25.03.2020 11:03

Meldung


„Spiel meines Lebens“ Teil 1: „Jimmy“ Günzel – der Nationalspieler des TuS H.O.

Günzel ist der wohl beste Tempospieler der Hameln-Pyrmonter Fußball-Historie / Über die Preußen-Jugend zu Volker Finkes Havelsern und von da aus zum TuS Hessisch Oldendorf
Von Oliver Steffan

Matthias Jimmy Guenzel Jugend Nationalspieler 1981
Matthias “Jimmy“ Günzel, der Jugend-Nationalspieler im Jahr 1981. Aus dem privaten Archiv von Günzel.
Als Matthias „Jimmy“ Günzel zwölfjährig aus der D-Jugend des TSV Grohnde zu den Hamelner Preußen wechselt, ahnt wohl noch niemand in Hameln und Umgebung, dass bald ein zukünftiger Nationalspieler das 07-Trikot überstreifen wird...

Aus der Kreisauswahl, in der er verlässlich knipst, über die Bezirksauswahl schafft der pfeilschnelle Flügelspieler im Frühjahr 1981 den Sprung in die B-Jugend-Niedersachsen-Auswahl. Nach erfolgreicher Gruppenphase qualifiziert sich das von Horst Stockhausen trainierte Team Niedersachsen für das Finale, das im November 1981 ausgerechnet im Hamelner Weserbergland-Stadion stattfinden soll. Heimspiel! Es regnet in Strömen, das Stadion wird gesperrt und so muss das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft der B-Jugend-Länder-Auswahlen in Barsinghausen ausgetragen werden. Durch einen Treffer des Osnabrückers Paul Jaschke schaffen die Niedersachsen den großen Coup: Sie werden Deutscher Meister! 36 Jahre später treffen sich zehn der Deutschen Meister an der Stätte ihres großen Erfolges wieder, in der Sportschule Barsinghausen schwelgen die Helden von einst in Erinnerungen, tauschen sich aus, übernachten und versprechen einander, sich beizeiten wieder zu treffen – Sportler verstehen sich! Einer wird dann nicht mehr dabei sein: Paul Jaschke, der Schütze des goldenen Tores und langjähriger Zweitliga-Profi beim VfL Osnabrück, stirbt im Februar 2019 im Alter von 52 Jahren nach einem plötzlich aufgetretenen Herzinfarkt völlig unerwartet.

Kaderliste Deutsche Jugend-Nationalmannschaft Matthias Jimmy Guenzel
Die Kaderliste der Jugend-Nationalmannschaft: Matthias „Jimmy“ Günzel ist als Angreifer gelistet. Aus dem privaten Archiv von Günzel.
Jaschke, der Osterholzer Lars Fehse und der spätere Osnabrücker Profi Ralf Heskamp vertreten Mitte März 1982 neben dem ebenfalls nominierten Matthias Günzel Niedersachsens Farben bei den beiden Länderspielen der neu aufgebauten DFB-Auswahl. In Regensburg und zwei Tage später in Passau treffen sie u.a. mit den späteren Bundesliga-Stars Tino Löchelt (1. FC Kaiserslautern), Bernhard Trares (1860 München, Pokalsieger mit Werder Bremen, heute Trainer beim SV Waldhof Mannheim) und Franco Foda (deutscher Nationalspieler und derzeitiger Trainer der österreichischen Nationalelf) auf die Auswahl der CSSR (Tschechoslowakische Sozialistische Republik). Als der von Trainer Dietrich Weise gecoachte hoffnungsvolle Nachwuchs-Jahrgang in die neue Saison startet, steht Matthias „Jimmy“ Günzel beim 1:1 in der Anfangsformation und auch zwei Tage später trägt der Jung aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont beim 0:0, erneut gegen die CSSR, das Trikot mit dem Bundesadler: „Das Gefühl, als die Nationalhymne gespielt wurde und die ersten Töne erklungen sind, war absolut irre. Ich war einerseits stolz und auf der anderen Seite konnte ich überhaupt nicht glauben, was hier gerade passierte. Meine Leistung war recht ordentlich, ich war nach dem Spiel zufrieden.“

