07.08.2026 13:31

Wechselfehler


„Wechselfehler": VfL Hameln III – Die „Dreite": Mehr als nur eine dritte Herren

„Über uns selbst zu lachen, ist unsere DNA"
VfL Hameln III Teamfoto Meisterschaft
Die "Dreite" des VfL Hameln ist ekine gewöhnliche dritte Herren. Foto: privat.
Wechselfehler Kolumne Handball Logovon Jörg Vietmeyer

„Eine reine Spaßtruppe.“ Eigentlich war genau das der Plan. Mit diesen Worten beschreibt Henrik „Henne“ Schrader die Idee, aus der später die dritte Herren des VfL Hameln entstand. Oder besser gesagt: die „Dreite“ – und das ganz bewusst. „Dreite“ ist kein Rechtschreibfehler, sondern der Name, den sich die Mannschaft selbst gegeben hat. Und je länger man sich mit der Mannschaft beschäftigt, desto mehr merkt man: Die Dreite ist alles – nur keine gewöhnliche dritte Herren.

Denn ihre Geschichte beginnt gar nicht beim VfL Hameln. Ein großer Teil der Mannschaft spielte früher gemeinsam für den MTV Rohrsen. Nach der Auflösung der Herrenmannschaften gingen viele zunächst unterschiedliche Wege. Einige hörten mit dem Handball auf, andere wechselten den Verein. Was geblieben ist, war die Freundschaft.

„Über die Zeit und einige private Treffen wurde der Wunsch nach einer gemeinsamen Mannschaft immer größer“, erzählt Schrader. Eigentlich sollte daraus zunächst nur eine Eventmannschaft entstehen. Beachhandball, Triple Beach oder gemeinsame Veranstaltungen – mehr war zunächst gar nicht geplant. Doch irgendwann wurde aus der Idee mehr. Immer mehr Handballer schlossen sich der Gruppe an und der Wunsch entstand, wieder gemeinsam am Spielbetrieb teilzunehmen. „Die Entscheidung fiel ziemlich eindeutig auf den VfL Hameln, da einige hier auch ehrenamtlich aktiv sind und die Rahmenbedingungen für uns am besten passten“, beschreibt Schrader.

So war sie geboren – die Dreite.
Aus Spaß wurde Erfolg

Vor Saisonbeginn rechnete die Mannschaft noch mit einem kleinen Kader von acht bis zehn Spielern. Dass am Ende bei fast jedem Spiel der komplette Spielberichtsbogen ausgefüllt werden konnte, damit hatte niemand gerechnet. Auch sportlich lief es besser als erwartet. Ungeschlagen sicherte sich die Dreite die Meisterschaft und den Aufstieg. Dabei standen Ergebnisse gar nicht immer an erster Stelle. „Unsere Ziele in den Spielen waren oftmals, dass alle Feldspieler ein Tor geworfen haben und alle nahezu identisch viel Spielzeit ergaunern konnten.“

Vielleicht beschreibt genau dieser Satz die Mannschaft am besten.

Joerg Vietmeyer Handball Kolumne
Jörg Vietmeyer.
Handball kommt manchmal erst zum Schluss

Wer jetzt glaubt, bei der Dreite drehe sich alles um Spielzüge und Taktik, kennt die Mannschaft nicht.

„Unsere Vorbereitung und unser Training besteht zum großen Teil aus Kicken, Beachvolleyball, Radtouren und gemeinsamen Aktivitäten. Beim Training spielen wir zum Schluss dann noch etwas Handball, damit auch die nicht vorhandenen Spielzüge reibungslos funktionieren“, erzählt Schrader mit einem Augenzwinkern.
Die meisten Spieler sind inzwischen über 30, einige sogar über 40 Jahre alt. Gewinnen ist schön, viel wichtiger ist aber der gemeinsame Abend in der Halle.

