Was für eine Bühne, was für eine Kulisse! Das diesjährige Kreispokalfinale zwischen dem TSV Nettelrede und dem TB Hilligsfeld am Pfingstsonntag wird der hiesigen Fußballregion noch lange im Gedächtnis bleiben. Vor weit über 1000 lautstarken Zuschauern auf dem perfekt präparierten Platz in Salzhemmendorf lieferten sich beide Teams einen packenden Fight.
NFV-Kreisvorsitzender Thomas Bertram zeigte sich schon am Spielfeldrand restlos begeistert von den Rahmenbedingungen: „Ich bin echt angenehm überrascht, was hier heute los ist. Was Blau-Weiß Salzhemmendorf auf die Beine gestellt hat, das sucht seinesgleichen. Das Wetter spielt mit, top! Ich ziehe meinen Hut davor und ich muss sagen, der Kreis Hameln-Pyrmont lebt. Für die Zukunft bleibe ich bei meiner Aussage: Das Pokalendspiel findet auf den Dörfern statt und nicht im Stadion in Hameln.“ Sowohl Nettelrede als auch Hilligsfeld hatten ordentlich Fan-Unterstützung im Gepäck, die bei bestem Sommerwetter und Sonnenschein von der ersten Minute an für echte Finalstimmung sorgte.
Das Spiel selbst begann zunächst verhalten. Beide Mannschaften agierten kontrolliert, wollten den entscheidenden Fehler im Defensivverbund vermeiden und starteten mit einer intensiven Abtastphase. Während Hilligsfeld anfangs viel Ballbesitz reklamierte und versuchte, durch Positionsrochaden auf den Außenbahnen Lücken zu reißen, hielt Nettelrede mit einer kompromisslosen Defensivleistung dagegen und setzte auf schnelles Umschaltspiel. TBH-Co-Trainer Tim Bödecker blickte später auf die schwierigen Bedingungen zurück: „Die Wärme hat beiden Mannschaften zu schaffen gemacht. Am Ende lebt das Spiel vom Kampf.“ Zudem wurde der TBH früh zu defensiven Anpassungen gezwungen: „Wir mussten in der ersten Halbzeit schon wechseln und einen Innenverteidiger rausnehmen. Das macht's nicht einfacher.“
Die erste echte Torannäherung gehörte dennoch dem TBH: Nach einer scharfen Hereingabe von Christiano dos Santos verpasste Jannik Stolpe den Ball im Zentrum nur knapp. Nettelrede meldete sich kurz darauf mit einem Fernschuss von Kevin Kohl an, der Hilligsfelds Keeper Carlos Stierand jedoch vor keine Probleme stellte. Auf der Gegenseite durfte sich TSV-Schlussmann Rene Sustrate auszeichnen, als er einen Versuch von Jonas Schulze per Fußabwehr entschärfte.
Die größte Chance des ersten Durchgangs verbuchte dann allerdings der TSV: Nach einer feinen Einzelaktion setzte sich Jonah Hirtz über rechts durch und legte quer. In der Mitte kam Finn Langenstein völlig freistehend zum Abschluss, scheiterte jedoch am glänzend reagierenden Stierand im TBH-Gehäuse. TSV-Coach Daniel Burk trauerte dieser vergebenen Führung nach: „In der ersten Halbzeit hatten wir die erste gute Chance, die wir leider vergeben, als Finn Langenstein ganz frei vor dem Tor diesen Schuss nimmt.“ Auf der Gegenseite brachte der eingewechselte Kimi Howanietz spürbar Leben ins Hilligsfelder Offensivspiel, doch es blieb bis zum Pausenpfiff beim 0:0. „Ich habe ehrlicherweise in der ersten Halbzeit schon zwei, drei, vier Mal gedacht: ‚Mensch, heute ist das Glück nicht auf unserer Seite‘“, gab Bödecker später offen zu.

Einer von vielen packenden Zweikämpfen im Pokalfinale. Foto: Luisa Schadeck.
Nach dem Seitenwechsel erwischte der TSV Nettelrede den etwas besseren Start und wirkte dem Führungstreffer insgesamt einen Tick näher. Das Spiel blieb jedoch von einigen Foulspielen geprägt und war extrem umkämpft. Trainer Daniel Burk war dennoch zufrieden mit der Einstellung seiner Elf: „Gut von uns war mit welchem Willen wir heute auf dem Platz agiert haben. Ich glaube, dass wir den absoluten Willen über die 90 Minuten gezeigt haben.“
Für Gefahr sorgten in dieser Phase vor allem Standardsituationen. Erst prüfte Hilligsfelds dos Santos TSV-Keeper Sustrate mit einem tückischen Freistoß aus gut 35 Metern, dann schlug das Aluminiumpech auf der Gegenseite gnadenlos zu. Felix Pischel feuerte einen Freistoß ebenfalls aus 35 Metern an den Pfosten. Nur wenig später hatte Maik Vogt den Torschrei bereits auf den Lippen: Er sah, dass TBH-Keeper Stierand zu weit vor seinem Kasten stand, und setzte aus 30 Metern zu einem feinen Heber an. Der Ball klatschte an die Latte, von dort an den Pfosten und landete schließlich in den Armen des sichtlich erleichterten Torwarts. „In der zweiten Halbzeit hatten wir zweimal leider Pech mit dem Latten- und Pfostentreffer“, bilanzierte Burk das fehlende Spielglück.
