05.10.2018 10:01

Interview


„Kinder sollen draußen Fußball spielen – und nicht Fortnite vor der Glotze“

Buchautor und „Tausendsassa“ Roman Wallat im Interview / Am 25. Oktober erscheint sein Buch „Del Rio trug Klettverschluss“
Cover Del Rio trug KlettverschlussJugendfußballer bei Hannover 96, Studium der Philosophie, Germanistik und Finanzwesen, Plattenkritiker für ein Musikmagazin, Kurzgeschichten- und Romanautor, Fußballtrainer und Strandarbeiter am Comer See in Italien – die vielseitige Lebensgeschichte von Roman Wallat passt in keine Schablone. Und das ist auch gut so. Mehr oder weniger zufällig ist der „Tausendsassa“ nun auch Autor des Jugendfußball-Buches „Del Rio trug Klettverschluss“ geworden Am 25. Oktober erscheint sein 132-seitiges Buch. Vier Jahre lang begleitete Wallat eine Jugendmannschaft des TSV Wennigsen als Trainer – und hält die Kuriositäten und schönen Geschichten des Fußballs in seinem Werk fest. Dafür schlüpft er in die Rolle des Fußball-Reporters Menotti. „Das Buch soll die Fußballbegeisterung einfangen. Dieser Sport ist großartig. Kinder sollen draußen Fußball spielen – und nicht Fortnite vor der Glotze“, sagt er im Interview. Unterschreiben wir so. 

Herr Wallat, am 25. Oktober erscheint Ihr Buch „Del Rio trug Klettverschluss“. Was hat es mit dem Titel auf sich?

Roman Wallat: „Del Rio ist einer der Spieler der Mannschaft, die in dem Buch die Hauptrolle hat. Es passiert im Buch etwas in dieser Richtung – mehr möchte ich aber nicht verraten (lacht).“ 

Sie sind seit rund sieben Jahren Jugendtrainer – viele unterschätzen den Aufwand, der bei der Betreuung der „jungend Wilden“ entsteht. Was fasziniert Sie so sehr am Dasein als Jugendtrainer?
„Ich liebe Fußball. Aktuell trainiere ich die Nachfolgemannschaft des Teams, von dem das Buch handelt. Wenn ich sehe, dass Kinder Spaß an ihrem Hobby Fußball haben, ist das für mich großartig. Es ist kein Geheimnis, dass Kinder in der heutigen Zeit mehr denn je unter Druck stehen. Da ist es großartig, zu sehen, wie diese Kinder einfach nur Spaß haben – fernab von jedem Druck.“

Wer sich Ihre Autorenbeschreibung auf der Verlagsseite von „zu Klampen“ durchliest, merkt schnell: Dieser Mann hat viel gesehen. Wie sind Sie nun dazu gekommen, ein Buch über Jugendfußball zu schreiben?
„Das ist eigentlich purer Zufall. Ich schreibe auch an anderen Dingen, darunter ein Roman. Da taucht Fußball nur nebensächlich auf. Im Jahr 2012 hat ein Elternteil eine Homepage für die G-Jugendmannschaft erstellt. Darauf konnte man Berichte schreiben. Ich wollte eigentlich nur einen Text veröffentlichen, hatte dabei aber so viel Spaß, dass mehr draus geworden ist. Ausführlich beschreibe ich meine Beweggründe im Vorwort des Buches.“

Roman Wallat Del Rio trug Klettverschluss
Roman Wallat ist Autor des Buches „Del Rio trug Klettverschluss“ - und noch vieles mehr. Copyright: Ralf Orlowski.
Das Buch handelt zu großen Teilen von Ihren persönlichen Erfahrungen als Jugendtrainer beim TSV Wennigsen. Was war das kurioseste Erlebnis, das Sie in besonderer Erinnerung behalten haben?
„Spontan fällt mir ein beeindruckendes Erlebnis ein. Johann 'the Rocket', einer der Protagonisten, war damals acht Jahre alt. Damals hat er ein tolles Tor bei einem 7:5-Sieg geschossen. Da er mit seinen Eltern anschließend in den Urlaub fahren sollte, hätte er das darauffolgende Spiel verpasst. Er hat dann so lange bei  seinen Eltern rumgequengelt, dass er das nächste Spiel auf keinen  Fall verpassen wolle, bis sie nachgegeben haben. Er durfte die Woche bei seinen Großeltern verbringen anstatt an der Nordsee. Das darauffolgende Spiel ging dann leider verloren. Johann hat sich trotz seiner drei geschossenen Tore total verantwortlich gefühlt, dass seine Mannschaft verloren hat. So eine Leidenschaft zeichnet Kinder aus.“