„Uns geht es gar nicht um das reine Gewinnen, sondern um den Spaß bei der Sache, mal aus dem Alltag zu entfliehen, etwas Blödsinn zu labern, über sich selbst und die anderen zu lachen und einfach eine gute Zeit miteinander zu haben.“

Heimspiele wie ein großes Familientreffen

Nach dem schönsten Moment der vergangenen Saison gefragt, denkt Schrader gar nicht zuerst an die Meisterschaft. Seine Antwort lautet: Heimspiel gegen Aerzen. Eigentlich wollte die Mannschaft eine oder zwei Kisten Bier für die Zuschauer bereitstellen. „Gut, dass wir am Ende doch noch mehr gemacht haben. “ Die Tribüne war voll. Familien, Freunde, ehemalige Mitspieler und viele Interessierte sorgten für eine Atmosphäre, die selbst die Spieler beeindruckte. „Da haben wir schon ordentlich Gänsehaut bekommen und wussten, dass wir eine geile Truppe sind und unser Konzept voll aufgeht.“

Seitdem fühlen sich die Heimspiele der Dreite eher wie ein großes Familientreffen an. Während die Kinder nach dem Spiel durch die Halle laufen, sitzen Spieler, Familien und Freunde noch lange zusammen.

Kein Trainer, dafür jede Menge Verantwortung

Auch organisatorisch läuft bei der Dreite vieles etwas anders. Einen klassischen Trainer sucht man vergeblich. Zwar übernehmen zwei oder drei Spieler Verantwortung, organisiert wird die Mannschaft aber gemeinsam. „Damit wir als Team funktionieren, haben wir vor der Saison rund 20 Ämter gewählt. Jeder trägt seinen Teil dazu bei, dass die Truppe läuft.“

Für gute Laune sorgen gleich mehrere Spieler. Einen Einzelnen wollte Schrader gar nicht hervorheben. Beim Thema Pünktlichkeit musste er dagegen schmunzeln. „Wir alle haben Familie und Beruf und kommen daher regelmäßig zu spät. Spätestens zum Bier sind dann aber alle da.“

Mehr Erklärung braucht es eigentlich nicht.

Über sich selbst lachen gehört zur DNA

Warum sollte man sich ein Heimspiel der Dreite anschauen? „Wenn man ältere Herren attraktiven Handball spielen sehen will, die voller Freude und Tollpatschigkeit über das Spielfeld schweben.“

Noch wichtiger ist Schrader allerdings ein anderer Gedanke. „Uns ist es wichtig, dass wir uns immer selbst auf die Schippe nehmen. Über uns selbst zu lachen, ist unsere DNA.“

Übrigens hatte die Mannschaft schon vor der ersten Saison einen ganz eigenen Plan. Ziel war der Aufstieg – allerdings weniger aus sportlichem Ehrgeiz. „Bei unserem letztjährigen Start war unser Ziel direkt der Aufstieg, da wir in der Regionsliga dann nicht mehr so weit fahren wollten.“

Durch den Rückzug der TSG Emmerthal III und den Aufstieg der HSG Lügde-Bad Pyrmont ging dieser Plan allerdings nicht mehr ganz auf. Also musste kurzerhand ein neues Ziel her. „Nun heißt es also einen weiteren Schritt hoch, um wieder mehr Derbys zu haben. Am liebsten direkt in die Landesliga. Wer, wenn nicht wir? Die Dreite kann das“, sagt Schrader mit einem Augenzwinkern.

Vielleicht beschreibt aber genau das die Dreite am besten. Eine Mannschaft, die sich selbst nie zu ernst nimmt, sportlich erfolgreicher ist, als sie es wahrscheinlich selbst erwartet hätte, und vor allem zeigt, worum es im Amateurhandball wirklich geht: Freundschaft, Gemeinschaft und jede Menge Spaß.

Bis zum nächsten Mal bei „Wechselfehler“.
Und denkt dran: Immer schön korrekt wechseln.
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