Übrigens gelingt Auswahl-Trainer Dietrich Weise, in den 60er und 70er Jahren beim 1. FC Kaiserlautern, Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf mit großem Erfolg als Bundesliga-Coach aktiv, fünf Monate zuvor bei der FIFA Junioren-Weltmeisterschaft in Australien die Riesensensation. Im Finale in Sydney schießen Borussia Dortmunds späterer Kapitän Michael Zorc, Ralf Loose, Roland Wohlfahrt und ihre Kameraden den DFB-Nachwuchs durch ein 4:0 über Katar, das Brasilien mit Julio Cesar zuvor überraschend mit  3:2 besiegt, zum Weltmeister-Titel.

Aufgebot Deutsche Jugend-Nationalmannschaft Matthias Jimmy Günzel
Vor dem Duell gegen die CSSR. Aus dem privaten Archiv von Günzel.
Nach weiteren Jahren in Preußens A-Jugend rückt Günzel im Sommer 1984 in den Landesliga-Kader der von Reinhard „Fally“ Wasner trainierten Hamelner Herren auf. Als frisch gebackener Bezirkspokalsieger mit den 07ern nimmt der 19-jährige Stürmer, der seine Ausbildung zum Industriekaufmann bei den Stephan-Werken in Hameln gerade beendet hat, das Angebot des Drittligisten TSV Havelse, mit Trainer Volker Finke, an und wechselt  zur Saison 1985/86 zum hannoverschen Vorstadtverein. Günzel dreht zu Saisonbeginn richtig auf, zählt in den ersten sechs Begegnungen im Fachmagazin „Kicker“ fünfmal zu den stärksten Spielern des TSV, bevor ihn ein Bänderriss zurückwirft. Der ehrgeizige Rechtsfuß schüttelt sich und erkämpft sich dann seinen Stammplatz zurück: „In der Amateur-Liga habe ich reihenweise gegen gestandene, ehemalige oder hoch motivierte, angehende Bundesliga-Spieler gekickt. Altona 93, mit den ehemaligen HSV-Europapokal-Siegern von 1977 Nogly und Hidien, wurde von Willi Reimann trainiert. Beim FC St. Pauli standen mir Stefan Studer, Andre Golke, Rüdiger Wenzel oder Keeper Klaus Thomforde auf dem Rasen gegenüber. Meinen Gegenspieler Michael Hinz, der am Ende der Saison zum 1. FC Nürnberg in die Bundesliga wechselte und den ich zuvor noch schwindelig spielen durfte, habe ich gefragt: 'Was willst du denn in Nürnberg, du Vogel?!'“ erinnert sich Günzel lachend.

Nachdem die Einberufung zur Bundeswehr, Standort Northeim, zum 01. April 1986 erfolgt, wird das Ende beim TSV Havelse eingeläutet: „Finke sagte mir damals, dass er seine Mannschaft nunmehr vor allem nach charakterlichen Kriterien zusammenstellen würde, er mich gern behalten wollte, da ich voll in das Team und seine Vorstellungen reinpasste. Ich sagte ihm, dass ich die kaum lösbaren Herausforderungen – mein Wohnort Grohnde, die Bundeswehr in Northeim, vier- bis fünfmal die Woche Fußball in Havelse – nicht mehr  unter einen Hut kriegen würde. Daraufhin riet er mir, eine Klasse tiefer zum TuS Hessisch Oldendorf, in die Nähe meines Wohnortes, zu wechseln – ein Verein, der auf junge Talente bauen würde.“

Morgen lest Ihr: „Jimmy“ Günzels Vereinswechsel und das Wiedersehen mit Volker Finkes Havelsern
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