26.06.2026 09:49

„Wechselfehler“: TV Bodenwerder - Handball, Herzblut und Heimat

„Mit Zusammenhalt, Engagement und den richtigen Menschen lassen sich tolle Dinge auf die Beine stellen“
TV Bodenwerder Regionsklasse Handball Herren Teamfoto
Der TV Bodenwerder geht derzeit in der Regionsklasse an den Start. Foto: privat.
Wechselfehler Kolumne Handball Logovon Jörg Vietmeyer

Wenn man über den TV Bodenwerder spricht, landet man irgendwann zwangsläufig bei den typischen Tugenden des Amateurhandballs. Zusammenhalt. Leidenschaft. Gemeinschaft. Alles Worte, die oft benutzt werden. Beim TV Bodenwerder wirken sie allerdings erstaunlich glaubwürdig.

Als ich die Antworten von Carsten Minasch gelesen habe, war schnell klar: Hier geht es nicht nur um einen starken zweiten Platz in der Regionsklasse. Hier geht es um eine Mannschaft, die schwierige Zeiten überstanden hat und sich ihren Herrenhandball erhalten wollte.

Dabei beschreibt sich das Team selbst mit drei Worten: Chaotisch. Unberechenbar. Voller Einsatz.

Das klingt zunächst nach einer Mannschaft, bei der nicht immer alles nach Lehrbuch läuft. Wahrscheinlich würde die Truppe das sogar sofort unterschreiben. Aber genau das macht sie aus. „Nicht immer läuft alles perfekt organisiert und auch auf dem Spielfeld weiß manchmal niemand so genau, was als Nächstes passiert – nicht einmal wir selbst“, sagt Minasch mit einem Augenzwinkern.

Was allerdings immer funktioniert, ist der Einsatz.

Heimstärke als Markenzeichen


Und der wurde in der vergangenen Saison belohnt. Mit Platz zwei spielte der TV Bodenwerder eine starke Runde und musste lediglich dem ungeschlagenen Meister VfL Hameln III den Vortritt lassen.

Besonders stolz ist die Mannschaft auf das Heimspiel gegen eben diesen Meister. Obwohl die Voraussetzungen nicht unbedingt für eine Überraschung sprachen, hielt Bodenwerder lange dagegen und zeigte, warum man sich in eigener Halle vor niemandem verstecken muss.

Überhaupt scheint die Halle in Bodenwerder ein besonderer Ort zu sein. Während auswärts nicht immer alles nach Wunsch lief, entwickelte sich die eigene Halle einmal mehr zur Festung. Dort, erzählt Minasch, gelingen Leistungen, die vielleicht nicht jeder Gegner erwartet. Dazu kommen treue Zuschauer, bekannte Gesichter und genau die Atmosphäre, die den Amateurhandball ausmacht.

Joerg Vietmeyer Handball Kolumne
Jörg Vietmeyer.

Mehr als nur Punkte und Tabellen


Der schönste Moment der Saison war deshalb auch kein Tor in letzter Sekunde und kein besonderer Sieg. Es waren die Stunden danach. Wenn Spieler, Freunde und Zuschauer noch zusammensitzen, fachsimpeln und den Abend gemeinsam ausklingen lassen. „Diese Gemeinschaft ist für uns oft mehr wert als jeder Tabellenplatz“, erklärt Minasch.

Für gute Stimmung sorgt dabei regelmäßig Knut Bild. Nicht nur im Training, sondern auch mit dem passenden Spruch zur richtigen Zeit. Und wer grundsätzlich zu spät kommt? Hier fiel der Name Johannes Sporleder. Wobei sofort nachgeschoben wurde, dass dies meistens berufliche Gründe habe. Außerdem sei er Sponsor. Da drückt man in Bodenwerder offenbar gerne mal ein Auge zu.

BRATWURST!


Besonders gefallen hat mir allerdings der Mannschafts-Schlachtruf. Während andere Teams auf die üblichen Parolen setzen, lautet dieser in Bodenwerder seit Jahren:
„BRATWURST!“

Entstanden ist das Ganze bei der Suche nach einem neuen Kampfschrei. Die üblichen Varianten seien einfach zu langweilig gewesen. Warum ausgerechnet Bratwurst? Die Frage scheint bis heute nicht vollständig geklärt. Muss sie aber wahrscheinlich auch nicht. Im Amateurhandball muss schließlich nicht alles logisch sein.

Aufgeben war keine Option


Die vielleicht wichtigste Geschichte dieser Mannschaft findet ohnehin abseits von Tabellen und Ergebnissen statt. Denn es gab Zeiten, in denen der Herrenhandball in Bodenwerder auf der Kippe stand. Zu wenige Spieler, schwierige Perspektiven und die Frage, ob es überhaupt weitergehen kann.

Viele Vereine kennen solche Situationen. Nicht alle überstehen sie. Der TV Bodenwerder dagegen schon. Neue Spieler kamen dazu, Rückschläge wurden weggesteckt und die Mannschaft machte weiter. Nicht weil es einfach war, sondern weil niemand wollte, dass der Herrenhandball in Bodenwerder verschwindet.

Vielleicht beschreibt genau das den TV Bodenwerder am Besten. Eine Mannschaft aus unterschiedlichen Charakteren, verschiedenen Generationen und ganz unterschiedlichen Lebenswegen. Verbunden durch die gemeinsame Leidenschaft für den Handball.

Oder wie Carsten Minasch es treffend beschreibt: „Man braucht nicht die größten Strukturen oder die meisten Spieler. Mit Zusammenhalt, Engagement und den richtigen Menschen lassen sich tolle Dinge auf die Beine stellen.“ Genau dafür steht der TV Bodenwerder. Für Handball. Für Herzblut. Und für Heimat.

Bis zum nächsten Mal bei „Wechselfehler“.

Und denkt dran:
Immer schön korrekt wechseln.

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Autor des Artikels

Team AWesA
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