In der Schlussphase kam Hilligsfeld wieder etwas mehr auf, doch ein Abschluss von Louis Heucke war leichte Beute für Sustrate. Auf der Gegenseite verzog Nettelredes Luca Barthel aus 16 Metern knapp am langen Eck vorbei. Die größte Chance zum Lucky Punch verbuchte Hilligsfeld kurz vor dem Abpfiff nach einer gefährlichen Freistoßflanke per Kopf, doch Sustrate verhinderte mit einer starken Parade den späten Rückstand. Es blieb beim 0:0 – das Elfmeterschießen musste herhalten.
Der Krimi spitzte sich dramatisch zu. Levin Ketterer legte für Nettelrede mithilfe des Innenpfostens zum 1:0 vor. Christiano dos Santos glich trocken unten links aus. Auch Finn Langenstein behielt die Nerven und stellte auf 2:1 für den TSV. Dann begannen die Wackler: Hilligsfelds Kimi Howanietz setzte den Ball an den rechten Pfosten, doch Nettelrede konnte den Vorteil nicht nutzen, weil Mika Siegmann an Stierand scheiterte. Als Sustrate im Anschluss auch noch den Versuch von Louis Heucke parierte, schien der TSV endgültig auf der Siegerstraße. Doch Felix Pischel traf für Nettelrede ebenfalls nur den linken Pfosten.

Der entscheindende Schuss ins Glück. Jay Ashton schießt den TB Hilligsfeld zum Kreispokalsieg. Foto: Luisa Schadeck.
Hilligsfelds Kapitän Silas Bödecker blieb eiskalt und verwandelte zum 2:2-Ausgleich. Im letzten regulären Versuch für Nettelrede zielte Jonah Hirtz dann zu genau und jagte das Leder oben rechts über das Gehäuse. Nun lag die gesamte Last auf den Schultern von Jay Ashton. Der Schütze erinnerte sich an seine emotionalen Sekunden vor dem Anlauf: „Ich muss ehrlich sagen, als Louis Heucke und Kimi Howanietz verschossen haben, konnte ich eigentlich gar nicht mehr hinschauen, weil ich so ein Nerven-Freak bin. Aber ich habe meine Ecke, in die ich eigentlich immer schieße.“ Ashton blieb cool, schob den Ball unten rechts ins Eck und versetzte sein Team in Ekstase. „Wir sind natürlich froh, dass wir unsere Eier im entscheidenden Moment wiedergefunden haben und dass das letzte Ding dann reingegangen ist“, atmete Co-Trainer Bödecker auf. Der TB Hilligsfeld ist Kreispokalsieger 2026!
Nach dem Abpfiff brachen alle Dämme. Tim Bödecker, der mitten im Sieger-Interview eine lautstarke Bierdusche seiner Spieler über sich ergehen lassen musste, fand sichtlich durchnässt klare Worte: „Elfmeterschießen ist am Ende immer etwas Glück und Nettelrede hatte auch einen genialen Keeper auf dem Feld. Ich leide ehrlicherweise mit den Jungs, die verschossen haben.“ Gleichzeitig vergaß er im Moment des Triumphes den eigentlichen Macher hinter dem Erfolg nicht: „Der Vater des Erfolgs ist Michael Söchting. Der möchte nicht zum Interview, aber er hat den Jungs, die da heute gespielt haben, früher den Hintern abgewischt, sie zu Fußballern gemacht und kann heute mit ihnen gemeinsam heute den Pokal hochstemmen. Das ist ganz wichtig! An dieser Stelle auch noch schöne Grüße an unseren Trainer Christian Ernst, der gerade im Urlaub auf Mallorca weilt.“
Während Siegtorschütze Ashton bereits die kommenden Stunden skizzierte – „Man sieht jetzt schon, dass wir heute ordentlich feiern werden und dann geht's nächste Woche weiter mit der Liga“ –, herrschte beim unterlegenen TSV trotz des verpassten Titels sportlicher Anstand. Trainer Burk blickte trotz des bitteren Ausgangs direkt nach vorne: „Im Elfmeterschießen gehört auch immer ein bisschen Glück dazu und am Ende hat die Mannschaft gewonnen, die einen Elfmeter mehr verwandelt hat."
Das sportliche Schlusswort gehörte Verbandschef Thomas Bertram, der ein faires Fazit zog: „Ich glaube, mit dem minimalen Ergebnis heute, ist der TB Hilligsfeld dann auch zurecht Kreispokalsieger geworden.“
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