17.08.2025 15:39
Oberliga Frauen
„Das größte Comeback, bei dem ich jemals live dabei war“
Tünderns Frauen mit Wahnsinns-Aufholjagd in Wendessen

Bei BW Tündern war der Jubel grenzenlos. Foto: privat.
SV Wendessen – BW Tündern 3:4 (3:0).
„Das ist das größte Comeback, bei dem ich jemals live dabei war“, brach Tünderns völlig überwältigter Trainer Konrad Voss nach dem 4:3-Auswärtserfolg in Wendessen aus sich heraus. Kein Wunder: zur Pausen hatten die „Schwalben“ noch mit 0:3 zurückgelegen. „Es war ein total wildes Spiel. Und eigentlich waren wir auch in der ersten Hälfte schon richtig gut drin. Auch wenn mich einige für verrückt erklären mögen: in meinen Augen waren wir sogar in den ersten 45 Minuten die bessere Mannschaft“, gab der emotionale Coach zu Protokoll. Aus einer sicheren Defensive heraus suchten die Blau-Weißen von Beginn an zielstrebig den Weg in die Offensive – doch die Kugel wollte einfach nicht ins Tor. Das zeigte sich schon in der 32. Minute. Eine aussichtsreiche Offensivaktion der „Schwalben“ landete nicht in den Maschen, stattdessen setzte Wendessen zum Hard-Konter an, den Lina-Elisabeth Heidrich zur Führung verwandelte. Nur sechs Minuten später legten die Gastgeberinnen nach einer Diagonalverlagerung nach.
Ganz ungläubige Gesichter auf Seiten der Tünderanerinnen gab es dann unmittelbar vor der Pause. Wieder spielten sich Anna Franke & Co. aussichtsreich in die Offensive, wieder fand die Kugel nicht den Weg ins Tor – und wieder schaltete Wendessen eiskalt um. Im Vier-gegen-Zwei ging´s aufs Tünderaner Tor zu, bevor Christiane Sturm auf 3:0 erhöhte. „Niemand von uns wusste, was da eigentlich abgeht. Es war wie verhext“, konnte es Voss nicht fassen. Das gilt insbesondere für den Chancenwucher in der Nachspielzeit der ersten Hälfte: den ersten Abschluss von Sophie Niebisch klärte Wendessen unmittelbar vor der Linie. Versuch Nummer zwei entschärfte Keeperin Friederike Lau spektakulär. Und im dritten Versuch nagelten die Blau-Weißen das Spielgerät dann über den Querbalken. „Wir haben uns dann in der Halbzeit vorgenommen, noch in der ersten Viertelstunde den Anschlusstreffer zu machen und den Druck nochmal zu erhöhen“, lieferte der Coach einen Einblick in die Halbzeitansprache.
Und tatsächlich schien der Abschluss-Fluch gebannt. Nur sieben Minuten nach Wiederanpfiff zog Anna Franke aus der Distanz ab, abgefälscht schlug die Kugel unhaltbar in den Maschen ein. „Da haben wir uns alle schon gedacht: wendet sich jetzt das Blatt!?“, betonte Voss. Tatsächlich: in der 67. Minute landete ein Standard bei Neuzugang Rica Miserre, die mit der Hacke ihr Oberliga-Premieren-Tor erzielte. Jetzt war Blau-Weiß am Drücker. Zehn Minuten vor dem Ende landete ein Flankenball von der linken Seite bei Hanna Gröhlich, die das Spielgerät mit zwei schnellen Kontakten im Netz unterbrachte – 3:3. Doch bei Tündern dachte niemand daran, das Tempo zurückzuschrauben. Im Gegenteil: nur fünf Minuten nach dem Ausgleich setzte Ersatz-Keeperin Amelie Berger, die diesmal im Sturm aushalf, Gröhlich mit einem starken Steckpass in Szene, die anschließend zum 4:3 einnetzte. „Wendessen hat danach komplett aufgemacht, sodass wir sogar schneller noch den Sack hätten zumachen können. Wir haben noch einmal die Latte getroffen und sind zweimal an Wendessens Keeperin gescheitert“, fuhr Voss fort.
Doch das war am Ende egal, denn Tündern brachte den Vorsprung über die Zeit. Zum Abschluss sprudelten aus Tünderns Coach die Superlative nur so heraus: „Das war eine sensationelle Mannschaftsleistung und eine grandiose Moral des Teams. Es tut mir schon etwas leid, hier noch einzelne Namen herausheben zu müssen. Aber Hannah Schulze hat auf der Außenverteidiger-Position nochmal herausgeragt und auch Rica Miserre hat ein ganz starkes Spiel gemacht.“
Tore: 1:0 Lina-Elisabeth Heidrich (32.), 2:0 Denise Böndel (38.), 3:0 Christiane Sturm (45.), 3:1 Anna Franke (50.), 3:2 Rica Miserre (67.), 3:3 Hanna Gröhlich (81.), 3:4 Gröhlich (86.).
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