20.09.2019 10:15

Interview


„Nur ja und ja“ - Der Rintelner Boxer Ruhe will auf den Box-Olymp!

Piergiulio Ruhe kämpft am 28. September um die GBC-Intercontinental-Meisterschaft / Wir haben uns mit dem Vollblutsportler unterhalten
Pierguilio Ruhe Boxen Rinteln Hameln Pyrmont AWesA
Piergiulio Ruhe bestreitet am 28. September den Kampf seines Lebens. Foto: Piergiulio Ruhe Management.
Trifft man ihn privat, sieht man es ihm nicht an. Sympathisch, bescheiden und bodenständig ist er. Doch steigt Piergiulio Ruhe in den Ring, geht’s richtig rund. Erst mit 17 Jahren hat er mit dem Boxen angefangen und ist mit 24 Jahren Profi. Sechs Kämpfe, sechs Siege – darunter die Deutsche Meisterschaft der GBA im Weltergewicht. Jetzt will der Rintelner nach den Sternen greifen und trifft am 28. September auf den in sieben Kämpfen ungeschlagenen Tschechen Jakub Chval. Es geht um die GBC-Intercontinental-Meisterschaft – versagen verboten. Zumal bei einem Sieg ein Junioren-Weltmeisterschaftskampf bei der IBF winkt, einem der vier großen Boxverbände weltweit. Wir haben uns mit dem Vollblutsportler über seine Leidenschaft, seinen Weg zum Profi, seinen unerschütterlichen Willen und den anstehenden Kampf unterhalten.

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Ruhe ballt die Siegerfaust: sechs Profikämpfe – sechs Siege. Foto: Piergiulio Ruhe Management.
Piergiulio, was macht für Dich die Faszination am Boxen aus?

Piergiulio Ruhe: „Boxen ist für mich nicht nur ein Sport, sondern eine Leidenschaft. Ich habe durch diesen Sport wichtige Werte wie Selbstbewusstsein, Zielstrebigkeit, Disziplin, Ehrgeiz und Wille neu erlernt. Diese Attribute sind über das Boxen hinaus wichtig und in alle Lebenslagen übertragbar. Was man sich vornimmt, muss man durchziehen.“

Vor Deiner Boxkarriere warst Du Fußballer. Die Sportart Boxen könnte unterschiedlicher kaum sein. Wie hast Du die Leidenschaft für diesen Sport entdeckt?
„Durch einen Freund, der Profiboxer ist, bin ich da reingerutscht. Er hat mich zum Boxen mitgenommen und ich habe mir sein Training angeguckt. Das war in der Zeit, als er gerade Profi geworden ist und die Stimmung war da natürlich super. Daran habe ich Gefallen gefunden. Als ich zu Hause war, habe ich sofort nach Kampfsportschulen in der Nähe gesucht und bin zum Energy Gym gegangen.“

Aus dem Hobby ist für Dich ein professioneller Sport geworden. Neben Deinem „normalen" Beruf ist Boxen mittlerweile Dein zweiter Job. Wie hast Du den Weg in die professionelle Boxwelt gefunden?
„Ich arbeite eigentlich in einem Familienunternehmen der dritten Generation. Direkt nach meinem Schulabschluss bin ich in den Betrieb gegangen, habe meine Lehre gemacht und parallel wurde aus dem Boxen immer mehr. In meinen Amateurkämpfen habe ich überzeugt und mich durch meine Leistungen empfohlen. Dann kam die Möglichkeit, Profiboxer zu werden und diese wollte ich keinesfalls verstreichen lassen.“

Der Kampf im Eins-gegen-Eins erfordert den unerschütterlichen Glauben an sich selbst und seine Fähigkeiten. Wie motivierst Du Dich immer wieder zu Höchstleistungen?
„Im Profigeschäft habe ich alle meine sechs Kämpfe gewonnen. Da ist es einfach, sich zu motivieren. Im Amateurbereich, als ich noch nicht allzu erfahren war, habe ich aber einige Male Lehrgeld zahlen müssen. Man kämpft gegen Boxer, der erfahrener sind als man selbst, um sich weiterzuentwickeln. Wenn du verlierst, fühlst du dich erst einmal, als ob dir dein Stolz genommen wurde. Dann entwickelt sich die Einstellung: jetzt erst recht. Du willst allen zeigen, dass du besser bist als zuvor. Ich will nicht liegenbleiben, sondern aufstehen und stärker als zuvor zurückkommen.“

