gehen. Zudem haben wir uns mit dem 54-Jährigen ausführlich über den bisherigen Saisonverlauf, die momentane Lage aufgrund der Coronakrise und seine persönliche Zukunft unterhalten – Teil 2 des Interviews heute auf AWesA.

4.) Zusammen mit Kris-Lennart Müller coachst Du die C-Junioren JSG Halvestorf/TC Hameln in der Landesliga. Mit zwölf Punkten aus neun Partien belegt Ihr einen gesicherten sechsten Rang. Wie beurteilst Du den bisherigen Saisonverlauf?
„So ganz gesichert ist der gar nicht. Schließlich trennen uns gerade einmal fünf Punkte von einem Abstiegsplatz. Aber im Rahmen unserer Möglichkeiten sind wir schon sehr zufrieden. Wir dürfen nie vergessen, dass die überwältigende Mehrheit des Kaders vor einem Dreivierteljahr ja noch in der Kreisliga unterwegs war. In der Offensive fehlt uns in diesem Jahrgang ein wenig das Potential, sodass wir viel über die Arbeit gegen den Ball kommen mussten. Das hat Kris-Lennart aber sehr schnell erkannt und der Truppe vermittelt. Dabei kam uns sehr entgegen, dass Kris-Lennart als Oberliga-Innenverteidiger ja von Haus aus ein echter Defensivspezialist ist und die Jungs sich im Detail viel von ihm abschauen konnten. Highlights waren bisher sicherlich die Auswärtspartien beim HSC Hannover (1:1) oder beim JFV Arminia Hannover/SC Langenhagen (2:0), wo wir mit einer Bombeneinstellung überraschend Punkte bei favorisierten Teams einfahren konnten. Chancenlos waren wir dagegen beim 1:5 bei der U14 von Hannover 96. Ähnlich war es beim 0:5 gegen Tabellenführer TSV Havelse oder dem 0:3 gegen den JFV Calenberger Land. Diese Teams haben aber ganz andere Ansprüche. Wenn man berücksichtigt, dass bspw. Calenberger Land mit einem 30-Spieler-Kader in die Saison gegangen ist und dabei Spieler aus Nienburg oder Bielefeld „beschäftigt“, erkennt man schnell, dass man gegen solche Teams nicht von Waffengleichheit sprechen kann. Ob man im gehobenen Jugendfußball aber überhaupt Kader dieser Größe bilden muss und damit seinem Ausbildungsauftrag in gebotenem Maße nachkommt, steht für mich noch einmal auf einem ganz anderen Blatt.“

5.) Aktuell ruht der Spielbetrieb in Niedersachsen und ganz Deutschland bis auf Weiteres. Wie ist Deine Einschätzung: Sollte man die Spielzeit abbrechen oder zu Ende bringen? Wie würdest Du die Saison bei einem Abbruch werten?
„Ehrlich gesagt: Ich würde abbrechen. Wir hätten theoretisch zwischen dem 25. April und 5. Juli noch 13 Pflichtspiele. Die kriegen wir nie und nimmer sauber über die Bühne, zumal sicherlich noch das eine oder andere Spiel im Frühjahr ausfallen dürfte. Der Wettbewerbsverzerrung sind da Tür und Tor geöffnet. Am Ende profitieren dann vielleicht diejenigen, die sich einen großen Kader leisten können. Am Ende sollte es keinen Absteiger geben, somit kann sich auch niemand beklagen, dass er nach der Saison schlechter da steht als vorher.“

6.) Aktuell weiß niemand, ob die Saison aufgrund der Coronakrise fortgesetzt wird. Sollte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden: Was habt Ihr Euch noch vorgenommen?
„Da unser Land ja durch alle Gremien und Instanzen, von oben bis unten derzeit leider emotional 'maximal coronal' aufgeladen und nicht immer jede Entscheidung von Bedacht oder Vernunft geprägt ist, glaube ich aber nicht, dass sich in absehbarer Zeit jemand zu einer vom medialen Mainstream abweichenden Lösung durchringen wird. Wenn es dann doch so kommen sollte, haben wir als Mannschaft nur ein Ziel: Den Klassenerhalt in der Landesliga!“

7.) Du bist seit vielen Jahren Jugendtrainer, hast aber noch viel mehr Erfahrungen und Erfolge im Herrenfußball gesammelt und gefeiert. Wo siehst Du deine Zukunft als Übungsleiter?
„Mal sehen. Ich werde dieses Jahr 55 und bin dann als Trainer ein knappes Vierteljahrhundert unterwegs. Eigentlich muss man da nicht mehr zwingend viermal die Woche auf dem Fußballplatz stehen. Im Schwerpunkt möchte ich gern kommende Saison als sportlicher Leiter des JFV Hameln für die Jahrgänge U19 bis U16 versuchen, die Zusammenarbeit und die Ausbildungsarbeit zwischen den A- und B-Jugendteams des neuen JFV zu begleiten und koordinieren. Zudem könnte es sein, dass ich noch als Trainer oder Co-Trainer des jüngeren B-Jugend-Jahrgangs beim JFV ran muss. Da ist aber noch nicht das allerletzte Wort gesprochen – ernst gemeinte und geeignete Bewerbungen für den Cheftrainerposten bei unserer aktuellen C-Jugend-Landesliga-Truppe nehme ich noch gerne entgegen!“

Michael, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg.
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Autor des Artikels

Timo Schnorfeil
Timo ist nach Matze Dienstältester im Team AWesA, telefoniert, schreibt und knipst – und ist Chef der redaktionellen Organisation.
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