Auch Sie haben in jungen Jahren gegen Ball getreten – und das sogar richtig gut. Immerhin hat's für Hannover 96 gereicht. Wie verlief Ihre persönliche Fußballlaufbahn?
„Ich habe damals beim TSV Wennigsen mit dem Fußballspielen angefangen und bin über mehrere Vereine in der B-Jugend von Hannover 96 gelandet, wo ich dann mit André Breitenreiter zusammengespielt habe (lacht). Im Herrenbereich habe ich noch bei Arminia Hannover gespielt, ehe die Verletzungen kamen. Als ich nach Italien gegangen bin, habe ich noch ein wenig weitergekickt, irgendwann war dann mit der aktiven Laufbahn Schluss.“

Sir sind dem Fußball als Jugendtrainer erhalten geblieben. Wie kam es dazu?
„Die klassische Geschichte: Das eigene Kind kommt ins Fußballalter – wobei ich mir aber auch vorstellen könnte, dass ich es ohne das eigene Kind gemacht hätte (lacht).“

Wenn Sie einen Vergleich aus Ihren persönlichen Erfahrungen ziehen: Worin unterscheiden sich der Jugendfußball von „früher“ und der heutige?
„Jetzt muss ich ausholen, wobei ich natürlich sagen muss, dass mir ein Vergleich nicht ganz einfach fällt, da ich den Fußball damals durch meine kindlichen Augen gesehen habe. Ich denke, dass die Kinder von heute etwas schwieriger zu führen sind als früher. Mit der Erfahrung, die man als Trainer sammelt, klappt das aber auch. Was definitiv der Fall ist: Während wir damals auf Bolzplätzen der untersten Sorte gegen ältere Kinder gespielt haben und uns Lösungen überlegen mussten, den körperlichen Unterschied zu umgehen, tendieren Kinder heute dazu, schneller demotiviert zu sein und aufzugeben. Wir waren vielleicht ein Stück weit selbstbestimmter. Dafür sind die Kinder heute technisch besser.“

Wir würden Sie die fußballerische Ausbildung von heute mit der von früher vergleichen?
„Heute wird bereits in jungen Jahren mit der Implementierung von Spielphilosophien angefangen – Spiel mit zwei Ballkontakten und so weiter. Ich habe das Gefühl, dass Fußball teilweise zu früh sehr ernst genommen wird. Kinder brauchen eine gewisse Freiheit. Ich lasse die Kinder beispielsweise bei jedem Training erst einmal 20 Minuten frei spielen. So können sie ihre überschüssige Energie und ihren Stress, den sie aus den verschiedensten Lebenssituationen mitbringen, abbauen. Die Kinder organisieren sich während dieser 20 Minuten selbst. Durch diesen durchstrukturierten Fußball, der seit einigen Jahren in Deutschland beigebracht wird, habe ich das Gefühl, dass echte Individualisten zu kurz kommen. Das zieht sich durch bis in den Leistungsbereich. Als Trainer ist es natürlich nervig, wenn du einen Spieler hast, der viel alleine macht. Wenn du aber zu  früh anfängst, den heranwachsenden Fußballern ihre Entscheidungsfreiheit und ihre Kreativität zu nehmen, bekommst du ein Spiel, das nur nach Schema F funktioniert. Wenn dieses Schema nicht passt, fehlen jedoch die alternativen Lösungswege. Die Leistungen von Deutschland bei der Weltmeisterschaft sind da ein gutes Beispiel. Ballbesitzfußball funktioniert gut, aber das Variantenreichtum lässt doch zu wünschen übrig. Das finde ich schade, da es die kreativen Spieler sind, die dem Fußball diese besondere Note geben.“ 

Angeblich ist der Basis-Fußball in einer Krise. Immer weniger Kinder spielen Fußball, das Ehrenamt verliert an Bedeutung, Mannschaften werden zurückgezogen. Verfolgen Sie mit Ihrem Buch auch eine kritische Note?
„Auf jeden Fall überwiegen die Kuriositäten und tollen Momente, die im Fußball entstehen. Es kann auch mal etwas Kritisches dabei sein, aber ich verarbeite das auf eine ironische Art und Weise. Das Buch soll die Fußballbegeisterung einfangen. Dieser Sport ist großartig. Kinder sollen draußen Fußball spielen – und nicht Fortnite vor der Glotze.“

Herr Wallat, wir danken für das Gespräch.
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