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Piergiulio ist privat die Ruhe selbst. Foto: Piergiulio Ruhe Management.
Die Sportart Boxen hat immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen. Wie gehst Du damit um?
„Jeder Boxer wird irgendwann mal damit konfrontiert. Einem wird unterstellt, man habe ein Aggressionsproblem, man sei dumm oder kriminell. Das sind alles Klischees, die überhaupt nicht zutreffen. Ich bin das komplette Gegenteil. Ich bin ausgeglichen, weil ich mich jeden Tag voll verausgabe, habe keine kriminelle Vergangenheit und dumm bin ich auch nicht. Überhaupt dieser Vorwurf – Boxen ist wie Schach und wird von der Taktik geprägt. Man muss seine Bewegungen ganz genau auf den Gegner abstimmen, mehrere Schritte im Voraus planen. Der schlauere Boxer gewinnt.“

Am 29. Juni dieses Jahres hast Du die Deutsche Meisterschaft des GBA-Verbands gegen Ali Zadeh nach einem Punktsieg errungen. In rund einer Woche kämpfst Du gegen den Tschechen Jakub Chval um die GBC-Intercontinental-Meisterschaft. Wie läuft die bisherige Vorbereitung?
„Ich bin sehr zufrieden mit meinem Fitnessstand und könnte direkt starten. Ich trainiere zweimal am Tag und arbeite an meiner Technik, meiner Kondition und feile in Sparringskämpfen an Feinheiten. Ich arbeite aber weiterhin in meinem normalen Job und muss das irgendwie unter einen Hut bekommen. Irgendwie ist aber alles miteinander vereinbar, auch wenn es sehr, sehr anstrengend ist.“

Du hast Dich vom absoluten Anfänger zu einem Profi entwickelt. Wie unterscheidet sich Dein Training von heute zu früher?
„Als ich mit dem Boxen angefangen habe, war ich völlig fertig und dachte mir, dass ich es mit steigender Fitness immer besser hinbekomme. Allerdings wird das Training viel, viel härter. Das ist kein Vergleich mehr zu früher. Teilweise denke ich mir: Was mache ich da, wozu quäle ich mich so sehr? Aber wenn du dann die Früchte erntest und siehst, was du durch diese Quälerei erreicht hast, bist du dankbar, dass du diese Disziplin hattest. Diese Erlebnisse treiben mich immer weiter an.“

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Autsch. Foto: Piergiulio Ruhe Management.
Dein Gegner Jakub Chval hat bisher sieben Kämpfe bestritten – und schlug alle seine Gegner jeweils in den ersten zwei Runden K.O.. Für Dich ist es der größte Kampf Deiner bisherigen Karriere. Warum wirst Du den Kampf gewinnen?
„In meinem Kopf gibt es nicht die Option, den Kampf zu verlieren. Es gibt nur ja und ja. Ich gebe so viel für diesen Kampf, arbeite so hart und deshalb habe ich es verdient.“

Solltest Du den kommenden Kampf gewinnen, qualifizierst Du Dich für einen Junioren-Weltmeisterschaftskampf (Höchstalter 25 Jahre) bei der IBF – eine der vier größten Boxorganisationen der Welt...
„Das ist mein absoluter Traum. Die Junioren-Weltmeisterschaft hat genauso einen Stellenwert wie die die Weltmeisterschaft über 25 Jahre. Du wirst genauso in den Ranglisten verbucht. Natürlich denkt man im Hinterkopf daran, auch wenn es eigentlich der Schritt nach dem nächsten ist. Das motiviert mich nur noch mehr, den Kampf in der nächsten Woche für mich zu entscheiden.“

Bei so viel Motivation – wie stellst Du sicher, dass Du nicht übermotiviert in den Kampf gehst?
„Der Druck ist natürlich enorm hoch. Alles hängt von der Tageseinstellung ab. Bei der Deutschen Meisterschaft in der Heimatstadt war der Druck ebenfalls sehr hoch. Da hatte ich aber aber eine super Tagesform, der Kopf war frei, ich war voll auf den Kampf fokussiert und am Ende habe ich gewonnen. Daher weiß ich, dass ich mit dem Druck umgehen kann. Ich habe es ja schon bewiesen. Alles weitere muss ich auf mich zukommen lassen. Mir bleibt ja nichts andere übrig (lacht).“

Piergiulio, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg auf Deinem weiteren Weg.
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