24.11.2017 13:49

med & train


Die häufigsten Verletzungen im Fußball

Von Kolja Schweins & Andreas Plaul / PECH-Regel überholt?
Von Kolja Schweins & Andreas Plaul

Zum Thema „Behandlung von Verletzungen im Fußball" trafen sich die Trainer des Fußball-Kreises Hameln-Pyrmont letzte Woche im Vereinsheim von Preussen Hameln. Die Physiotherapeuten Kolja Schweins und Andreas Plaul gaben Einblicke in die spezifische Problematik  und unterlegten sie mit Fakten aus dem Bereich der 1. und 2. Bundesliga.

Nach dem Sportreport der VBG (2016) steht fest, dass das höchste Verletzungsrisiko im Fußball die Körperregion des Oberschenkels (21,3%/2016) trägt. Ihm folgend steht das Knie mit 15,8%, das Sprunggelenk (13,8%), der Unterschenkel (10,1%), der Fuß (9,7%), der Kopf (6,2%), die Hüfte (5,5%), gefolgt von der Schulter (4,1%) auf den nächsten Plätzen.

Die haeufigsten Verletzungen beim Fussball
Bild: Die häufigsten Verletzungen beim Fußball.


Auch im Sportreport der VBG (2017) ändert sich an der Reihenfolge der Häufigkeit von Verletzungen nicht viel. Nur der Fuß und der Unterschenkel ändern ihre Position. Dagegen ändert sich die prozentuale Aufteilung im Jahre 2017 nur teilweise.

Problematisch entwickeln sich die Zahlen von Verletzungen des Oberschenkels. Sie steigen um weitere 2 Prozentpunkte, auf 23,3%.

Spezifischer werden sie unterteilt in
35,2% Muskelzerrungen,
33,1% Rupturen,
23,5% Kontusionen,
8,2%

VBG Sportreport 2017 Oberschenkelverletzungen im Fußball
Bild: VBG- Sportreport 2017 Oberschenkelverletzungen im Fußball.


Wie man bei dieser Auflistung sieht, sind 68,3% muskuläre Verletzungen. Sie entstehen am häufigsten bei Bewegungsmustern in Sprint und Lauf, in Spielaktionen wie Dribbling und Laufduellen. Für einen Kontaktsport ist es vielleicht verwunderlich, dass der Bereich mit der höchsten Verletzungsrate hauptsächlich durch einen Non-Kontakt-Mechanismus ausgelöst wird. Als Hauptursache wird  eine „strukturelle Überbelastung“ aufgeführt.

VBG-Sportreport 2016 Typische Verletzungssituationen
Bild: VBG-Sportreport 2016: Typische Verletzungssituationen in Abhängigkeit von der Verletzungsregion.


Die untere Extremität ist, was Muskelverletzungen betrifft, stärker in Mitleidenschaft gezogen, als die obere Extremität. Mit über 90% aller Muskelverletzungen der unteren Extremität sind die vier großen Muskelgruppen:
Ischiokurale Muskelgruppe (hinterer Oberschenkel) (37%)
Adduktoren (Innerer Oberschenkel) (23%)
M. Quadriceps femoris (vorder Oberschenkel) (19%)
Wadenmuskulatur (13%)
am stärksten risikobehaftet. (Ekstrand et. al. 2011)

Auch bei dieser Aufzählung fällt das besondere Gewicht wieder auf den Oberschenkel.

Die Muskelverletzungen können/müssen ebenfalls noch weiter spezifiziert werden, um dadurch bedingt eine mögliche Therapie und einen möglichen Ausfall zu skizzieren. Durch die „Klassifikation von akuten Muskelverletzungen in Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Konsensus-Konferenz in München von 2011“  ist eine strukturiertere Aussage von Muskelproblematiken mit Diagnosestellung und optimalem Rehabilitationsverlauf möglich.

Klassifikation von akuten Muskelverletzungen 2011
Bild: Klassifikation von akuten Muskelverletzungen in Übereinstimmung mit den Ergebnissen der Konsensus-Konferenz in München von 2011


Muskelproblematiken werden bei indirekten Muskelverletzungen in funktionelle Muskelläsionen (Typ 1 & 2 ohne Schädigung der Muskelfaser) und strukturelle Muskelläsionen (Typ 3 &4 mit Schädigung der Muskelfaser) eingeteilt.

Bei direkten Muskelverletzungen wird in Kontusionen (Schädigung durch externe Gewalteinwirkung ohne Hautverletzung) und Lazeration (Schädigung durch externe Gewalteinwirkung mit Hautverletzung) eingeteilt.

Bei der Klassifikation Typ 2 (neuromuskuläre Muskelläsion) sollte, unserer Meinung nach, besonders die rückenbedingte neuromuskuläre Muskelläsion (Typ 2A) Erwähnung finden, da diese Art von Ursache in der Vergangenheit viel zu wenig Beachtung fand. Gerade bei Fußballern und Handballern kommt es immer wieder zu falschen Diagnosen und dadurch bedingt zu einem negativen Therapieergebnis, bis hin zu einem chronischen Leiden.

In der ausführlichen Auflistung der unterschiedlichen Typen, mit unter anderem der Definition, Symtombeschreibung, Lokalisation, Dauer des Ausfalls (bei optimalem Behandlungsverlaufs), der Auflistung von möglichen Komplikationen und der möglichen Behandlung, stimmen wir mit den ärztlichen Maßnahmen größten teils überein, jedoch gibt es gerade bei strukturellen Muskelverletzungen auch seit der Erstellung 2011 interessante Weiterentwicklungen, wie die Behandlung mit Eigenblutserum Platelet Rich Plasma (PRP).

Bei direkten Muskelverletzungen, wie Kontusionen (externe Krafteinwirkung ohne Hautverletzung) führen häufig zum Bluterguss (Hämatom), stimmen wir durch unsere jahrelange Erfahrung nicht mit der beschriebenen Behandlung überein.

Die beschrieben PECH-Regel - Sport[P]ause, [E]is, [C]Kompression, [H]ochlagern - ist für uns überholt.

Das „Auslaufen“, wenn es möglich ist, birgt ein geringes Risiko von Komplikationen. Bei einem sofortigen Bewegungsstopp ist die Gefahr eines längeren Ausfalls nach unserer Auffassung höher. Wichtig ist die Belastung, wie in vielen anderen Fällen, auch der Schmerzgrenze anzupassen, um einer Überlastung des gestressten Gewebes entgegenzuwirken.

Direkte Muskelverletzungen
Direkte Muskelverletzungen
Indirekte Muskelverletzungen Teil 1
Indirekte Muskelverletzungen Teil 1


Indirekte Muskelverletzungen Teil 2
Indirekte Muskelverletzungen Teil 2
Indirekte Muskelverletzungen Teil 3
Indirekte Muskelverletzungen Teil 3


Indirekte Muskelverletzungen Teil 4
Indirekte Muskelverletzungen Teil 4
1 / 32

Autor des Artikels

Team AWesA
Das Team AWesA stellt Euch die aktuellsten Sportnachrichten aus Hameln-Pyrmont kostenlos zur Verfügung. Bei Fragen und Anregungen kannst Du uns gern kontaktieren.
Telefon 05155 / 2819-320
info@awesa.de
Webdesign & CMS by cybox